Oldtimerfreak nimmt Abschied

Am Sachsenring war er immer der Erste. Bei der Sachsen Classic saß Karl Schönfeld im Führungsfahrzeug der Biker-Vorhut.

Zwickau/Hohenstein-Er..

Eigentlich war Karl Schönfeld immer Sieger - zumindest am Sachsenring. Denn das Vorausfahrzeug mit dem Zwickauer, das den motorisierten Zweirädern bei der Sachsen Classic vorauseilte, bog immer zuerst in der Boxengasse der WM-Rennstrecke ein. Bei der Classic durfte er Prominenten wie Urban Priol, Uwe Steimle, Rennfahrerlegende Hans-Joachim Stuck oder dem ehemaligen VW-Vorstandschef Carl Hahn die Hand schütteln. In diesem Jahr hat der Oldtimer-Funktionär den Hut genommen. Altersbedingt. Ende November feierte der Zwickauer seinen 84. Geburtstag, zu Hause und eher leise, weitab von Motorgeräuschen.

Von der Bühne der Sachsen Classic ist er bereits im Sommer verabschiedet worden. Dort war er als der Zweirad-Chef bekannt. Wenn ihn die Organisatoren erspähten, riefen sie schon von Weitem: "Wo bleiben denn Ihre Motorräder?" Schönfeld war der Koordinator, hielt die Zweirad-Truppe zusammen, die mit ihren heißen knatternden Öfen quasi vorglühten und als Vorhut das Interesse der Leute an den Straßen für das rollende Museum auf vier Rädern weckten. Für die erste Sachsen Classic fragte Fahrtleiter Richard Stolz bei ihm an. Bei der zweiten Tour musste Schönfeld selbst die Initiative ergreifen. "Ich habe damals an den Nerven der Organisatoren gesägt, bis sie uns wieder eine Chance gegeben haben. Es waren am Anfang so acht bis zehn Biker, heute um die 40", sagt er. Inzwischen sind die Motorräder von der bedeutendsten sächsischen Oldtimerrundfahrt auf der Start-Etappe nicht mehr wegzudenken.

Das verbucht Karl Schönfeld als sein Verdienst. "Irgendwann muss Schluss sein. Die Organisatoren von der Motorpresse Stuttgart, Harald Köpke und Beate Köngeter, haben mir eine rührende Verabschiedung bereitet, mit Präsentkorb und Blumen", sagt er. Unter anderem bekam er eine Abschiedsurkunde und einen Aufkleber "Sachsen Classic mit Karl Schönfeld". Als Teilnehmer konnte er die Classic selbst nie mitfahren, saß als Koordinator immer im Vorausfahrzeug. Maschinen zum Mitfahren hätte er gehabt. In der Garage warten auf ihn heute noch eine 98er Triumph, eine 350er NSU und eine Zündapp Elastik 350, die er in DDR-Zeiten mal für 3309 Mark gekauft hat. Manchmal schraubt er noch an den Maschinen herum. Motorradfahren ist derzeit nicht drin. "Aber wenn mein Knie wieder heil ist, dann steig ich vielleicht noch mal auf meine Honda Clubman. Die ist schon etwas moderner, Baujahr 1989."

Dass er so an den Oldtimer-Zweirädern hängt, ist kein Wunder. Die alten Öfen haben ihn nie im Stich gelassen. Auch nicht, als er im Sommer 1954 als junger Student mit der MZ RT 125 ins Saarland gefahren ist. "Damals noch ohne Helm", sagt er. Damit er tanken und wieder nach Hause fahren konnte, musste er in der Wechselstube am Frankfurter Hauptbahnhof Geld tauschen. "Für 200 Mark Ost habe ich 50 West bekommen", weiß er noch ganz genau.

Solche Geschichten hat er auch gern mit seinen Mitstreitern vom Club Oldtimerfreunde Kirchberg ausgewertet. Deren Chef war er fast 20 Jahre lang. Sechs bis acht Clubmitglieder fahren jährlich bei der Classic mit. Namen wie Dieter Döhler, Wolfgang Schmidt, Helmut Voigt, André Pösch, Lutz Karg und Detlef Dix tauchen immer wieder in den Teilnehmerlisten auf.

Für sie hat er auch bei den Kirchberg Classics von Anfang an die Startflagge geschwungen. Was 1998 mit 97 Teilnehmern auf drei, vier und mehr Rädern begann, legte in diesem Jahr einen Rekord von 850 hin. Auch von dieser Veranstaltung hat sich Schönfeld ein bisschen zurückgezogen. Das liegt aber nicht an den schlechten Erinnerungen zum Treffen im Jahr 2000. Kurz vor dem Start am Borberg passierte das Malheur. Beim Erklimmen eines Hanges riss die Achillessehne. "Die haben mich gleich im Kirchberger Krankenhaus operiert", weiß er noch. Noch heute sind Motorräder für ihn wie ein Lebenselixier. "Wenn ich irgendwo auf der Straße ein schönes Motorrad sehe, dann habe ich daran Freude." Deshalb will er auch weiter ein wenig restaurieren, solange er den Schraubenschlüssel noch halten kann.

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