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Charles Male aus Uganda ist drei Wochen am Lichtensteiner Gymnasium zu Gast. So auch in der Ethikklasse von Lehrer Robin Drechsel.

Foto: Markus Pfeifer

Liebeslied an die deutsche Sprache

Auch das ist Sachsen im Sommer 2017: Ein Lehrer aus Uganda wird in Lichtenstein herzlich aufgenommen. Er soll dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.

Von Jonathan Rebmann
erschienen am 25.08.2017

Lichtenstein. Charles Male räuspert sich noch ein letztes Mal. Seine Finger streichen vorsichtig über die Gitarrensaiten, dann beginnt der Schwarzafrikaner zu singen: "Deutsch verbindet Menschen". Es ist nicht das einzige Lied in deutscher Sprache, das er verfasst hat.

Auch das ist Alltag in Deutschland: Der Lehrer Charles Male aus Uganda hospitiert seit drei Wochen am Unterricht des Lichtensteiner Gymnasiums "Prof. Dr. Max Schneider". Dabei stellt er den Schülern sein Land vor, "die Perle Afrikas" nennt er es. Lichtenstein gefällt dem 61-Jährigen, "auch wenn es manchmal ein bisschen kalt ist". Dabei fällt der Blick auf seine - für den Sommer auffallend dicke - Jacke.

Warum schreibt ein Schwarzafrikaner ein Liebeslied an die deutsche Sprache, obwohl viele Ausländer in Deutschland auch Ablehnung erfahren? "Sprache ist ein Bindemittel, das Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenbringt", sagt Male. Genau das motivierte Schulleiter Michael Hausmann, den Lehrer einzuladen. "Charles soll den Schülern seine Lebenskultur näher bringen. Damit können vielleicht Vorurteile abgebaut werden", hofft er.

Ablehnung hat Male indes hier in Deutschland nicht erlebt. "Beim Zugfahren haben mich die Leute schon angeschaut, aber aus Neugier, nicht Geringschätzung", erzählt er.

Male gehört dem Goethe-Institut, mit Sitz in München an und begleitet zwei Schüler aus Uganda, die mit einem Stipendiat nach Deutschland gekommen sind. Der Kontakt zum Lichtensteiner Gymnasium kam über den pädagogischen Austauschdienst des Bundes zustande. Die Schule organisierte für Male eine Gastfamilie in Lichtenstein. Vermisst er hier etwas? "Ja, unser Essen", sagt er. Zuhause gibt es Maisbrei und Erdnusssoße. "In Deutschland wird aber viel Brot gegessen", stellt er fest.

Von den Schülern und Kollegen wurde er freundlich empfangen. "Am Anfang waren die Schüler zurückhaltend, aber das Eis war schnell gebrochen", erzählt Male. Einige der Kollegen sind inzwischen seine Freunde. Schulleiter Hausmann: "Wir sind froh, dass Charles zu uns gekommen ist." Die Schule hat schon Erfahrungen mit Lehrern aus dem Ausland gesammelt, aber aus Afrika ist noch keiner gekommen.

In seiner Heimat am Äquator läuft der Unterricht ganz anders ab als in Lichtenstein. So tragen die Schüler dort Schuluniform. Der auffälligste Unterschied ist aber die Klassengröße: 120 Schüler sitzen in einen Raum. "Da muss man für die Ruhe sorgen. Wer laut wird, muss raus", erklärt Charles Male, der mit seiner charmant-zurückhaltenden Art eigentlich gar nicht wie ein strenger Lehrer wirkt, eher wie ein Künstler. Sein Charakter passt zu seinen Unterrichtsfächern: Musik und Deutsch, die er zuhause an der Mengo Senior School in Uganda unterrichtet. Für seine Schüler hat er schon etwa 20 deutsche Lieder verfasst. Für die hiesige Sprache interessierte sich Male seit seiner Jugend. In der Schule lernte er sie und studierte das Fach später an der Universität. Es folgte ein Jahr Germanistikstudium im Saarland.

Doch morgen geht es zurück in seine Heimat, dann gibt es endlich wieder Maisbrei und Erdnusssoße.

 
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