In Langenhessen steckt viel von Hessen und Bayern

Kreisgeschichte(n) Woher Westsachsens Städte und Dörfer ihre Namen haben. Teil 5: Langenhessen.

Langenhessen.

Weil auf Sächsisch die Bewohner Langenhessens "Lange heesen", also ziemlich lange Namen haben, heißt das Dorf so, wie es heißt? Das könnte eine mögliche Erklärung sein, die die Langenhessener Ortsvorsteherin Sabine Löhmer nicht ohne Augenzwinkern von sich gibt. Die Tatsachen, nachzulesen in der Chronik des Dorfes, sind allerdings viel profaner. Um 1200, als das obere Pleißenland und damit auch das Gebiet um das künftige Langenhessen besiedelt wurde, wanderten viele Hessen in die hiesige Region ein. Die Mehrzahl der ersten Ansiedler kam aus diesem Landstrich und prägte damit den Namen. Die Bauerngüter wurden als sogenannte Waldhufen angelegt. Es waren anfangs nur drei Anwesen, deren Gehöfte nach den Feldern hin offen waren. Die ersten Einwohner kamen im 12. Jahrhundert vermutlich vom Westhang der unwirtlichen Hohen Rhön und suchten hier fruchtbares Land. Aber auch aus den Ostgebieten der Franken und aus Bayern gab es Ankömmlinge. Familienamen wie Franke, Nürnberger, Beyer und andere, die es heute noch häufig im Dorf gibt, deuten darauf hin. Die Besiedelung der Gemeinde erfolgte in mehreren Wellen.

"Nein, wirklich spektakulär ist die Namensgebung unseres Dorfes nicht", meinen Eveline Kuhn und Käthe Funke schmunzelnd. Doch die beiden Heimatforscherinnen, die jeden Mittwoch im Archiv im Keller der ehemaligen Schule in den Aufzeichnungen stöbern, verweisen auf viele interessante Stellen in der Chronik. So wurde 1560 die Witwe Margarethe Stellmacherin im Dorf als Hexe verbrannt. 1596 wurden im Zwickauer Wald ein paar Mädchen, die Heidelbeeren sammelten, "von einem Bären überfallen, tüchtig zerzaust, aber doch nicht beschädigt". 1633 brach, wie es die Chronik aussagt, eine Pest- und Schreckenszeit in Langenhessen an. 109 Menschenleben forderte im August die damals unheilbare Krankheit innerhalb von vier Wochen. Ganze Familien samt Dienstpersonal wurden dahingerafft. 1678 kam die Pest erneut ins Dorf. Acht Menschen starben, darunter Frau und Kind des Schulmeisters Michael Kirchhof, der kranke Leute von Zwickau bei sich aufgenommen hatte.

"Es ist auch erstaunlich, wie einst das Vereinsleben und das Handwerk bei uns im Orten blühten", sagt Urgestein Eveline Kuhn. Eine Liste der Gewerke von 1862 bis 1899 umfasst sage und schreibe mehr als 100 Fleischer, Schuhmacher, Tischler, Bäcker oder Zimmermänner.

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