Mit dem Karneval kommt auch ein Meer von Pfannkuchen

Beim Müller-Bäcker in Hohenstein-Ernstthal läuft das "Faschingsgeschäft". Die Produktion wurde zuletzt verzehnfacht. Und wie entsteht die Spezialität?

Hohenstein-Ernstthal.

Es duftet. Es duftet süßlich, nach warmem Teig und vielleicht auch ein wenig nach Marmelade. Wenn man dieser Tage die Conrad-Clauß-Straße in Hohenstein-Ernstthal entlangläuft, konzentriert sich der Duft vor dem Gebäude mit der Hausnummer 2e. Hier hat Bäcker Müller sein Geschäft. Dort läuft derzeit die Pfannkuchenproduktion auf Hochtouren. Fasching hat auch in der Backstube Einzug gehalten. Die Produktion von "richtigen" Kuchen dagegen wurde kurzfristig quasi eingestellt.

Den Familienbetrieb führt Bäckermeister Dirk Müller in dritter Generation. In wie vielen Faschingsjahren er schon in der Backstube stand, weiß er nicht genau. Normalerweise hat der Müller-Bäcker montags immer geschlossen. Doch weil Fasching ist und die Leute Pfannkuchen wollen, hatte er gestern auf. Am späten Sonntagabend stand Dirk Müller mit seinen Mitarbeitern in der Backstube und produzierte bis lange in den Morgen Pfannkuchen: "Das ist eine Tradition. Morgen, am Aschermittwoch, beginnt die Fastenzeit. Da wollen die Leute kurz vorher noch etwas Gehaltvolles", sagt Dirk Müller. "Also haben wir einen zusätzlichen Tag geöffnet und verzehnfachen damit unsere Produktion."

Und so ungefähr funktioniert es: Nachdem der Hefeteig angesetzt wurde und das erste Mal geruht hat, formt ihn eine Maschine zu Kugeln. "Bis ein Pfannkuchen fertig ist, dauert es zwei Stunden", sagt Müller. Der Teig geht beim zweiten Ruhen, nach dem Formen, auf wie ein Hefekloß und vergrößert sich um gut zwei Drittel. "Ganz vorsichtig muss man die Teiglinge zum Backen ins Fett legen, sonst fallen sie ein."

Sie brutzeln schließlich in Fettwannen, bis sie von beiden Seiten gold-braun sind. "Solange die Pfannkuchen noch warm sind, werden sie gezuckert. Denn da haftet der Zucker gut", sagt Müller. "Anschließend werden sie befüllt." Das passiert auf Knopfdruck. Die Küchlein müssen nur an den Automaten gehalten werden, und los geht's.

Klassischerweise werden die Pfannkuchen mit Marmelade gefüllt. Im Angebot gibt es aber auch welche mit Heidelbeerkonfitüre und sogar Eierlikör. Also Autofahrer, bitte aufpassen, nicht allzu viel davon naschen ... Für Scherzkekse, die andere gern einmal veräppeln wollen, gibt es beim Müller Bäcker auch Pfannkuchen mit Senf oder Chili. Aber nur auf Bestellung.

Übrigens: Wenn Sie mal zur Faschingszeit anderswo in Deutschland unterwegs sind und einen Pfannkuchen bestellen, kann es schon sein, dass Sie, je nachdem, wo sie sich befinden, etwas anderes aufgetischt bekommen. Der Pfannkuchen als Faschingsgebäck trägt nämlich verschiedene Namen. In Bayern und Österreich heißt es Krapfen oder Faschingskrapfen; in Hessen wiederum nennt man sie Kräppel und im übrigen Land Berliner oder Berliner Pfannkuchen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...