Die Zeit von "Crimmel" ist vorbei

Die Eispiraten Crimmitschau sorgen sportlich für Furore. Im Sahnpark fehlt allerdings der Jubel eines plüschigen und bei Kindern beliebten Stammgastes. Das hat einen Grund.

Crimmitschau.

Nähte platzen an etlichen Stellen auf. Flecken lassen sich nicht mehr entfernen. Dazu hat sich ein ekliger Schweißgeruch im Stoff festgesetzt: Das Kostüm des Maskottchens "Crimmel" vom Eishockey-Zweitligisten Eispiraten Crimmitschau ist abgenutzt. Schon seit dem Herbst 2017 kommt die lustige Plüschfigur nicht mehr bei den Heimspielen im Kunsteisstadion im Sahnpark zum Einsatz. "In der Vergangenheit haben wir noch notdürftige Reparaturen durchgeführt. Das macht beim jetzigen Zustand aber keinen Sinn mehr", sagt Eispiraten-Geschäftsführer Jörg Buschmann. Das Kostüm wurde seit Oktober 2009 - damals fand die Namens- taufe von "Crimmel" statt - genutzt. Die Puckjäger machten damit auch bei Kinderfesten und Besuchen in Bildungseinrichtungen auf sich aufmerksam.

Auf die Probleme, die es mit dem Kostüm gibt, hat Tim Held in den vergangenen zwei Jahren immer wieder hingewiesen. Der 24-Jährige aus Meerane gehörte zu den Darstellern, die als "Crimmel" für gute Laune sorgten. "Zuletzt war es einfach unhygienisch - für Fans und für mich selbst", sagt Tim Held. Er behält die Rolle als Eispiraten-Maskottchen in guter Erinnerung. "Vor allem das Zusammenspiel mit den Anhängern und den Stadionsprechern um Jens Thielemann war klasse", erinnert sich Tim Held und bedauert den "stillen und leisen Abgang". Ein Comeback kann sich der junge Mann momentan nicht vorstellen. Dafür sei die Zeit einfach zu knapp. Er sagt aber auch: "Mir fehlt das Vertrauen für die Zusammen- arbeit, weil die Anschaffung eines neuen Kostüms - trotz meiner Hinweise - zuletzt immer wieder verschoben wurde."

Die Gestaltung und Anferti- gung sind keine billige Sache. Jörg Buschmann beziffert die Kosten auf 5000 bis 8000 Euro. "Wir bewegen uns da eher im oberen Bereich", sagt der Eispiraten-Geschäftsführer. In der Saison 2016/17 - damals lief es sportlich überhaupt nicht - sei an die Investition nicht zu denken gewesen. Momentan stehen die Westsachsen - sowohl sportlich als auch finanziell - deutlich besser da. Trotzdem wurde bisher noch kein neuer Auftrag für ein Maskottchen-Kostüm ausgelöst. "Unser Hauptaugenmerk gilt Investitionen in die Mannschaft", sagt Buschmann. Er teilt aber mit, dass sich die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle schon Gedanken über die Gestaltung eines neuen Maskottchens machen. Fest steht: Es soll ein eigenes Trikot bekommen, auf dem Werbeflächen vermarktet werden können. "Damit wollen wir einen Teil der Kosten für die Anschaffung refinanzieren", sagt Buschmann. Sein persönliches Ziel: Im Herbst 2018 soll wieder ein Maskottchen auf und neben dem Eis für Stimmung sorgen. Dafür wird dann allerdings auch ein Darsteller benötigt.


Die Kollegen von "Crimmel" in der Region: In Crimmitschau gibt es "Türmel" - In Werdau ist "Webalino" unterwegs

In Crimmitschau gibt es das Maskottchen "Türmel". Es entstand nach einer Idee von Künstler Lutz Hanzig in Anlehnung an den "Roten Turm" - das Wahrzeichen der Stadt wurde 1928 abgerissen. Damit haben die Crimmitschauer für ihr Jubiläum "600 Jahre Stadtrecht", das 2014 gefeiert werden konnte, kräftig die Werbetrommel gerührt. Kurz vor und nach den Feierlichkeiten war "Türmel" - mit einer recht einfachen Stoff- und Stahlkonstruktion - in der Stadt an der Pleiße im Dauereinsatz. Zuletzt hat sich das Maskottchen bei Veranstaltungen in Crimmitschau allerdings rar gemacht, weil offenbar die passenden Darsteller für den ehrenamtlichen Job fehlen. (hof)

In Werdau verfügt das Hallen- und Freibad "Werdauer Badelust" (kurz: Webalu) über ein eigenes Maskottchen. Der passende Name: "Webalino". Im letzten Jahr war die Plüsch- figur im Stadtgebiet unter anderem zum Internationalen Kinderfest, zum Straßenfest und beim Kürbiszauber zu erleben. Zwischen drei und fünf öffentliche Auftritte kommen pro Jahr zusammen. Unter dem Frosch-Kostüm stecken meistens Mitglieder aus der Wasserwacht-Ortsgruppe an der Koberbachtalsperre. "Sie sorgen bei den Veranstaltungen mit ihrem Auftritt immer für gute Laune", sagt der Vorsitzende André Kleber. Die Taufe des Maskottchens war schon im Mai 2003. (hof)


Kommentar: Deal ist sinnvoll

Die Eispiraten-Verantwortlichen haben in dieser Saison schon eine Geldstrafe von 1500 Euro bezahlt, weil Bierbecher und Feuerzeuge auf das Eis geflogen sind. Ein Urteil zu einem Zusatzbericht vom Spiel gegen Kaufbeuren steht noch aus. Im Wiederholungsfall wird das Strafmaß ansteigen.

Das Geld ist besser angelegt - zum Beispiel in ein Maskottchen-Kostüm. Deshalb bietet sich ein Deal an: Eispiraten-Geschäftsführer Jörg Buschmann und seine Mitstreiter stellen das benötigte Geld für die Anschaffung zur Verfügung. Allerdings nur unter einer Bedingung: In dieser Saison landen keine Gegenstände mehr auf dem Sahnpark-Eis, und es müssen keine Strafen mehr auf das Konto der Deutschen Eishockey Liga 2 überwiesen werden.

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