Werdauer Bahnhof bleibt ein Problemfall

Wer in der Pleißestadt aus dem Zug steigt, dem bietet sich kein einladender Anblick. Das Areal soll neugestaltet werden. Wann, das weiß niemand genau. Doch warum eigentlich?

Werdau.

Dreck, Müll, Glasscherben - wer das Gebäude des Werdauer Bahnhofes durchquert, sieht in allen Ecken Verfall und Verwahrlosung. Ein Zustand, der nicht nur Reisenden auf den Geist geht, sondern auch bei Stadträten Kritik auslöst. Eigentum verpflichtet, sagt zum Beispiel Heiko Döhler (Die Linke), der den jüngsten Vandalismus am ehemaligen Fahrkartenstand per Foto festgehalten hat. "Hier wurde eine Scheibe demoliert. Personen, vor allem Kinder, könnten zu Schaden kommen", sagt der Werdauer, der genau wie sein Fraktionskollege Robby Scharmacher wissen möchte, ob und wie es mit der Neugestaltung des Bahnhofes und des Vorplatzes nun vorangehen soll.

Wie der zuständige Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Bau im Rathaus, Karsten Piehler sagte, ist der Fördermittelantrag für die anstehenden Arbeiten eingereicht worden. Rund 660.000 Euro wird die Umgestaltung zu einem modernen Knotenpunkt kosten. Das schließt die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes ein. "Bereits seit vielen Monaten arbeiten wir mit speziellen Planungsbüros zusammen, wobei es unter anderem um die notwendige Baufeldfreimachung geht. Ich hätte nie gedacht, dass das so viel Zeit in Anspruch nehmen würde." Das Problem sei, dass die geplanten Bauarbeiten bei laufendem Bahnbetrieb über die Bühne gehen müssen, sagte Karsten Piehler. Im Frühjahr werde im Auftrag der Bahn die Trafostation umgesetzt, die auf dem privaten Gelände der Vogtlandspedition steht. Wann der Abriss und der Neubau des Haltepunktes wirklich losgehen, dazu konnte Karsten Piehler gegenüber den Stadträten keine konkreten Aussagen machen. "Wenn wir die Fördermittel bekommen und alle notwendigen Unterlagen durch die Bahn vorliegen, dann vielleicht nächstes Jahr um diese Zeit."

Durch Mitarbeiter des städtischen Bauhofes werde der Bahnhofsbereich fast täglich, außer an den Wochenenden, kontrolliert, sagte Rathaussprecher André Kleber. "Allerdings sind wir nur für das Gebäude bis zur Treppe zuständig. Die Treppenanlage selbst und der Tunnelbereich sind Bahnsache." Die demolierte Scheibe am Fahrkartenhaus wurde zwischenzeitlich herausgenommen und durch eine Holzplatte ersetzt. "Leider haben Fälle von Vandalismus in der letzten Zeit sehr zugenommen", sagte André Kleber.


Denkmalschutz wird wieder aufgehoben

Eingeweiht wurde das Werdauer Bahnhofsgebäude im Jahr 1845. Im November 2012 hat die Stadt Werdau den Komplex für 32.000 Euro ersteigert, um ihn zu einem modernen Verkehrsknotenpunkt umzugestalten.

Im Frühjahr 2014 beschloss der Stadtrat, den Bahnhofskomplex abzureißen. Das rief Bürger auf den Plan, die den Rückbau des historischen Gebäudes verhindern wollten. Unterschriftenaktionen wurden gestartet, und der Bürgerverein "Wir in Werdau Süd" kämpft weiter für den Erhalt des Gebäudekomplexes.

Im Juni dieses Jahres verkündete der Werdauer Oberbürgermeister Stefan Czarnecki, dass der Denkmalschutz für das Bahnhofsgebäude aufgehoben worden sei. Nach einem Hinweis eines Werdauers beim Landesamt für Denkmalpflege in Dresden war das Gebäude nachträglich in das Verzeichnis der Kulturdenkmale des Freistaates eingetragen worden. Dagegen legte die Kommune ihr Veto ein, dem das Innenministerium schließlich stattgab. (rdl)

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