Ortschef hört auf 100-Jährige

Fraureuth hat rund 5200 Einwohner. Nur eine von ihnen ist seit Montag ein Jahrhundert alt. Das Jubiläum wurde mit Humor gefeiert.

Fraureuth.

Gelassen hat Herta Felbinger am Montag den Trubel über sich ergehen lassen. Fast den ganzen Tag gaben sich die Gratulanten die Türklinke in die Hand, um ihr zum Ehrentag zu gratulieren. Gefeiert wurde ein nicht alltägliches Jubiläum: Herta Felbinger beging am Montag ihr 100-jähriges Wiegenfest und ist damit die älteste Einwohnerin in der Gemeinde Fraureuth und zugleich die einzige, die momentan im Ort die magische Zahl überschritten hat. Zu den Jubilaren gehörten neben zahlreichen Bekannten unter anderem auch der Bürgermeister der Gemeinde, Matthias Topitsch und der Ortsvorsteher von Fraureuth, Hans-Dieter Jakob. Und als es darum ging, für die "Freie Presse" für ein Pressefoto in die Kamera zu lächeln, bewies die noch rüstige Seniorin Humor. "Ich kann nur lachen, wenn der Bürgermeister neben mir sitzt", sagte sie lautstark. Das Gemeindeoberhaupt parierte sofort. Dann appellierte Herta Felbinger an ihre rund 30 Gäste: "Morgen bin ich in der ,Freien Presse'. Also alle die Zeitung lesen!"

Seit acht Jahren wohnt die gebürtige Fraureutherin im betreuten Wohnen in der "Goldenen Sonne" im Ortsteil Ruppertsgrün und meistert dort, so gut es geht, ihren Alltag. "Für ihr Alter ist sie noch gut drauf", sagte Tochter Jutta Reinhold am Rande der Feierlichkeiten im Gemeinschaftsraum der Einrichtung. Fast ihr ganzes Leben lang hat die Seniorin in der ehemaligen Gaststätte Greizer Straße 7 in Fraureuth gelebt. Geboren wurde sie nur wenige Meter davon entfernt in der Greizer Straße 4. Als Fünfjährige zog sie mit ihren Eltern und sechs Geschwistern in den Gasthof, wohnte fast ihr ganzes Leben in dem Haus. 1935 heiratete Herta ihren Mann Helmut. Der stammte aus Leubnitz, arbeitete aber viele Jahre im Wälzlagerwerk, genau wie sie selbst. 30 Jahre war sie in der Montage tätig und zog nebenbei zwei Kinder groß. Vor 28 Jahren starb ihr Mann.

Bis zu ihrem 92. Lebensjahr wohnte Herta Felbinger in dem alten Gasthof. Dann bekam sie von der Gemeinde, Eigentümerin des Gebäudes, als eine der letzten Mieter in dem Mehrfamilienhaus die Kündigung. Das Gebäude war alt und marode, musste abgerissen werden. Beim Umzug in ihr neuen Zuhause wurde sie von der Gemeinde tatkräftig unterstützt.

"Am Anfang war sie etwas skeptisch, doch sie hatte sich schnell eingelebt", blickt Tochter Jutta Reinhold zurück. Die 73-Jährige wohnt mit ihrem Mann Karl nur ein paar Meter entfernt am Fritz-Heckert-Ring in Fraureuth und schaut regelmäßig nach ihrer Mutter. Auch für sie war am Montag ein besonderer Tag, obwohl sie sich die ganze Zeit um das Wohl der zahlreichen Gäste kümmerte. Etwas ruhiger geht es am Samstag zu, wenn der Geburtstag noch einmal im Kreise der Familie in einem Hotel gefeiert wird. "Dann sind wir zwölf Leute. Dazu gehören dann auch die zwei Enkel, zwei Urenkel und sogar schon ein Ururenkel. Wer kann das schon vorweisen", sagt die Tochter.

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