Trotz Klage vor Gericht: Asylbewerberheim wird bezogen

Noch im Januar sollen die ersten Bewohner in die Einrichtung in St. Egidien einziehen. Bürgermeister Redlich warnt weiter vor mangelndem Brandschutz.

Zwickau/St. Egidien.

Mit fast einjähriger Verspätung ist das neue Asylbewerberheim auf dem Auersberg zwischen Lichtenstein und St. Egidien so gut wie bezugsfertig. Am kommenden Montag ist das Gebäude in der Buchenstraße betriebsfertig. Das teilte gestern das Landratsamt mit. "Die letzten Vorbereitungen des Betreibers, der Diakoniewerk Westsachsen gGmbH, laufen derzeit", so die Behörde. St. Egidiens Bürgermeister Uwe Redlich (parteilos) - das Heim befindet sich auf der Flur der Gemeinde - ist bereits vor geraumer Zeit in einem Schreiben informiert worden.

Das Gebäude kostete rund 6 Millionen Euro. Ursprünglich war die Eröffnung für April des vergangenen Jahres geplant. Wegen formeller Schwierigkeiten kam es erst verspä- tet zur Kaufabwicklung der Immobilien durch den Landkreis, auf denen das Asylbewerberheim nun steht. Die Stadt Lichtenstein bekam zum Beispiel für einen Teil der Fläche 120.000 Euro. Voraussichtlich noch in den nächsten Wochen wird die schrittweise Belegung der Einrichtung beginnen. Die Sprecherin des Landratsamtes, Ilona Schilk, gestern zur "Freien Presse": "Hierbei handelt es sich um Umverteilungen innerhalb der Einrichtungen des Landkreises. Die ersten Bewohner werden voraussichtlich aus dem Wohnheim Äußere Dresdner Straße Zwickau nach St. Egidien kommen." Zu den genauen Belegungszahlen, zu den Herkunftsländern und zum Alter der Asylbewerber könne gegenwärtig aber noch nichts gesagt werden. Die Einrichtung auf dem Auersberg hat insgesamt eine Kapazität von 149 Plätzen.

Das Asylbewerberheim wird eröffnet, obwohl eine Klage anhängig ist. St. Egidiens Bürgermeister Redlich hatte nämlich bereits 2015 Wi- derspruch gegen den Bau eingelegt. Der Widerspruch wurde abgelehnt - und weil der Landkreis in diesem Fall sich selbst eine Baugenehmigung erteilen kann, stand einer Baugenehmigung erst einmal nichts im Wege. Redlich reichte beim Verwaltungsgericht eine Klage gegen eine auflagenfreie Baugenehmigung ein. Warum darf das Heim nun doch bezogen werden, obwohl in der Sache noch gar nicht entschieden ist? "Die Klage hat keine aufschiebende Wirkung, sodass die genehmigte Nutzung aufgenommen werden kann", heißt es aus dem Landratsamt. Redlich beanstandet, dass Brandschutzvorschriften nicht eingehalten werden, die Löschwasserversorgung nicht gewährleistet ist. Bei einer Einwohnerversammlung 2015 in St. Egidien war es zudem laut Redlich zu massiven Drohungen gekommen. Ein Besucher der Veranstaltung habe angekündigt, "die Hütte nach deren Fertigstellung anzubrennen". Das Polizeirevier Glauchau sei mit dem Vorfall befasst. Die Gemeinde lehne jede Haftung für Schäden ab.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...