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Täglich streift Margret Friedrich mit Hündin Edda durch den Schubertgrund. "Meine Wellness-Oase", nennt sie das Schutzgebiet.

Foto: Andreas Kretschel

Schonung für den Schubertgrund

Naturschützer sorgen mit einer Spendenaktion für behutsame Baumpflege. Der Initiatorin ist etwas Ungewöhnliches gelungen.

Von Andreas Tröger
erschienen am 13.10.2017

Lichtenstein. Der Schubertgrund hat sich in sein Herbstkleid gehüllt. Ein leichter Nieselregen lässt Tropfen von Eichen, Buchen und Birken auf den schmalen Wanderweg etwas oberhalb des Rümpfteiches fallen. Kooikerhondje Edda stört das nicht. Neugierig stöbert sie durch Laub und Gras. "Zweimal am Tag laufe ich mit meinem Hund durch den Schubertgrund", erzählt Margret Friedrich. Seit 30 Jahren mache sie das schon so. "Das ist meine Wellness-Oase", sagt sie. Von Berufs wegen ist Margret Friedrich Konzertveranstalterin, Bassgitarristin und Sängerin der Lichtensteiner Folk-Rock-Band Pusteblume. Und sie ist Initiatorin der jüngst gegründeten Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Wegen ihrer "Wellness-Oase".

Im März wurde die Musikerin hellhörig. Im Schubertgrund, einem geschützten Landschaftsbestandteil, sollten Bäume fallen, hieß es. Die Stadt als Eigentümerin des Waldgebiets hatte eine sogenannte Durchforstung des 23-Hektar-Areals angekündigt. Weil man zum einen der Verkehrssicherungspflicht am etwa 1,5 Kilometer langen Wanderweg durch den Schubertgrund nachkommen müsse, zum anderen den Baumbestand verjüngen wolle. Finanziert werden sollte die Aktion durch den Verkauf des Holzes.

Margret Friedrich schwante nichts Gutes. Wie auch anderen Naturfreunden. Denn im Schubertgrund sollte Holzernte- und Rücketechnik zum Einsatz kommen. Das erklärte Revierförsterin Janina Albrecht, die bei den Waldarbeiten Regie führen sollte, bei einer Informationsveranstaltung im Schubertgrund. Margret Friedrich war dort, gemeinsam mit vielen anderen Naturfreunden. 600 Festmeter sollten laut Albrecht geerntet werden, etwa jeder fünfte Baum. "Ich halte das für einen ziemlich massiven Eingriff", sagt Margret Friedrich. Mit den Bedenken, bei der Durchforstungsaktion könnten Schäden auf lange Zeit entstehen, war die 50-Jährige nicht allein. Zu den Kritikern gehörte auch Manfred Sonntag aus Oberlungwitz. Der 53-Jährige ist ehrenamtlicher Naturschutzhelfer. Seine Befürchtung: Es könnten viele sogenannte Höhlenbäume flöten gehen, Nistgelegenheiten für viele Vögel. Tatsächlich waren 2017 bei einer durch die Untere Naturschutzbehörde veranlassten Untersuchung im Schubertgrund 36 Vogelarten erfasst worden, davon vier streng geschützte. Forstliche Eingriffe, so die Empfehlung, sollten auf ein absolutes Minimum beschränkt werden. Und geschlagene Bäume als "Totholz" im Bestand belassen.

Revierförsterin Albrecht sah darin kein Problem, erinnert sich Margret Friedrich. Die Stadt schon. Denn ohne Holzverkauf fehlt das Geld für die geplanten Arbeiten. "Ich schlug vor, dafür eine Spendensammlung zu organisieren." Die Stadt war einverstanden. Und riet ihr, sich dafür einen Verein zu suchen. Beim BUND in Chemnitz sei sie fündig geworden. "Naja, und dann kam eins zum anderen." Man gründete eine Ortsgruppe in Lichtenstein, zu der mittlerweile sieben Mitglieder gehören. "Dazu kommen viele Leute, die mithelfen, Spendenaufrufe zu verteilen, Gespräche zu führen." Die Aktion hat sich herrumgesprochen. Wohl 150 Spenden sind schon eingegangen, schätzt Margret Friedrich. Doch den Erfolg will sie sich keinesfalls allein an die Fahne heften. "Ja, ich habe die Sache angestupst", sagt sie. Aber sie habe von Beginn an aktive Mitstreiter gehabt. Und mittlerweile das gute Gefühl, dass viele Lichtensteiner etwas für ihren Schubertgrund tun wollen. "Übrigens erhält die Stadt von uns kein Geld, wie manche glauben", erklärt Friedrich. Der BUND organisiere und bezahle alles.

Bürgermeister Thomas Nordheim (Freie Wähler) bestätigt das. Mit Staatsforst-Revierleiterin Janina Albrecht habe man sich auf den Minimalaufwand verständigt. Die Arbeiten werde der BUND selbst organisieren und durch eine Firma erledigen lassen. "Den Aufwand dafür bringt der Verein bei uns als Sachspende ein", so Nordheim.

Spenden gehen an den BUND, LV Sachsen. Konto: DE84 4306 0967 1162 7482 00. Verwendungszweck: Schubertgrund.

 
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