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Marco Wanderwitz - CDU-Kreischef

Foto: Andreas Kretschel

"Nahezu gesamtes Potenzial der NPD aufgesogen"

CDU-Kreischef Marco Wanderwitz fordert im Gespräch mit der "Freien Presse" von seiner Partei eine klare Abgrenzung zur AfD

erschienen am 10.05.2017

Hohenstein-Ernstthal. Bundestagsabgeordneter Marco Wanderwitz (CDU) aus Hohenstein-Ernstthal hat sich im Kurznachrichtendienst Twitter zum Verhältnis der Zwickauer Kreis-CDU zur AfD geäußert. "Freie Presse"-Redakteur Erik Kiwitter hat mit Wanderwitz, der seit fünf Jahren Kreisvorsitzender der Christdemokraten ist, zu dem Thema gesprochen.

Freie Presse: Herr Wanderwitz, wie steht der Zwickauer Kreisverband der CDU zur AfD?

Marco Wanderwitz: In unserem Kreisverband gilt eine klare Abgrenzung zur AfD. Dazu führen wir inzwischen auch keine Debatte mehr. Das ist ein Leitzsatz: maximale Abgrenzung.

Was ist der Grund für diese Haltung?

Spätestens bei Veranstaltungen zum 1. Mai wurde offensichtlich: Die radikalen Kräfte werden sich in dieser Partei durchsetzen. So schlägt der Zwickauer AfD-Kandidat Benjamin Przybylla regelmäßig völkisch-nationale Töne an und sucht den Schulterschluss mit unzweifelhaft antidemokratisch-rechtsradikalen Truppen. Und auch Herr Oehme, Kandidat in meinem Wahlkreis, war sich nicht zu schade, sich an der Przybylla-Veranstaltung am 1. Mai zu beteiligen. Das zeigt, dass auch er Kind des selben Geistes ist. Wie gesagt, wir als CDU-Kreisverband werden die maximale Abgrenzung von diesen Leuten und der AfD insgesamt suchen.

Welche Entwicklung wird die AfD nehmen?

Meine Prognose lautet: Die Nazis werden am Ende diese Truppe ganz übernehmen. Die AfD hat ja in Sachsen inzwischen nahezu das gesamte Potenzial der NPD begierig aufgesogen. Die AfD hat das Zeug zu einer Nazi-Front.

Das schließt auch eine Zusammenarbeit in Parlamenten aus?

Mit Leuten, die sich nicht von undemokratischen Kräften abgrenzen, ist eine Zusammenarbeit nicht vorstellbar. Punkt.

Vor zwei Jahren haben Sie in einem Interview mit uns ihr persönliches Unwort des Jahres gekürt: besorgte Bürger. Das war in einer Zeit, in der die Emotionen besonders hochkochten, schon etwas riskant, oder?

Riskant ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Natürlich wusste ich, dass ich mir da in einer Zeit, in der auch in Hohenstein-Ernstthal Pegida-Veranstaltungen stattfanden und die Stimmung aufgeheizt war, nicht nur Freunde mache. So war es dann auch. Es gab nicht nur Rückenwind. Heute kommen aber manche auf mich zu, die mich damals deshalb eher kritisch angesprochen haben und sagen: Na, so Unrecht hattest Du ja doch nicht. Nun haben generell die sachlichen Debatten wieder die Oberhand gewonnen.

 
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