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Ein Ermittler hängt 2015 ein Fahndungsplakat auf.

Foto: Andreas KretschelBild 1 / 2

"Viele verlassen am Morgen mit ungutem Gefühl die Wohnung"

Stadträtin Ute Hoch (Die Linke) aus Lichtenstein über die Reifenstecher-Serie und notwendigen politischen Druck

erschienen am 06.12.2017

Lichtenstein. Die Endlos-Serie der Reifenstechereien in Lichtenstein beschäftigt die Bürger. Seit Jahren hält ein Krimineller die Stadt in Atem, zersticht scheinbar wahllos Autoreifen. Die Polizei ist offenbar ohne Chance. Der Stadtrat hat mit seinen Befugnissen erst recht keine Chance, etwas zu unternehmen. Erik Kiwitter sprach mit der Lichtensteiner Stadträtin Ute Hoch (Die Linke) über die Situation.

Freie Presse: Die Polizei bemüht immer wieder ihre Statistik, wonach die Kriminalitätsquote nicht höher ist als in anderen gleich gelagerten Städten.

Ute Hoch: Nicht nur das. Bei Gesprächen mit der Polizei wurde uns immer wieder gesagt, dass sie sogar niedriger ist.

Was sagen Sie dazu?

Das Sicherheitsempfinden ist ein anderes. Viele verlassen am Morgen mit einem unguten Gefühl ihre Wohnung.

Spielen Sie auf den sogenannten Reifenstecher an, der seit Jahren sein Unwesen treibt?

Ja, genau. Wir haben in unserer Stadtratsfraktion jetzt selbst noch einmal zusammengerechnet: Er hat bisher 315 Mal zugeschlagen. Dass er nicht gefasst wird, die Ermittler immer noch im Dunkeln tappen, ist wie ein böser Witz und erinnert mich ein klein wenig an den Kaufhaus-Erpresser Dagobert. Natürlich weiß ich, das die Fälle höchst unterschiedlich liegen.

Seit Beginn der Winterzeit war der Reifenstecher wieder über zehnmal aktiv.

Ja, er wird wohl mit zunehmender Dunkelheit immer aktiver. Viele Lichtensteiner fragen sich, wenn der Täter wieder einen Reifen plattgemacht hat, wer der nächste ist. Da nützen uns positive Kriminalitätsstatistiken überhaupt nichts.

Was kann der Stadtrat tun, das Gremium der gewählten Volksvertreter?

Natürlich können wir uns nicht selbst auf die Lauer legen. Das wollen wir auch gar nicht, das ist auch gar nicht unsere Aufgabe. Aber wir als Stadträte sollten beginnen, politischen Druck aufzubauen.

Mit welchem Ziel?

Ich weiß, dass die Polizei auch am Limit arbeitet. Aber möglicherweise müssen Prioritäten anders gesetzt werden. Es kann nicht sein, dass eine ganze Stadt Angst haben muss und dass da nichts passiert. Der Bürgermeister und wir Bürgervertreter sollten schnellstmöglich Kontakt zu der ermittelnden Behörde aufnehmen. Schauen Sie nach Hohenstein-Ernstthal. Dort gibt es das große Problem des Sachsenring-Lärms. Die Landesdirektion als genehmigende Behörde hatte erst neulich einen Gesprächswunsch der Bürgerinitiative abgelehnt. Nun wird es möglicherweise ein Treffen geben, nachdem das Problem Thema im Stadtrat war.

Was halten Sie von einer Bürgerwehr?

Wie schon angedeutet. Selbstjustiz und ähnliche Aktionen wollen wir nicht. Aber wir müssen wachsamer sein.

 
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