Tierschützer wollen Angel-AG verbieten

Peta hat die Diesterwegschule in Werdau aufgefordert, aus dem Freizeitprogramm für Jugendliche ein seit Jahren bestehendes Angebot zu streichen. Aber die Lerneinrichtung beißt nicht an.

Werdau.

Erst glaubte Kay Hertel an einen Scherz, als er vor ein paar Tagen in seinem Mailpostfach eine Nachricht von der Naturschutzorganisation Peta fand. Die weltweit agierende Vereinigung forderte den Direktor der Diesterwegoberschule in Werdau auf, die an der Bildungseinrichtung vorhandene Arbeitsgemeinschaft (AG) Angeln durch ein anderes Angebot zu ersetzen. "Das Töten von empfindungsfähigen Tieren darf kein Lernangebot sein", schreibt die Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei Peta, Tanja Breining. "Die Schule hat einen Lehrauftrag und sollte Kinder und Jugendliche für andere Lebewesen sensibilisieren. Im Angelunterricht hingegen wird den Schülern ihr natürlichen Mitgefühl abtrainiert", behauptet Breining. Fische seien neugierige und freundliche Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten. Sie hätten ein komplexes Sozialleben, würden miteinander kommunizieren und Freundschaften schließen.

Kay Hertel zeigt keinerlei Verständnis für die Kritik und schon gar nicht für diese Art und Weise. "Bis auf die Mail hat die Tierschutzorganisation mit uns noch nicht das Gespräch gesucht oder uns die Chance eingeräumt, zu den Vorwürfen Stellung beziehen zu können", sagt der Schulleiter. Er verteidigt das Angebot. "In der Arbeitsgemeinschaft wird den interessierten Jugendlichen nicht nur das verantwortungsvolle Angeln beigebracht, sondern es werden zugleich Fragen des Natur-, Umwelt- und Tierschutzes behandelt. Unter fachkundiger Anleitung bekommen die Schüler den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und einen respektvollen Umgang mit den Tieren vermittelt."

Kritik an der Aufforderung von Peta übt ebenfalls der Leiter der Arbeitsgemeinschaft an der Schule, Enrico Mattivi. Er ist nicht nur als Sport- und Biologielehrer an der Bildungseinrichtung tätig, sondern in seiner Freizeit auch aktives Mitglied im Anglerverein Werdau. "Bei dem Angebot arbeiten Schule und Verein miteinander Hand in Hand. In der Arbeitsgemeinschaft bekommen die rund zehn Mitglieder ein umfangreiches Wissen vermittelt. Dazu gehört auch der Umweltschutz. Peta stellt das so dar, als würden wir respektlos mit den Fischen umgehen. Das ist keineswegs der Fall", sagt Enrico Mattivi.

Kay Hertel hat inzwischen im Internet zu der Thematik recherchiert und ist dabei auch auf eine Pressemitteilung des Anglerlandesverbandes Niedersachsen gestoßen. In der wird die Forderung der Tierschutzorganisation scharf verurteilt. "Offenbar hat Peta erst in Niedersachsen versucht, für Unruhe zu sorgen, und hatte dabei keinen Erfolg. Jetzt hat man Schulen in Sachsen ins Visier genommen", sagt Hertel. Er will an dem Angebot an der Diesterweg-oberschule festhalten. "Für mich gibt es keinen Grund, die Arbeitsgemeinschaft aufzulösen." Auch Erico Mattivi will weitermachen.


Verein weltweit aktiv

Peta Deutschland wurde Ende 1993 gegründet und ist eine Schwesterorganisation von Peta USA, der nach eigenen Angaben mit über fünf Millionen Unterstützern weltweit größten Tierrechtsorganisation. Ziel der Organisation ist es, durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise der Menschen jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.

Die Vereinigung macht sich aktuell unter anderem gegen den Verkauf von Haustieren in Baumärkten, für ein Verbot der Haltung von Exoten in Privathand und ein Verbot von Tierversuchen für Lehrzwecke an deutschen Hochschulen und Unis stark.


Kommentar: Differenzieren

Wenn es Menschen gibt, die sich für den Tierschutz stark machen und Missstände anprangeren, ist das in Ordnung. Allerdings sollte man dabei differenzieren, welche Zustände kritisiert werden. Wenn in der Massentierhaltung beispielsweise Hühner eingepfercht in Käfigen in dunklen Räumen ohne ausreichend Nahrung gehalten werden, ist Kritik angebracht. Einer Schule jedoch die Arbeitsgemeinschaft Angeln verbieten zu wollen, ist übertrieben. Unter fachgerechter Anleitung lernen die Jugendlichen, wie man richtig angelt. Belange des Umwelt- und Naturschutzes spielen in der Ausbildung eine wichtige Rolle. Der Schule vorzuwerfen, sie verstoße mit dem Angebot gegen ihren Bildungsauftrag, ist falsch. Richtig dagegen, dass die Einrichtung an ihrem Freizeitangebot festhält.

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