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Stationen von Stadtchef André Raphael (von oben links im Uhrzeigersinn): erster Arbeitstag im OB-Büro, Fassbieranstich zum Marktfest, Auftakt der Faschingssaison und Besuch der Kunstministerin Eva-Maria Stange in der Tuchfabrik.

Foto: Fotomontage: Cornelia Jacobs (Fotos: Thomas Michel/3, Stadtverwaltung )

"Was vor der Wahl war, ist vergeben"

Oberbürgermeister André Raphael über seine ersten 100 Tage im Amt, Streitthemen und die Kennenlernphase mit der örtlichen CDU

erschienen am 15.11.2017

Crimmitschau. André Raphael (parteilos) sitzt seit 100 Tagen als Oberbürgermeister auf dem Chefsessel im Rathaus in Crimmitschau. Der Rechtsanwalt löste am 8. August seinen Vorgänger Holm Günther (Für Crimmitschau) ab. Holger Frenzel sprach mit dem 55-Jährigen.

Freie Presse: Sie haben zuletzt oft vom prall gefüllten Terminkalender berichtet. Ist das Amt des Oberbürgermeisters stressiger als gedacht, Herr Raphael?

André Raphael: Ich gehe jeden Tag gern ins Rathaus. Die Arbeit ist spannend und bringt auch etliche überraschende Momente. Ich empfinde das Aufgabenpensum bisher nicht als stressig. Das Wort "Stress" ist - aus meiner Sicht - sowieso zu negativ besetzt.

Wie viele Überstunden befinden sich schon auf dem OB-Konto?

In der Kategorie denke ich nicht. Ich bin es von meiner Tätigkeit als Rechtsanwalt gewohnt, dass es an manchen Tagen lange geht und an den Wochenenden gearbeitet werden muss. Mein Arbeitstag beginnt zwischen 7 und 8 Uhr. Das Ende ist ganz unterschiedlich - zwischen 19 und 23 Uhr.

Was war bisher der schönste Moment als Stadtchef?

Da gab es viele Dinge, die in Erinnerung bleiben - besonders der Zuspruch der Menschen und der Empfang durch die Mitarbeiter im Rathaus.

Und die schwierigste Aufgabe?

Die Fülle an Informationen muss strukturiert werden. Zudem geht es darum, die Prämissen für die tägliche Arbeit richtig zu setzen.

Vor der Wahl waren Sie in vielen Vereinen und Einrichtungen. Sie wollten überall an den ersten 100 Tagen nach dem Amtsantritt vorbeischauen. Wo waren Sie noch nicht?

Ich habe es fast geschafft. Zwei kleine Orte fehlen noch. Ich bin am 16. November in Gösau und am 20. November in Großpillingsdorf. An den Bürgerforen gibt es ein großes Interesse.

Welches Thema beschäftigt Sie momentan mehr: das Tiergehege oder die Tuchfabrik?

Das Tiergehege. Damit hätte ich zu Beginn meiner Amtszeit nicht gerechnet.

Sie haben im Wahlkampf um Transparenz geworben. Warum gibt es bisher keine öffentliche Debatte zur Tiergehege-Zukunft im Stadtrat oder in einem Ausschuss?

Wir dürfen Transparenz nicht mit Aktionismus verwechseln. Wir tragen momentan viele Informationen und Hilfsangebote zusammen. Die Bürgerbeteiligung für das Tiergehege soll erhöht werden. Es geht um ein gutes und tragbares Ergebnis - für die nächsten Jahre. Wir richten zeitnah ein Spendenkonto für das Tiergehege ein. Zudem ist eine Informationsveranstaltung, zu der wir die Bevölkerung einladen, in Vorbereitung. Am 14. Dezember beschäftigen wir uns im Stadtrat mit dem Thema.

Der bisherige Träger hat den Betreibervertrag für das Tiergehege gekündigt. Und damit vorschnell Tatsachen geschaffen?

Aus meiner Sicht: Ja. Allerdings gab es in der letzten Woche ein gutes Gespräch mit den Verantwortlichen des FAB (Anmerkung der Redaktion: Verein zur Förderung von Ausbildung und Beschäftigung). Wir hätten uns bereits früher an einen Tisch setzen sollen. Ich bedauere, dass es zu einer Verstimmung gekommen ist.

