Trotz Kritik: Windpark erhält Zuwachs

Zu den drei bestehenden Anlagen kommen drei neue hinzu. Weder die Gemeinde Reinsdorf noch Bürgerproteste können den Bau verhindern.

Reinsdorf.

Entlang der Verbindungsstraße von Friedrichsgrün nach Silberstraße wächst ein neues Windkraftwerk in die Höhe - das mittlerweile vierte auf Vielauer Flur. Zwei weitere Anlagen sind ebenfalls bereits genehmigt, wenngleich ihr Bau noch nicht begonnen hat. Und das, obwohl es in der Gemeinde gewaltigen Widerstand gegen die Projekte gegeben hat. Unter anderen lehnte der Reinsdorfer Gemeinderat gleich mehrfach in Ratsbeschlüssen den Bau der Anlagen kategorisch ab. Der Protest blieb ohne Folgen.

Entsprechend vergnatzt reagiert Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos) auf den Baubeginn. "Natürlich schwingt bei uns die Enttäuschung mit. Wir haben klar gemacht, dass wir die Windräder nicht wollen", sagt er. "Für uns im Gemeinderat steht der Schutz der Bürger im Vordergrund, der Schutz ihrer Gesundheit und der Schutz ihres Eigentums." Die nächstgelegenen Wohnhäuser seien nicht weiter als 563 Meter von der Anlage entfernt. "Dort zu bauen, ist unvernünftig", sagt Ludwig.

Die Anwohner in Friedrichsgrün haben ohnehin schon drei Windräder vor der Haustür. Darüber hinaus führt die Autobahn fast direkt an ihren Gärten entlang. Laut ist es dort schon, auch mit einer Verschandelung des Landschaftspanoramas lässt sich unter den Umständen kaum noch argumentieren. "Aber man muss den Zustand ja nicht noch zusätzlich durch weitere Windkraftanlagen verstärken", sagt Ludwig. Windräder in der unmittelbaren Umgebung von Gebäuden würden deren Wert senken.

Der Widerstand des Reinsdorfer Gemeinderats ist nicht auf taube Ohren gestoßen, er hat stattdessen nur einfach keine Rolle bei der Bewilligung des Vorhabens gespielt. Eine landesweit einheitliche Regelung, wie weit die Anlagen von den nächsten Häusern entfernt sein dürfen, gibt es in Sachsen nicht. Auch der Landkreis, dem Steffen Ludwig im Gemeindeblatt mehr oder weniger den schwarzen Peter zuschiebt, hat in der Frage keinen Ermessensspielraum. "Die Behörde ist verpflichtet, die beantragten Genehmigungen zu erteilen, wenn die formellen und materiellen Voraussetzungen vorliegen", sagt dazu Kreissprecherin Ilona Schilk. Nachdem der Antragsteller alle Unterlagen eingereicht hatte, habe man gar nicht mehr anders gekonnt, als den Stempel draufzudrücken.

Aufgrund der Gesetzeslage hat der Kreis eine "sofortige Vollzieh- barkeit" verfügt. Das bedeutet, dass nicht einmal Klagen vor Gericht den Baubeginn verzögern können. "Die Dinger können überall einfach hingestellt werden", schimpft Bürgermeister Ludwig. Nicht einmal Planfeststellungsverfahren, wie sie sonst bei anderen Großprojekten üblich sind, seien in diesen Fällen nötig.

Das freilich hat seine Gründe. Grundsätzlich gibt es in der Politik das Bestreben, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. Bürokratische Hindernisse stören da nur. Befürwortern des Ausbaus geht es ohnehin nicht schnell genug. In Sachsen gibt es etwa 870 Anlagen. 2016 wurden landesweit gerade einmal neun Windräder aufgestellt, dafür aber 14 abgebaut. Eine Studie der Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien in Sachsen kommt zu dem Schluss, dass der Bestand im Bundesland teilweise sehr veraltet ist. Für dieses Jahr erwarten die Macher der Studie nicht, dass Sachsen bundesweit sonderlich aufholen werde. Schon jetzt hinke man hinterher.

Enttäuscht reagiert auch die Bürgerinitiative "Gegenwind", deren Vorstöße beim Landratsamt folgenlos geblieben sind. Bernd Franke von der Initiative betont: "Prinzipiell sind wir nicht gegen Windenergie. Sie muss Bestandteil des neuen Energieangebots sein. Aber wir verlangen, dass zumindest Anwohner gefragt werden, die in weniger als 1000 Metern Entfernung wohnen." Zumal gesundheitliche Auswirkungen der Windräder nicht ausreichend erforscht seien. Dass nun der Bau losgeht und ihn niemand verhindern kann, hält Franke für völlig daneben. "Man hat sich 2007 auf drei Windräder geeinigt. Dann muss es doch auch einmal gut sein."

Zwei der drei genehmigten Anlagen will eine Firma aus Mülsen bauen. Hinter der bereits laufenden Baustelle steht das Freiberger Un- ternehmen Sabowind. Nach Firmenangaben soll die Anlage eine Nabenhöhe von 137 Metern haben und eine Nennleistung von 3300 Kilowatt besitzen. Die Inbetriebnahme ist für das dritte Quartal 2017 geplant. Die Firma verweist auf umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen, die ihr das Landratsamt auferlegt hat. Gemeint ist die Sanierung einer Insel im Vogelschutzgebiet Lim- bacher Teiche. Das liegt 30 Kilometer entfernt.

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