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MarcoWanderwitz - Bundestagsabgeordneter

Foto: Markus Pfeifer

"Man sollte sich Orte wie Auschwitz ansehen"

Bundestagsabgeordneter Marco Wanderwitz (CDU) über die Beleidigung durch einen Schüler und die möglichen Ursachen

erschienen am 12.02.2018

Hohenstein-Ernstthal. Die Äußerung eines Schülers zu seiner Lehrerin, sie gehöre nach Auschwitz, hat teilweise für großes Entsetzen gesorgt. Der Fall hatte sich im August 2017 zugetragen, war aber erst in der vergangenen Woche bekanntgeworden. Erik Kiwitter sprach mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten und Vor- sitzenden der Arbeitsgruppe Medien und Kultur, Marco Wanderwitz (42).

Freie Presse: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie gehört haben, dass ein Schüler im Unterricht zu seiner Lehrerin gesagt hat: Sie gehören nach Auschwitz?

Marco Wanderwitz: Ich habe für einen Augenblick den Atem angehalten. Das war schon heftig.

Was muss man dem Schüler vorwerfen?

Mit 15 ist man strafmündig, da ist man bald mit der Schule fertig, da will man bald den Führerschein machen. Ich unterstelle mal, dass er so ungefähr weiß, was in Auschwitz passiert ist. Und wer so etwas sagt, der trägt eben menschenverachtendes Gedankengut in sich. Natürlich ist die Frage, wie ausgeprägt es ist.

Aber es ist die Gesellschaft, die so etwas möglich gemacht hat?

Zuerst haben die Eltern einen Erziehungsauftrag. Der wurde wohl ungenügend erfüllt. Häufig ist es ja so, dass die Kinder das übernehmen, was die Eltern zuhause am Frühstückstisch reden. Unabhängig davon, dass es auch in der DDR schon Neonazis gab, wurde aber auch in Sachsen in den vergan- genen Jahren viel versäumt.

Was?

Kurt Biedenkopf war leider blau äugig, als er sich in den 90ern sinngemäß so zitieren ließ, in Sachsen gebe es keinen Rechtsextremismus. Es wurde zu lange zu- und weg geschaut, statt dessen der Geschichtsunterricht weniger. Es wurde versäumt, genügend in die poli tische Bildung zu investieren.

Das rächt sich jetzt.

Ja, das hat eben politische Folgen, indem die Sache mit dem Auschwitz-Spruch im Altkreis Hohenstein-Ernstthal eigentlich ja kein Einzelfall ist. Eine Konsequenz ist auch, das sich AfD-Leute hinstellen und pauschal sagen können, man kann auf die Soldaten der Wehrmacht stolz sein, obwohl längst bekannt ist, welche Verbrechen auch die Wehrmacht begangen hat. Da besteht eine große Gefahr, dass das alles wiederkommt, und das muss man immer wieder sagen.

Was muss getan werden?

Es geht nicht um einen "Schuldkult", wie das bestimmte Leute unterstellen. Es geht darum, dass Derartiges nie wieder passieren darf. Man sollte sich deshalb schon die authentischen Orte wie Buchenwald oder Auschwitz ansehen. Das lässt keinen kalt. Wie viele Kinder dort niedergemetzelt wurden ... Die Täter kamen aus der Mitte der Gesellschaft. Ich bin der Auffassung, dass der Besuch einer Schulklasse nicht am zu kleinen Budget scheitern darf. Deshalb wurde jetzt im Koalitionsvertrag auch festgehalten, dass solche Fahrten besser unterstützt werden.

Wie schon gesagt, besonders im Freistaat Sachsen hat man Nachholebedarf ...

Für den neuen Ministerpräsidenten ist das ein großes Thema.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 13.02.2018
    17:48 Uhr

    Dorpat: Keine Wortmeldung von Wanderwitz ohne einen sinnlosen Seitenhieb auf die AfD mit der Nazikeule.
    Welche Angst hat der vor der AfD?
    Aber das wird in Zukunft nicht helfen, plumpe Propaganda kommt derzeit bei den Wählern nicht gut an!

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