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So sah das Crimmitschauer Kaufhaus Schocken im Jahr 1929 aus.

Foto: Heimatverein/PF Bild 1 / 2

Bedeutender Bau der Moderne steht schon lange leer

Wie sich Crimmitschau und seine Ortsteile verändert haben. Heute: Kaufhaus Schocken (Folge 2)

Von Holger Norden
erschienen am 13.01.2018

Crimmitschau. Die Postkarte zeigt das Kaufhaus Schocken in Crimmitschau, Ecke Badergasse/Am Mühlgraben im Jahr 1929. Vor dem Bau des Kaufhauses stand an jener Stelle ein Fabrikgebäude, um das Jahr 1760 erbaut. Es war die letzte Wirkungsstätte der Stammväter der Crimmitschauer Textilindustrie, der Herren Oehler und Seyffarth.

Der Baubeschluss für das Kaufhaus wurde am 27. August 1927 gefasst. Im Herbst 1927 erwarb der Schocken-Konzern das Fabrik- gebäude vom letzten Besitzer Clauß. Den Entwurf für das Warenhaus mit Klinkerfassade schuf der Architekt Bernhard Sturzkopf, ein Schüler von Walter Gropius. 1928 trat Sturzkopf die Architekten- und Bauleiterstelle im Baubüro der Schocken KG an. Er reflektiert die Grundsätze des Bauhauses im Warenhaus. Der "Crimmitschauer Anzeiger" schrieb nach der Eröffnung: "Bequemlichkeit, Licht und Geräumigkeit umgeben den Käufer ... Der Baumeister hat schöne, weite Räume geschaffen, und die Beleuchtungskörper sind, wie der ganze Bau, in zweckmäßiger Form gehalten, sodass tatsächlich die Tagesbeleuchtung in den Räumen gegenüber der Abendbeleuchtung kaum merklich Unterschiede zeigt". Neun großräumige Schaufenster lockten mit ihren Auslagen die Passanten an und verführten zum Betreten des Kauf- hauses. Das Parterre war für die Waren des täglichen Bedarfs sowie die Abteilung für kleine Bekleidungs- gegenstände vorgesehen. Die erste Etage sollte dem Verkauf von Inneneinrichtungsgegenständen und Bekleidung dienen. Vorgesehen für die Abteilungen für Lebensmittel und Haushaltwaren wurde die zweite Etage. Dort war auch ein Erfrischungsraum für Kunden geplant, bevor er in der dritten Etage die Verkaufs- und Ausstellungsräume für unterschiedliche Sonderverkäufe wie Spielwaren, später Camping und Elektrotechnik besuchte.

Der Planung schloss sich die Umsetzung des Projektes an. Dem Abriss der Fabrik folgte die Grundsteinlegung am 14. Mai 1928. Bei der Fundamentierung stieß man auf unterhalb des Mühlgrabenniveaus gelegene Holzpfahlbauten des ehemaligen Gebäudes. Nach sechsmonatiger Bauzeit eröffnete das Kaufhaus mit einer Grundfläche von 842 Quadratmetern und einer Verkaufsfläche von 1863 Quadratmetern am 15. November 1928. Die Feier zur Eröffnung fand im Erfrischungsraum statt. Seniorchef Simon Schocken begrüßte die geladenen Gäste. In seiner Rede wies er darauf hin, dass "man im Wirtschaftsleben Crimmitschaus, besonders im Einzelhandel, mit sehr gemischten Gefühlen das Kaufhaus Schocken entstehen sah ... grundlos." Von Direktor Manasse wurde die Freude ausgedrückt, dass der Bau in sechs Monaten ausgeführt worden war und alle Gewerke ihre Verträge mustergültig eingehalten hätten. Es folgte der Rundgang der Gäste unter Führung des Seniorchefs durch die Kaufhausbereiche. 15.30 Uhr erfolgte die Öffnung der beiden Eingänge für die Kauffreudigen aus der Stadt und der Umgebung. Diese blockierten schon vor Öffnung der Eingänge die Badergasse für jeglichen Straßenverkehr. Das Schocken war ab diesem Moment ein belebender Faktor für die Innenstadt geworden.

1933 verkaufte die Geschäfts- führung die Schocken KGaA, um- gewandelt in eine Aktiengesellschaft an eine deutsche Bankengruppe. Mit Verordnungen aus dem Jahr 1938, die es Juden ab dem 1. Januar 1939 verbot, Einzelhandelsgeschäfte sowie Handwerksbetriebe zu besitzen und zu führen, war die Schocken AG faktisch enteignet. Das Kaufhaus erhielt ab dem 1. Januar 1939 den Namen "Merkur" und behielt seine volle Funktionsfähigkeit bis zum Kriegsende. Mit Volksentscheid enteignete 1946 das Land Sachsen die Filialen der Merkur AG und unterstellte sie der "Industrieverwaltung 64 - Kauf- und Warenhäuser" gemäß SMAD-Befehl Nr. 64. Ende 1948 kamen die Kaufhäuser zum Verband Sächsischer Kon- sumgenossenschaften. Das Konsum Warenhaus Crimmitschau (KWC) wurde das größte Handelsgeschäft im Kreis Werdau. 1967 erhielt es den Namen "Kontakt Warenhaus Crimmitschau". Mit der Wieder- vereinigung übernahm die Kauf- ring AG das Kaufhaus. Unter dem Namen "ZACK, das Kaufhaus" schloss es am 4. September 1999 die Pforten. Seit dieser Zeit steht das Schocken leer, trotz der Vorstellungen, dort kommunale Einrichtungen unterzubringen oder der Integration in die 4. Sächsische Landesausstellung.

Bereits 1993 war das Gebäude in der Badergasse 21 auf Grundlage der Bedeutung als Bau der klassischen Moderne sowie der städtebaulichen, geschichtlichen und baugeschichtlich-architektonischen Wichtigkeit in die Liste der Einzeldenkmale aufgenommen worden.

Quelle: Crimmitschauer Anzeiger 1928

 
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