Gotteshaus prägt das Stadtbild

Wie sich Crimmitschau und seine Ortsteile verändert haben. Heute: Johanniskirche (Folge 15)

Crimmitschau.

Die Kirche auf der Postkarte vor dem Ersten Weltkrieg und das aktuelle Foto zeigen im Äußeren des Gebäudes fast keine Veränderungen. Das Bauwerk ist eine einfache im nichtgotischen Stil mit einem 46 Meter hohen Turm gekrönte Kirche mit einer nach Osten orientierten Hauptachse. Über dem Westportal ist der aus Muschelkalkstein gefertigte Adler, das Sinnbild Johannis des Evangelisten, erkennbar. Die beiden Standbilder drüber sind rechts Johannes der Täufer und links Johannes der Evangelist, gestiftet vom Königlichen Ministerium des Innern im Wert von 14 Tausend Mark aus Mitteln des Kunstfonds. Die Turmuhr der Leipziger Firma Zachariä stammt aus dem Jahr 1927. Im Hintergrund ist ein Teil des angebauten Pfarrhauses zu sehen.

Crimmitschau zählte 1905 rund 27.000 evangelisch-lutherische Christen, damit war die St. Lauren-tiuskirche in der Betreuung der Mitglieder überfordert. Die Kirchenlandschaft von Crimmitschau musste neu konzipiert werden. Dieses Konzept legte der Kirchenvorstand schon 1893 vor. Es enthielt neben anderen Maßnahmen den Bau einer neuen Kirche in der Südvorstadt. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Stadtgemeinde und Kirchenverwaltung fiel am 7. November 1905 die Entscheidung zum Standort Rothenmühlplatz. Es folgte eine Ausschreibung, an der sich 42 Architekten beteiligten. Auf den ersten Platz setzte das Preisrichteramt den Architekten Wiesinger aus Leipzig. Für die Bauausführung - Kirche und Pfarrhaus bilden eine Einheit - waren 352.000 Mark geplant. Die Stadtgemeinde wollte 70.000 Mark beisteuern. Die Bauausführung ging an die beiden Baumeister Döhring und Birkner aus Crimmitschau. Dem ersten Spatenstich am 5. Oktober 1908 folgte die Grundsteinlegung. Der Festtag der Grundsteinlegung am 21. Oktober 1908 begann pünktlich 10 Uhr mit einem Festumzug von der Kleinkinderschule Beyerstraße 9 unter Führung der städtischen Kapelle zum Kirchenbauplatz. Unter Anwesenheit vieler Vertreter aus der Kirchenhierarchie und den Regierungsbehörden sowie in der Erwartung, dass "alle Stände bei diesem feierlichen Akt vertreten sind" fand die Grundsteinlegung zur zweiten gottesdienstlichen Stätte der Stadt Crimmitschau statt. In der Festrede verlas Pfarrer Schink den Text der einzumauernden Urkunde. In den Grundstein kamen Münzen, der erste städtische Verwaltungsbericht, ein Verzeichnis des Rates, der Stadtverordneten, des Kirchenvorstandes und der Vorsteher der Kaiserlichen und Königlichen Behörden sowie ein Exemplar der Sächsischen Kirchengalerie und ein Neues Testament. Es folgten die üblichen Hammerschläge im Namen der Kirche und Kirchgemeinde.

Die Weihe der neuen Johanniskirche fand am 4. Dezember 1910 unter Beteiligung der ganzen Kirchengemeinde statt. Die Teilnehmer des Festzuges versammelten sich gegen 8.30 Uhr im Bereich der Laurentiuskirche und bewegten sich ab 9 Uhr unter Glockengeläut nach der Johanniskirche. Nach Ankunft vor dem neuen Gotteshaus fand die Schlüsselübergabe vom Architekten an den Bürgermeister weiter über den Kirchenvorstand an den Seelsorger der neuen Parochie, den neuen Amtsbezirk von Pfarrer Oertel statt. Er öffnete die Tür zum Einzug der Anwesenden in die herrliche Kirche. Es folgten der Festgottesdienst und die vielen Gruß- und Segenswünsche. Nach der Weihe schloss sich ein Festessen mit 126 Personen im Gesellschaftshaus, Zwickauer Straße 61, an.

Im Lebenslauf des Geläutes gab es Höhen und Tiefen. Am 10. August 1910 brachte ein geschmücktes Pferdefuhrwerk die Glocken zur Johanniskirche und am 30. August wurden die Glocken geweiht und erklangen das erste Mal. Zum letzten Mal erklangen sie am 27. Juni 1917, um für den Ersten Weltkrieg vernichtet zu werden. Die kleinste Glocke blieb im Turm zurück. Ab 8. Juni 1919 kam wieder ein neues Gussstahlgeläut in den Turm. Dank des Gussstahls blieben die Glocken vor der Metallspende für den Zweiten Weltkrieg verschont. 1958 zu Ostern bekam die Johanniskirche ihr heutiges Geläut.

Natürlich wurden auch zu DDR-Zeiten Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Eine Grunderneuerung der Kirche stand 1964 an. Eine Restaurierung der Jehmlich-Orgel erfolgte in den Jahren 1958 und 1966. Nach der Wiedervereinigung nutzte der Kirchenvorstand die Fördertöpfe, um den Reparaturrückstau am Gesamtbauwerk zu beseitigen. Es galt das Kirchendach neu einzudecken, Kirche und Pfarrhaus bekamen neuen Außenputz, die Sanierung der Kirchenfenster stand an, die Umstellung der Heizung auf Erdgas wurde ausgeführt, die Innenrenovierung sowie die Erneuerung der elektrischen Anlage und vieles mehr mussten umgesetzt werden. Eine nicht geplante Baumaßnahme hinterließ am 2. März 2008 Sturmtief "Emma" an der Kuppel. Der Sturm riss Kupferbahnen aus dem Dach. Um Wasserschäden am Bauwerk zu vermeiden war eine schnelle Reparatur notwendig.

Insgesamt ist das Gotteshaus eine Zierde der Stadt und von hohem Kunstwert. Grund für das Landesamt für Denkmalpflege, die Kirche und das Pfarrhaus 1993 in das Denkmalverzeichnis mit der Begründung "städtebaulich, ortsgeschichtlich, baugeschichtlich und künstlerisch-architektonisch von Bedeutung, ein ortsbildprägender Bau im Jugendstil mit Anklängen an den süddeutschen Neobarock" aufzunehmen.

Quellen Bericht über den Stand der Gemeindeangelegenheiten... 1909 bis 1912.

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