Ein kurzer Blick auf den 1. Januar 2018: Wer füttert dann die Tiere, reinigt die Ställe?

Wir finden dazu bis zum 31. Dezember 2017 eine Lösung. Einerseits sprechen wir weiter mit den FAB-Verantwortlichen. Andererseits haben wir auch selbst einen Plan B in der Schublade. Im Notfall würden wir die Versorgung der Tiere und die Reinigung der Ställe mit Leuten aus unserem städtischen Baubetriebshof absichern.

Ein Wechsel in die Tuchfabrik: Crimmitschau ist für die Landesausstellung 2020 als "Schauplatz Textil" ausgewählt. Für die Gestaltung einer Begleitschau und die Investitionen stehen 625.000 Euro zur Verfügung. Ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Das kommt auf die Betrachtungsweise an. Einerseits: Nachdem in den letzten Jahren nicht viel passiert ist, handelt es sich um viel Geld. Andererseits: Wer nur auf die früheren Konzepte schaut, als der Investitionsbedarf auf mehr als 4 Millionen Euro beziffert wurde, bezeichnet es als Tropfen auf den heißen Stein. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir mit Augenmaß agieren und bei allen Investitionen auch auf die Nachhaltigkeit achten.

Die Entwicklung ist entscheidend mit dem Personal verknüpft. Der Zweckverband sucht einen neuen Leiter für das Museum. Welche Anforderungen gibt es an den künftigen Chef?

Ganz klar: Ein Leiter muss mit den bescheidenen Mitteln optimale Ergebnisse erzielen. Es geht nicht nur um die museale Präsentation. Wichtig ist, dass mehr Veranstaltungen stattfinden und der Bekanntheitsgrad erhöht wird.

Sie haben 2012 - noch als Mitglied der Bürgervereinigung "Für Crimmitschau" - für eine Kürzung der Öffnungszeiten und eine Reduzierung des Zuschusses gestimmt. Nun gehören Sie zu den Verfechtern der Tuchfabrik. Woher kommt der Sinneswandel?

Welche Möglichkeiten gab es 2012? Wenn wir uns damals für ein großes Investitionspaket entschieden hätten, wären auch die Betriebskosten in einen Bereich gestiegen, den eine Stadt in der Größenordnung von Crimmitschau nicht stemmen kann. Wir haben uns damals als Stadtrat - trotz der Reduzierung der Zuschüsse - zu unserem Erbe bekannt. Durch die Landesausstellung gibt es jetzt eine ganz neue Möglichkeit für die Tuchfabrik.

Wir wechseln das Thema: Ein Schwerpunkt im Wahlkampf war die Zukunft der Straßenausbaubeitragssatzung. Sie haben angekündigt, dass die Abschaffung und die Rückzahlung der Beiträge auf den Prüfstand kommen sollen. Wie ist der Stand?

Auch hier geht es zunächst um die Aufarbeitung vieler Informationen. Das dauert bis zum ersten Halbjahr 2018. Dann soll es eine Bürgerversammlung geben. Die Menschen müssen erfahren, welche Entscheidung welche Konsequenzen haben würde. Welche Auswirkungen hätte eine Rückzahlung von Beiträgen auf den Haushalt? Wie geht's ohne Straßenausbaubeiträge bei verschiedenen Tiefbauprojekten weiter? Die finale Entscheidung muss dann der Stadtrat treffen.

Sie haben kurz nach Ihrem Amtsantritt bei einer Beratung mit Anwohnern aus der Wilhelm-Stolle-Siedlung angekündigt, dass die Bürgerversammlung zur Zukunft der Straßenausbaubeiträge schon im Herbst stattfinden soll. Haben Sie den Umfang des Themas unterschätzt?

Ja. Zudem gehe ich mit Respekt an die Entscheidung heran. Ein Schnellschuss wäre niemandem dienlich.

Was hat sich seit dem 8. August in Crimmitschau geändert?

Das ist in etwas mehr als drei Monaten schwierig. In der Verwaltung gibt es eine gewisse Aufbruchstimmung. Die Art der Kommunikation hat sich geändert. Das ist aber jeweils meine ganz persönliche Meinung.

