Miniwelt kappt Zwiebeltürme und Co

Endzeitstimmung in Lichtenstein. Die Saison ist vorbei, doch es gibt viel zu tun: Nicht nur Wind und Sonne - auch Diebe setzen den Modellen zu.

Lichtenstein.

Das Zwickauer Gewandhaus steht nicht mehr, die Siegessäule ist gekappt. Zwischen deutschen Wahrzeichen, russischen Zwiebeltürmen und antiken Weltwundern herrscht Endzeitstimmung. Die Saison in der Lichtensteiner Miniwelt ist vorbei, das Team rüstet die Modelle für den Winter.

Rund 63.000 Besucher kamen in diesem Jahr, etwa so viele wie 2016. Eine mittelprächtige Saison für die Ausstellung, die seit ihrer Eröffnung 1999 mehr als 1,5 Millionen Besucher zählt. Das lag vor allem am verregneten April und den nasskalten Herbstferien, sagt Marketingchefin Claudia Schmidt. "Wir sind immer abhängig vom Wettergott."

Seit Anfang November bereiten die Mitarbeiter den Park auf den Winterschlaf vor. Die Zeit drängt: Auf Fachwerkhäusern und Zwiebeltürmchen haben sich die paar Flocken am Montag zu Schneehaufen getürmt. Claudia Schmidt führt über die Wiese, auf der Sehenswürdigkeiten im Maßstab 1:25 verstreut liegen. Im Original 18 Meter hohe Säulen schrumpfen auf 72 Zentimeter - Regen und Schnee aber treffen die Miniaturen eins zu eins, sagt Schmidt, voller Mitleid mit ihren gebeutelten Modellen.

Was empfindlich ist und bewegt werden kann, überwintert in der Schauwerkstatt. Zeus und die Goldelse, die sonst auf der Siegessäule thront, sind ins Warme gezogen, wie auch die abnehmbaren Zwiebeltürme der Moskauer Basilius-Kathedrale. Ein Drittel der Modelle bekommt ein Haus aus Brettern und Folie übergestülpt, die Dresdner Frauenkirche etwa. Die Umhausung schützt die filigranen Zinnen und Türme vor der Schneelast. Der Rest der Bauwerke bleibt stehen. Wie das Völkerschlachtdenkmal. "Das ist robust", sagt Claudia Schmidt. Es ist aus Beuchaer Granit gebaut - wie das Original.

Gerne würde sie einfach eine riesige Glocke über die ganze Ausstellung stülpen, sagt Schmidt. Am "Völki" hat sie vor 18 Jahren selbst mitgebaut. Permanent wartet das Team die mehr als 100 Bauwerke im Kleinformat. Nicht nur Wind und Sonne -auch Diebe setzen ihnen zu: Vögel klauen Reet von den Dächern der Schwarzwaldhäuschen und Bauernkaten, bauen damit ihre Nester.

In den Wintermonaten nähen die Modellbauerinnen neues Schilf an, kleben Dachschindeln, verputzen Wände - und schmieden Pläne. Spruchreif sei noch nichts, sagt Parkleiterin Anke Krasselt. Doch die Mitarbeiter hegen schon lange einen Wunsch, was das nächste Modell betrifft: Sechs der sieben antiken Weltwunder zeigt der Park, doch die Hängenden Gärten von Babylon fehlen noch. Eine bewässerte Anlage wäre wohl schwierig umzusetzen, seufzt Claudia Schmidt. Doch ihre Augen leuchten.

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