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Die Überreste des Hauses 31 in der Karlstraße werden weggebaggert. Dort entstehen dringend benötigte Pkw-Stellflächen.

Foto: Andreas Kretschel

Ruine muss Stellflächen weichen

Seit Jahrzehnten steht das Haus in der Hohensteiner Karlstraße leer, bröckelt vor sich hin. Die Nachbarn freuen sich über den Abriss. In der Stadt ist man zwiegespalten.

Von Ulrike Abraham
erschienen am 12.10.2017

Hohenstein-Ernstthal. Der Bagger schiebt sich über einen losen Haufen roter Ziegel. Mehr bleibt nicht vom Haus mit der Nummer 31, das rund 180 Jahre lang in der Hohensteiner Karlstraße stand. Gott sei Dank passiert endlich was, finden die Nachbarn. "Das sah aus wie im Krieg", überspitzt es Jürgen Junghänel. Wand an Wand hat sein Haus am Nachbargebäude geklebt. Mehr als 30 Jahre stand es leer, wurde zur Ruine - und zur Gefahr: Ziegel und Putz bröckelten auf den Gehweg, Nachbar Junghänel beschwerte sich beim Bauamt. Das ließ den Gehweg sperren und trat Eigentümer Jens Heupgen auf die Füße. Der lässt nun abreißen. Sanieren wollte er Haus Nummer 31 ohnehin nicht.

Heupgen stammt aus Hohenstein-Ernstthal, wohnt aber seit vielen Jahren in Bayern. Nummer 31 stand schon leer, als er es kurz nach der Wende kaufte, zusammen mit einem zweiten am nahen Ziegenberg, ähnliche Bausubstanz. Das ließ er sanieren, die Wohnungen sind vermietet. Mit dem Grundstück an der Karlstraße hatte Heupgen andere Pläne. Einen terrassenartigen Neubau aus Glas und Stahl wollte er dorthin bauen lassen: "Doch das hätte etwa 500.000 Euro gekostet." Nicht finanzierbar für den Handwerker, der einen mittelständischen Betrieb leitet. Für die Sanierung des alten Hauses hätte er weit mehr als 250.000 Euro hinblättern müssen, schätzt Heupgen und fügt hinzu: Rentiert hätte sich auch das nicht.

Für Bauamtsleiter Ulrich Weber ist das nachvollziehbar - und aus Sicht der Stadtentwicklung auch bedrohlich. Das Haus in der Karlstraße, das nun nicht mehr steht, ist für ihn Symbol eines Wandels, der sich nicht steuern lässt. "Wenn Sie mit offenen Augen durch die Stadt laufen, wird es Ihnen auffallen." Er meint alte, stadtbildprägende Häuser. Gurken nennt er sie. Das klingt abwertend, doch aus Weber spricht vielmehr die Ratlosigkeit. "Die will sich niemand antun." Er spricht von Häusern mit niedrigen Decken, altem Herd und Trockenklo, energetisch ungenügend. Kapital in die Sanierung dieser teils baufälligen "Gurken" zu stecken ist ein Wagnis.

Angebot und Nachfrage klaffen auseinander. Zwar gibt es Bedarf an Wohnraum, so Weber; doch der ist anders gelagert. Potenzielle Käufer wollen 500 Quadratmeter im freistehenden Eigenheim, oder die sanierte Villa mit Stuck, umreißt Weber. Ausbauen und vermieten ist riskant. Denn ob sich Mieter finden, ist fraglich - sie haben die freie Wahl, reichlich Wohnungen stehen leer. In den städtischen Neubaugebieten sind es fünf bis sieben Prozent. In ihren eigenen Wohnungen habe die Stadt reguliert, sagt Weber: Blöcke abgerissen. Stockwerke abgetragen.

Bei Häusern in Privatbesitz hat die Stadt quasi keine Handhabe - zur Investition zwingen lässt sich niemand. "Da wird in den nächsten Jahren einiges wegbrechen. Ich sehe keine Lösung." Weber graut vor Abrissen im Stadtkern, die Zahnlücken hinterlassen. Doch die Vorlieben der Menschen ließen sich nun einmal nicht steuern. Jammern will er nicht. "Mit den knappen Mitteln haben wir viel dafür getan, die Stadt lebenswert zu erhalten." So gehört ein Teil der Innenstadt zum Sanierungsgebiet, hier ist in den vergangenen Jahren einiges an Fördergeld geflossen. Im Sanierungsgebiet lag auch Haus Nummer 31. Mit Denkmalschutz ist das nicht gleichzusetzen, die Stadt konnte also den Abriss genehmigen. Die Fläche will Eigentümer Heupgen einebnen, Parkflächen schaffen. Dafür gebe es dringenden Bedarf, sagen die Nachbarn.

 
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