Skisprung-Museum geht in die Zielkurve

In der Alten Schule in Langenchursdorf entsteht derzeit eine Attraktion, die in Westsachsen einmalig ist. Ihre Macher sind einst selbst mit Latten über den Backen gerutscht.

Langenchursdorf.

Danny Neukirch kann sich noch genau an das gefürchtete Gerät erinnern. "Da war ein Bandmaß eingebaut. Damit konnte der Trainer genau gemessen, wie hoch du beim Absprung vom Schanzentisch abhebst." Jetzt steht der Sprungkrafttester gleich neben dem original Trampolin und dem Balance-Trainer im neuen Skisprung-Museum in der Alten Schule in Langenchursdorf.

Zwischen 500 und 600 Arbeitsstunden haben Danny Neukirch und sein ehemaliger Trainingskamerad Mario Reimann seit Februar in die Einrichtung des Museums investiert. Inzwischen sind sie so gut vorangekommen, dass bereits am ersten Oktober-Wochenende die Eröffnung sein soll. "Das passt hervorragend. Durch den Tag der Deutschen Einheit haben wir ja ein verlängertes Wochenende, da können die Leute auch noch am Montag einen Abstecher hierher machen", sagt Neukirch. Das Museum hat in Westsachsen Einmaligkeitswert. Es erinnert an das Leistungszentrum der Nordisch-Kombinierer im Hellmannsgrund, das von 1963 an bis zur Wende als Talenteschmiede der Läufer und Springer diente. "Insgesamt hat es dort vier Schanzen gegeben", erklärt Danny Neukirch.

Vergangene Woche hat Neukirch zum ersten Mal Bürgermeister Daniel Röthig (CDU) Blicke hinter die Kulissen des einstigen Schanzenalltags gewährt. "Ich bin begeistert, was sie so alles zusammengetragen und aufgebaut haben", sagt der Gemeindechef, der mit den Machern erst einmal einen Zwei-Jahres-Vertrag geschlossen hat. "Wir haben ja hier in der oberen Etage noch das Schulmuseum. Vielleicht wird aus der Alten Schule irgendwann eine Museumsschule", sagt er.

Neben dem Nachbau des Schanzenkopfes sowie einem Stück Schanzenauslauf mit Kunststoffmatten und dem ehemaligen Trainerturm gibt es inzwischen etliche Sprung- und Langlaufski zu sehen. Seine eigenen, Marke Germina, hat Neukirch auch mit ausgestellt. Auf seine Idee, Werkstatt, Trainerzimmer und Sportlergarderobe unter dem Schanzenablauf gut versteckt nachzubauen, ist er besonders stolz. "Dort haben wir viele Originalteile verbaut. Du kommst dort rein und fühlst dich 30 Jahre zurückversetzt", sagt Neukirch. Er ist gespannt, was die ehemaligen Aktiven dazu sagen, wenn sie zum ersten Mal einen Blick ins Museum werfen. Die dürften auch den original Wachskoffer samt Spezialwerkzeugen wiedererkennen. Über eine Urkunde werden sich vor allem die Meinsdorfer freuen. Die hatte einst Silvio Tkotsch aus Meinsdorf erkämpft. Er setzte damals mit 48 Metern den Schanzenrekord. Bis zur Eröffnung des Museums gibt es trotzdem allerhand zu tun. Die meisten Exponate müssen noch beschriftet werden. Die alten Schwarz-Weiß-Fotos sind vor allem für jene von Interesse, die mit dem Hellmannsgrund verbunden waren. In einem der Fenster steht zum Beispiel eine Schaufensterpuppe. Sie trägt den Skianzug von Brigitte Böttcher, eine erfolgreiche Sportlerin des SC Traktor Langenchursdorf. Ihr Ehemann Peter Böttcher, den sie übrigens in ihrer aktiven Zeit im Hellmannsgrund kennengelernt haben soll, hat 1974 die Schanze gebaut. Solche Geschichten weiß Neukirch noch viele. Und er will sie den Besuchern gern erzählen.


Über die Grenze geflogen

Die Sektion Nordisch Ski der SG Langenchursdorf wurde 1962 ins Leben gerufen. Man baute sofort die erste Schanze im Hellmannsgrund. 1974 bekam die Anlage eine weitere Schanze, die Pionierflugschanze. Sie wurde 1975 eingeweiht. Ihr kritischer Punkt lag bei 50 Metern. Damit entwickelte sich der Hellmannsgrund zu einem wichtigen Trainingszentrum in der DDR für die Nordische Kombination. Das Interessante: Der Schanzenkopf stand auf Langenchursdorfer Flur, der Aufsprung war schon Waldenburger Terrain. Die Springer flogen sozusagen über die Ortsgrenze. Einmal im Jahr gab es ein Springen um den Töpferpokal. Das letzte Springen gab es im Wendejahr 1989. (hpk)

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