Trotz Verlusten: CDU-Mann schafft es zum fünften Mal

Marco Wanderwitz wird erneut die Interessen der Region im Bundestag vertreten. Doch seinen Triumph von 2013 konnte er nicht wiederholen. Im Gegenteil: Der AfD-Kandidat jagte ihm reichlich Stimmen ab.

Hohenstein-Ernstthal.

Marco Wanderwitz hat Federn lassen müssen. Der CDU-Politiker stürzte gestern bei der Bundestagswahl auf 35,3Prozent (Stand 0.10 Uhr) ab. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte der 41-jährige Rechtsanwalt aus Hohenstein-Ernstthal 49,6 Prozent der Erststimmen geholt. Dennoch reichte es für Wanderwitz, der seit 2002 die Region im Bundestag vertritt, erneut für den Sieg im Wahlkreis 163 (alle Zahlen auf Seite 2 dieser Ausgabe). Zu dem Kunstprodukt gehören neben der Rochlitzer Region auch Teile des Erzgebirgskreises sowie der ehemalige Kreis Hohenstein-Ernstthal.

"Mein Ziel war: Wieder gewinnen. Und dieses Ziel habe ich erreicht. Man kann ja auch nicht sagen, dass es am Ende besonders knapp war", kommentierte Wanderwitz den nunmehr fünften Einzug in den Bundestag über das Direktmandat.

Ulrich Oehme von der AfD konnte nicht nur 26,7 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen, über seinen günstigen Listenplatz bei der Landespartei dürfte es auch für ihn in den Bundestag reichen. Wanderwitz räumte ein: "Natürlich hatte ich etwas mehr erhofft." Erfreut zeigte er sich darüber, dass er mehr Erststimmen eroberte als die CDU Zweitstimmen bekommen hat. Zur AfD sagte er sinngemäß, dass sie trotz ihres Einzuges in den Bundestag von der übergroßen Mehrheit abgelehnt werde: "87 von 100 Menschen in Deutschland wollen sie nicht."

Während bei der CDU-Wahlparty in Hartmannsdorf Erleichterung und Freude regierten, herrschte bei den Linken Katzenjammer. Jörn Wunderlich aus Limbach-Oberfrohna scheidet aus dem Bundestag aus. Er erhielt 16,8 Prozent der Erststimmen -2013 waren es 21,9. Sein Abschneiden bereitete ihm aber weniger Kopfzerbrechen als der Erfolg der AfD. "Das bundesweite Ergebnis ist erschreckend und beschämend", bemerkte der 57-Jährige, dessen Abschied aus der Berufspolitik im Vorfeld der Wahl feststand. Schließlich scheiterte Wunderlich beim Parteikonvent im Mai mit seiner Kandidatur um einen aussichtsreichen Listenplatz. Auf einen Sieg im Wahlkreis hatte der Jurist, der seit 2005 die Region im Bundestag vertritt, berechtigterweise kaum eine Hoffnung gesetzt. Nun wird Wunderlich wieder als Amtsrichter arbeiten.

Wie in den mehr als 400 sächsischen Gemeinden abgestimmt wurde, erfahren Sie hier in unserer Wahlpräsentation.


Ronny Kienert (SPD)

Der Gornauer bezeichnete sein Ergebnis von 10,4Prozent der Erststimmen als ernüchternd. Sicher sei es dem gesamtdeutschen Trend geschuldet - darum sieht er es als eine Aufgabe der SPD, wieder näher an die Basis heranzukommen. "Vielleicht ist es auch die Chance auf einen Neuanfang." Zum Ergebnis der AfD in Sachsen sagte er, nun "sind wir alle gefordert, uns an die eigene Nase zu fassen, woran es liegt". Der 41-Jährige wird sich beruflich neu orientieren, er hatte den Job aufgegeben, um sich aufs Mandat zu konzentrieren. (vh)


Jörn Wunderlich (Linke)

Der Linkenpolitiker zog nach 2005, 2009 und 2013 nicht wieder in den Bundestag ein. Dennoch sagte der 57-jährige Jörn Wunderlich: "Ich bin froh, dass Wanderwitz das Direktmandat gewonnen hat, der ist mir lieber als einer dieser Rechtsextremen." Den

Erfolg der AfD

bezeichnete er als "beschämend". Gemeinsam mit Mitarbeitern und politischen Weggefährten ließ der Berufspolitiker in einem Chemnitzer Restaurant "als Dankeschön die letzten zwölf Jahre als Berufspolitiker Revue passieren". (acr)


Kristian Reinhold (FDP)

Der 58-jährige Oberarzt am Klinikum Chemnitz war zum zweiten Mal als Bundestagskandidat für die Liberalen angetreten. Er konnte sein Ergebnis vom Jahr 2013 verbessern. Damals erzielte er im Wahlkreis Chemnitz zwei Prozent der Stimmen. Dieses Mal waren es7,5Prozent. "Ich bin persönlich sehr zufrieden", sagte der gebürtige Dresdner. Sachsenweit könne sich sein Ergebnis sehen lassen. "Allerdings haben wir im Bund unser Ziel verfehlt, drittstärkste Partei zu werden", fügte er hinzu. (bj)


Ulrich Oehme (AfD)

Der 57-jährige Versicherungsmakler hat am Abend mit seinem Wahlkampfteam in Burgstädt "das spektakuläre Ergebnis" seiner Partei gefeiert. "Ich bin vollauf zufrieden", sagte er. Nach der Auszählung eines Großteils der Stimmen habe sich abgezeichnet, dass Oehme auf Listenplatz sieben in den Bundestag einzieht. "Nicht nur die Zahlen bestätigen: Die AfD ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen", sagte er. Obwohl er ein Direktmandat angestrebt habe, sei er mit seinem Ergebnis mehr als zufrieden. (bj)


André Oehler (Grüne)

Der Grünen-Politiker aus Werdau hat 3,4 Prozent geholt. Im Vergleich zu Klassen-Primus Marco Wanderwitz vergleichsweise wenig. "Aber das ist keine Niederlage. Wir wollten als Partei demonstrieren, dass es noch andere Werte gibt als Geld und Profit", sagte André Oehler gestern am späten Abend. Über 4000Menschen davon zu überzeugen, das sei ein Erfolg. Geschockt zeigte sich Oehler vom Ergebnis der AfD. Das sei für ihn auch ein Grund, gerade mit dem Bekenntnis zu Europa weiterzumachen. (erki)

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