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Nachgestellte Foltermethoden.

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Wie die DDR den roten Terror in Äthiopien unterstützte

Ein Werdauer weilte zwei Monate zu einem Studienaufenthalt in Addis Abeba. Parallel dazu recherchierte ein Zwickauer in Stasiunterlagen. Beide Männer machten dabei überraschende Entdeckungen.

Von Uwe Mühlhausen
erschienen am 08.02.2018

Werdau. Deutschland und Äthiopien liegen 5444 Luftkilometer entfernt, auf dem Landweg sind es 8375 Kilometer. Und dennoch sind sich beide Länder ganz nah, zumindest der Ostteil Deutschlands und was dessen Geschichte betrifft. Die DDR und der afrikanische Staat pflegten einst enge wirtschaftliche Kontakte. "Doch es gab auch intensive politische Beziehungen, über die bisher nur wenig bekannt ist", sagt Georg Meusel. Der 76-Jährige weilte im Vorjahr für zwei Monate zu einem Studienaufenthalt in der Hauptstadt Addis Abeba und begab sich auf Spurensuche.

Georg Meusel war in der Vergangenheit schon mehrfach als Tourist in Äthiopien zu Gast. "Dabei bin ich auch viel mit den Menschen in Kontakt gekommen. In den Gesprächen erfuhr ich auch mehr aus deren Leben und Vergangenheit. Dabei erkannte ich viele Parallelen zur eigenen Vergangenheit. Das machte mich neugierig. Ich wollte mehr erfahren", berichtet Georg Meusel. Er gehörte in der DDR zu den Andersdenkenden, engagierte sich in der Friedensbewegung und war den Repressalien des SED-Regimes ausgesetzt. Nach dem Mauerfall war Meusel Mitbegründer des Martin-Luther-King-Zentrums in Werdau.

Den Forschungsaufenthalt in Addis Abeba finanzierte Meusel mit einem Stipendium, das er von der Stiftung zur Aufarbeitung des SED-Regimes in Berlin erhielt. "Das Geld reichte aus, um den Flug und den Aufenthalt in einem einfachen Gästehaus in Addis Abeba zu finanzieren", sagt der Werdauer.

Tagsüber hielt er sich im Red Terror Museum auf. "Ich war nicht als Belehrender, sondern als Lernender gekommen." Meusel half bei der Inventarisierung der im Museum vorhandenen Bibliothek, sprach mit Besuchern, unterhielt sich mit Zeitzeugen, befasste sich intensiv mit der jüngsten Geschichte des Landes. "Nach dem Sturz von Kaiser Haile Selassi 1974 wurde unter Mengistu Haile Mariam eine Diktatur installiert, unter der zahllose Menschen gefoltert, inhaftiert und mindestens 500.000 Menschen umgebracht wurden. Das betraf Kritiker des Systems, aber auch Christen und Muslime. Zahlreiche Kirchen und Moscheen wurden geschlossen oder umfunktioniert", sagt Meusel.

Während der Werdauer den Schicksalen von Opfern der Diktatur nachging, recherchierte Martin Böttger aus Zwickau und Leiter des Kingzentrums parallel in Stasiunterlagen nach der Zusammenarbeit der DDR mit dem Mengistu-Regime. Den Kontakt miteinander hielten die Männer per E-Mail aufrecht. Eine der gemachten Erkenntnisse: Die Wachtürme, die in den zahlreichen Gefängnissen errichtet wurden, waren baugleich mit denen, die entlang der Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten standen. "Nicht bestätigt hat sich das Gerücht, dass die Stasi auch vor Ort bei den Folterungen beteiligt war", sagt Meusel. Und noch eine Entdeckung machten beide Männer: Die Stasi leistete beim Aufbau der Geheimpolizei im Lande tatkräftige Unterstützung.

Infoveranstaltung: Am Samstag halten die beiden Männer im Kingzentrum einen Vortrag über ihre Recherchen. Beginn: 14 Uhr

 
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