Sanierung der Orgel kostet 250.000 Euro

Am zweiten Weihnachtsfeiertag erklingt die Silbermannorgel im Fraureuther Gotteshaus - schon bald wird sie schweigen. 2018 rücken Bauarbeiter in der Kirche an. Sie haben viel zu tun.

Fraureuth.

Ihr Weihnachtsgeschenk hat die Kirchgemeinde von Fraureuth schon ein paar Tage vor dem Fest erhalten, zur Anwendung kommt es erst 2018. Vertreter der Ostdeutschen Sparkassenstiftung überreichten der Kirchgemeinde einen Spendenbescheid, mit dessen Geld im kommenden Jahr die 275 Jahre alte Silbermannorgel in dem Gotteshaus saniert werden soll. Über die Höhe der Summe wurde Stillschweigen vereinbart. Die Besonderheit an dem Instrument: Es gibt nur drei Orgeln, die der berühmte sächsische Orgelbaumeister einst außerhalb des Freistaates baute. Das war 1734 in Ponitz (1984 restauriert und in einem guten Zustand), 1734 in Greiz (1802 beim Stadtbrand vernichtet) und 1742 in Fraureuth. Politisch gehört der Ortsteil der gleichnamigen Großgemeinde seit 1952 zum heutigen Sachsen, kirchlich weiterhin zu Thüringen.

Die Silbermannorgel mit ihren 1134 Pfeifen, gefertigt aus Tannenholz und Zinn sowie Tasten aus schwarzem Eibenholz und Elfenbein, wurde das letzte Mal 1928 gereinigt. Seitdem machte nicht nur Staub dem Instrument zu schaffen, sondern auch die Gasheizung in dem Gotteshaus. "Durch die warme Luft, die durch die Heizung erzeugt wird, herrscht im Raum eine verhältnismäßig hohe Luftfeuchtigkeit, die sich negativ auf das Instrument auswirkt. Die Orgel ist ein sogenanntes Kaltinstrument. Als die eingebaut wurde, war Heizung in einer Kirche unüblich. Folglich sollten möglichst auch nie mehr als 15 Grad im Inneren vorhanden sein", erklärt Andreas Eismann vom Kirchenvorstand, der 2015 den Stein mit ins Rollen brachte und sich jetzt auch um die Umsetzung kümmert. "Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und das dabei entstehende Kondenswasser hat sich an einigen Stellen an der Orgel Schimmel gebildet. Dem müssen wir nun zu Leibe rücken, um weitere Schäden zu vermeiden." Außerdem soll die Orgel wieder in ihren Originalzustand versetzt werden. Die Lederklappen an den Pfeifen, die bei der letzten Sanierung durch Metallklappen ersetzt wurden, sollen wieder ausgetauscht werden. Durch das Umhängen der Mechanik wurde vor ein paar Jahren auch die Stimmlage um einen halben Ton vom Chorton zum Kammerton herabgesetzt. Ein Manko, das im Zuge der bevorstehenden Sanierung beseitigt werden soll.

Möglich sind die Arbeiten durch die Unterstützung der Sparkassenstiftung. Denn mit der Sanierung der Orgel allein ist es noch nicht getan. Damit verbunden sind auch umfangreiche Arbeiten in der 1733 fertiggestellten Kirche. Dazu gehört neben der Modernisierung der Heizung auch die Erneuerung der alten Fenster. Die Heizung soll zusätzlich mit einer Computersteuerung versehen werden, die entscheidet, wann die Kirche belüftet wird und wann nicht, um so eine optimale Luftfeuchtigkeit im Raum zu haben. Die Fenster sind größtenteils undicht und haben auch schon etliche Jahre auf dem Buckel.

An Gesamtkosten sind rund 500.000 Euro veranschlagt, davon entfällt gut die Hälfte auf die Sanierung der Orgel. Deren Finanzierung ist auch gesichert. Was den Rest betrifft, hofft die Kirchgemeinde vom Leader-Programm profitieren zu können. Mit dem Geld soll ein Großteil der Arbeiten im Gebäude bezahlt werden.

Lediglich die Kosten für die neue Heizung, die sich auf rund 65.000 Euro belaufen, sind noch nicht gesichert und sollen über Spenden beglichen werden. "Wir sind aber jetzt so weit, dass im Januar die Ausschreibungen erfolgen und im Frühjahr der Startschuss für die Arbeiten gegeben werden kann", sagt Andreas Eismann. Begonnen werden soll im Gebäude, unter anderem mit der Trockenlegung des Mauerwerkes im Kirchenschiff. Erst wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, folgt voraussichtlich ab Sommer die Sanierung der Orgel. "Unser Ziel ist, die Arbeiten bis Ende des kommenden Jahres komplett abzuschließen, sodass im Advent auch wieder die Orgel zu hören sein wird."

Dem Klang des königlichen Instrumentes lauschen können Interessierte in diesem Jahr ein vorerst letztes Mal am zweiten Weihnachtsfeiertag während eines festlichen Konzertes im Kerzenschein. Viele weitere Möglichkeiten dazu wird es in den nächsten Wochen nicht geben. Rücken die Bauarbeiter an, verstummt das Instrument für mehrere Monate.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...