Meyer Burger: Hier wird eine 2-Millionen-Maschine verpackt

Beim Solarmaschinenbauer in Hohenstein-Ernstthal verlassen pro Woche bis zu vier Anlagen das Werk. Sie gehen in die ganze Welt. "Freie Presse" war dabei, als so ein Aggregat für den Export fertiggemacht wurde.

Hohenstein-Ernstthal.

Ganz langsam hebt Daniel Taubner mit seinem 7,5-Tonnen-Stapler das Maschinenmodul an. Mit fünf Tonnen Gewicht ist das Prozessmodul das schwerste der Maschine. Gut ausbalanciert auf der Gabel, kann es auf dem Weg zum Verpackungsbereich in der Halle bei Meyer Burger Germany nicht mehr verrutschen. Darf es auch nicht. Jede kleine Beschädigung würde die Lieferung der rund 2 Millionen Euro teuren Maschine verzögern.

Bis zu vier dieser Maschinen verlassen pro Woche die Halle des Solarmaschinenbauers im Gewerbegebiet "Am Sachsenring". Die Anlage soll schon bald in China arbeiten und dort Wafer beschichten. Das sind hauchdünne Halbleiterscheiben, die in den Solarmodulen von Photovoltaikanlagen verbaut und schon bald zur Stromerzeugung die Sonne anzapfen werden. Die Maschinen von Meyer Burger sind weltweit begehrt. Sie beschichten Wafer, die als fertiges Erzeugnis einen Wirkungsgrad von bis zu 22 Prozent erreichen. Damit mischt Meyer Burger Germany in der Liga der Weltmarktführer ganz oben mit.

Langsam fährt Taubner rückwärts über die schräge Hallenverbindung, setzt das Modul behutsam am Verpackungsplatz ab. Dort wartet die versierte Truppe von der Chemnitzer Firma Cargo Pack. Drei von sechs Modulen stehen bereits auf eigens angefertigten, mehr als 300 Kilogramm schweren Holzböden, quasi die Unterteile der Verpackungskisten. Die Männer um Chefverpacker Jan Werner arretieren das Aggregat mit Spanngurten, verschrauben das Chassis des Moduls mit dem Holzboden. Das Knattern der Schrauber wie beim Reifenwechsel der Formel 1 schallt durch die Halle. Ein Portalkran hievt nun auch das Prozessmodul millimetergenau auf den vorgesehenen Holzboden. Die Verpacker haben die Handgriffe 1000-mal erledigt. "Damit die Module gegen Feuchtigkeit geschützt sind, befindet sich zwischen Holzboden und Modul eine Alu-Verbundschicht. Ins Innere der Verpackung kommt außerdem Trockenmittel gegen Kondenswasser. Und zum Schluss wird aus der Folienverpackung auch die Luft herausgesaugt, bevor das Oberteil der Kiste obenauf gesetzt und verschlossen wird", erklärt Ralph Karnath, Logistikleiter bei Meyer Burger Germany. Er erstellt die Liefer- und Transportpläne und sorgt für die Ausfuhrdokumente. "Natürlich bestimmt der Kunde, wie seine Maschine versandt wird. Das Verschiffen kostet je nach Ziel rund 10.000 Euro, per Flugzeug das Siebenfache. Manche Kunden holen die Maschine direkt vom Werk ab, sie müssen dann mindestens mit drei Sattelzügen anrücken", sagt der Logistikchef.

Die frisch verpackte Maschine erreicht diesmal per Schiff ihr Ziel. Er weiß: Eine solche Maschine im Ganzen zu transportieren, ist nicht möglich. Komplett misst sie sechsmal elf Meter. Neun Kisten gehen auf Reisen, sechs mit Modulen, drei mit Zubehör wie den Vakuumpumpen, Verrohrungen, Geländern und Anbauleitern. Ingenieure und Monteure haben mindestens acht Wochen an der kompletten Maschine gebaut, sie danach getestet und wieder zerlegt. "Für manche Maschinen können wir uns auch mal vier Monate Zeit lassen. Das hängt von den Lieferterminen ab, die bestimmen den Ablauf", sagt Karnath. Er weiß schon: Bis Mitte nächsten Jahres sind die Auftragsbücher voll - viel Arbeit auch für die Logistik.

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