Der letzte seiner Branche

Möbeltischler Erhard Hillarius hat sein 40-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Der 78-jährige Werdauer beherrscht ein Handwerk, das sonst niemand mehr in der Stadt ausübt.

Werdau.

Arbeit liegt in der Werkstatt von Erhard Hillarius genug. "Das hier wird ein neuer Schrank. Die Truhen dort arbeite ich für Kundschaft auf. Dieser Stuhl muss repariert werden." Der 78-Jährige will seinen Beruf noch nicht an den Nagel hängen. "Früher gab es in Werdau elf Möbeltischler. Heute bin ich der einzige, der diese Arbeiten noch macht."

Das 40-jährige Bestehen seiner Firma an der Schillerstraße hat er gemeinsam mit Ehefrau Ursula, die ihm eine große Stütze ist, im Kreise von Freunden und Geschäftskunden jetzt gefeiert. Gaststätten und Geschäfte der Region tragen die Handschrift des Handwerkers. So ist zum Beispiel die Inneneinrichtung des Restaurants im Hotel "Friesen" von Hillarius gebaut, ebenso wie die Möbel im Juweliergeschäft Halbauer in Werdau oder in der Fleischerei Holzmüller in Langenhessen. Auch das Interieur von sechs Sälen des Landgerichts Zwickau ist in der weiträumigen Werkstatt entstanden. Für die Maßindustrie fertigt der Möbeltischler regelmäßig Boxen aus Holz. Die Spielzeugherstellung hat der Senior hingegen schnell wieder eingestellt. Heute baut er immer noch auf Bestellung Küchen- und Badmöbel, übernimmt Ladenbau, stattet Büros aus, aber alles in kleinerem Stile als früher. Den Zeitrahmen gibt der Werdauer, der zu besten Zeiten bis zu sieben Leute beschäftigte, selber vor. "Es geht manches einfach nicht mehr so zügig von der Hand."

Einen Nachfolger für seine Werkstatt, die er für das Jubiläum extra geputzt hat, hat Erhard Hillarius nicht. "Mein Enkelsohn hat zwar erfolgreich eine Tischlerlehre absolviert, arbeitet jetzt aber in einer anderen Branche. Hier irgendwann mal den Schlüssel rumzudrehen, das wird eine schwere Sache für mich." Die hohen Kredite, die der Handwerker nach der Wende für moderne Maschinen aufgenommen hatte, sind mittlerweile zum Glück abgezahlt. Nun kann er mit seiner Frau auch öfter das Leben auf den Wasserstraßen Deutschlands genießen. In der Zeit, als noch sehr viel in der Werkstatt zu tun war, fiel der Urlaub von Familie Hillarius meisten aus beziehungsweise bestand in einem Segelwochenende auf der Koberbachtalsperre, wo auch das Boot der beiden untergestellt ist.

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