Mann aus Lichtenstein wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Eine 30-jährige Polizeibeamtin wäre beinahe ums Leben gekommen. Erst drei Tage nach der Tat konnte die Polizei den Mann in Chemnitz stellen.

Chemnitz/Lichtenstein.

War es der Hass gegen Polizisten oder die Panik eines Mannes, der mit einem gestohlenen Auto unterwegs war und sich von der Polizei umstellt sah?

Anderthalb Jahre nach einem Aufsehen erregenden Vorfall im Parkhaus des Vita-Centers in Chemnitz muss sich ein 28-Jähriger, aus Lichtenstein stammender Mann nun wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht in Chemnitz verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, damals mit dem Auto auf eine 30 Jahre alte Polizeibeamtin zugerast zu sein, um sich einer Kontrolle zu entziehen. Die Frau wurde von dem Wagen erfasst und verletzt, ihr Kollege rettete sich mit einem Sprung zur Seite.

Schon im Januar 2016 hatte der polizeibekannte Angeklagte in Lichtenstein einen VW Scirocco gestohlen. Er tauschte die Kennzeichen, sodass der Diebstahl unentdeckt blieb. Im November 2016 stellte er sich mit dem Wagen im Parkhaus des Vita-Centers ausgerechnet neben das Privatfahrzeug eines Polizeibeamten. Dem kam etwas verdächtig vor, er ließ sich aber nichts anmerken und fuhr davon. Außer Sichtweite informierte er seine Kollegen und bat um Überprüfung des Mannes.

Als der dann bemerkte, dass sich Polizei an der Ein- und Ausfahrt des Parkhauses postierte, ergriff den Verdächtigen offenbar Panik. Mit hoher Geschwindigkeit, so schilderten Zeugen vor Gericht, soll der Lichtensteiner in dem mehrstöckigen Gebäude mit dem gestohlenen Volkswagen herumgekurvt sein - offenbar auf der Suche nach einer Möglichkeit zu entkommen. Als er die nicht fand, habe er Gas gegeben - auf die Polizisten zu. Die anschließende Verfolgung blieb erfolglos. Der Mann entkam.

"Es war mir klar, dass er sich nicht ergeben wird", gab einer der Beamten zu Protokoll, der den damals 25-Jährigen bereits aus anderen Ermittlungen kannte. Und die hatten es durchaus in sich. Insbesondere die Beziehung des Mannes zu einer jungen Chemnitzerin soll immer wieder für Polizeieinsätze gesorgt haben. "Es ging um Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl, alles Mögliche", schilderte die Frau als Zeugin am Dienstag den Richtern. "Er kam einfach nicht damit klar, dass ich seine Gefühle nicht erwidert habe." Vor allem, wenn er unter Drogen stand, sei er "regelmäßig durchgedreht".

Trotzdem suchte er immer wieder die Nähe zu der jungen Frau - und sei es, indem er sich über das Dach eines Sechsgeschossers auf den Balkon ihrer Wohnung herabließ und dort von draußen die Scheibe der Tür einschlug.

"Wir hofften alle, dass er irgendwann eingesperrt wird", erinnert sich eine frühere Nachbarin an die immer wiederkehrenden Probleme in dem Haus. Der Hilferuf einer anderen Bewohnerin war es schließlich, der drei Tage nach dem Vorfall im Vita-Center zur Verhaftung des Mannes führte. Er befand sich wieder in der Wohnung der Ex-Freundin und verbarrikadierte die Tür mit Möbeln. Dann habe er sich schließlich widerstandslos abführen lassen, schildert einer der damals beteiligten Beamten. Auf dem Polizeirevier habe man später auch den Fahrzeugschein des gestohlenen VW gefunden - versteckt unter der Einlegesohle seines Schuhs.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. Dann will sich der Angeklagte erstmals selbst zu den Vorwürfen äußern.

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