Das Personalentwicklungskonzept liegt seit zwei Jahren in der Schublade. Halten Sie an der angedachten Reduzierung der Fachbereiche fest?

Nein. Die Anzahl der Fachbereiche wird grundsätzlich beibehalten. Ich habe seit dem 8. August mit keiner Mitarbeiterin so oft gesprochen wie mit Personalleiterin Petra Walther. Damit wird deutlich, dass die Umsetzung und Fortschreibung des Personalentwicklungskonzeptes einen Schwerpunkt in meiner Arbeit darstellt.

Welche Fortschritte gibt es in den Verhandlungen mit dem Investor für den Gesundheitsbahnhof und zur Schaffung eines Einkaufsmagneten in der Innenstadt?

In beiden Fällen gilt: Wir führen Gespräche mit privaten Investoren. Dabei handelt es sich um sensible Dinge. Investoren und Stadtverwaltung werden an die Öffentlichkeit gehen, wenn etwas spruchreif ist.

Seit vier Wochen gibt es in Crimmitschau eine Zentrumsmanagerin. Wann wird Sie in der Öffentlichkeit vorgestellt?

Das wird zeitnah passieren. Die Zentrumsmanagerin ist bei der Stadtentwicklungsgesellschaft angestellt. Sie hat sich zunächst mit den Abläufen im Unternehmen vertraut gemacht. Nun wird das Büro an der Silberstraße eingerichtet. Ich bin überzeugt, dass wir mit Ina Burkhardt für neue Impulse sorgen können. Wir müssen bei der Belebung der Innenstadt liefern.

Welche Rolle nimmt bei der Entwicklung der Innenstadt der Immobilienmakler Dirk Porzig ein, der im Wahlkampf aktiv Ihren Kontrahenten unterstützt hat?

Dirk Porzig ist ein nicht unbedeutender Akteur. Er trägt mit seinem Unternehmen für etliche Immobilien in der Innenstadt die Verantwortung. Egal, wer auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt: Dirk Porzig wird für die Stadtverwaltung immer ein wichtiger Ansprechpartner sein.

Im Wahlkampf gab es einen heftigen Schlagabtausch. Wie gestaltet sich nun die Zusammenarbeit mit der Bürgervereinigung "Für Crimmitschau"?

Von einem Schlagabtausch kann nicht die Rede sein, dazu gehören zwei. Die Dinge, die vor der Wahl waren, sind vergeben. Ich bin nicht nachtragend. Die Zusammenarbeit ist seit unserer Aussprache im August aus meiner Sicht als konstruktiv zu bezeichnen.

Wie oft haben Sie seit dem 8. August mit ihrem Vorgänger Holm Günther telefoniert und gesprochen?

Gar nicht. Es gab keinen Grund dafür.

Der CDU-Stadtverband hat Sie im Wahlkampf unterstützt. Sie sind bisher parteilos. Wie lange noch?

Einige Mandatsträger, die nach meiner Nominierung skeptisch waren, haben gesehen, dass wir uns mit einem sauberen Wahlkampf durchsetzen konnten. Nun läuft die Phase des Kennenlernens - unter anderem mit Landrat Christoph Scheurer oder den Landtagsabgeordneten Jan Löffler und Ines Springer. Da gibt es auch keinen Druck, um eine Entscheidung zu treffen.

Sie sind also mit der CDU momentan verlobt.

Das haben Sie festgestellt.

Sie dürfen zum Schluss in die Rolle des Journalisten schlüpfen. Welchen Gesprächspartner würden Sie zum Thema "100 Tage im Amt" lieber treffen - Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Sachsens designierten Ministerpräsident Michael Kretschmer?

Michael Kretschmer. Er gehörte als CDU-Generalsekretär zu den ersten Gratulanten, die sich nach der Wahl zum Oberbürgermeister bei mir gemeldet haben. Die Verantwortlichen in Dresden müssen wissen, was wir an der Basis in den Städten und Gemeinden brauchen.

Welche Frage würden Sie dann loswerden?

Was werden Sie für die Kinderbetreuung, die Bildung und die finanzielle Ausstattung der Städte und Gemeinden tun?

 
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