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Katrin Wendler, Jörg Rosenbaum und Wilfried Kunz (v. l. n. r.) bestaunen die Exponate, die das Museum schon einmal zu seiner Eröffnung vor 100 Jahren zeigte.

Foto: Thomas Michel

Zum 100-Jährigen greift das Museum Werdau tief ins Archiv

Mit einer Sonderschau erinnert die Einrichtung an ihre Anfänge. Die Exponate sind auch am Sonntag zum Internationalen Museumstag zu sehen - sowie weitere Raritäten, die das Haus zu etwas Besonderem machen.

Von Uwe Mühlhausen
erschienen am 19.05.2017

Werdau. Man schreibt das Jahr 1916. Es sind nur noch wenige Tage bis Weihnachten. In Deutschland bestimmt der Erste Weltkrieg den Alltag der Menschen. So auch in Werdau. Die Bewohner in der westsächsischen Kleinstadt beschäftigt nur ein Gedanke: Wie bekomme ich zu Weihnachten die Familie satt, und woher nehme ich das Geld dafür?

Zu dem Zeitpunkt bewegt den weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Werdau hinaus bekannten Kunstliebhaber Franz Tetzner und den Textilfabrikanten Ernst Schmelzer ein ganz anderer Gedanke. Die beiden Männer, die sich seit der Schulzeit kennen und befreundet sind, suchen im ersten Stock eines alten Barockhauses nach einem geeigneten Platz zur Präsentation von Werken des Malers Ernst Eichler. Der Werdauer war wenige Jahre zuvor verstorben und hatte eine umfangreiche Sammlung an Kunstwerken hinterlassen. Mit der geplanten Ausstellung der Gemälde schufen Tetzner und Schmelzer zugleich den Grundstein für das Werdauer Museum. Die Einrichtung befindet sich noch heute im gleichen Gebäude wie einst. Erbaut wurde das Haus an der Holzstraße vor 225 Jahren und war Wohnhaus von Oberförster August Baumgarten. Noch heute ist es unter dem Namen Baumgartsches Haus bekannt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude Bestandteil des Fabrikkomplexes von Ernst Schmelzer. Die ehemalige Villa des Fabrikanten bildet heute mit dem Museum eine Einheit und beherbergt die Stadtbücherei.

Mit ihrer Idee, ein Museum zu eröffnen, wandten sich die beiden Initiatoren bereits vor der geplanten Eröffnung an die Werdauer Bürgerschaft und baten um die Bereitstellung von Leihgaben für die geplante Ausstellungen. Die Resonanz übertraf die Erwartungen. Aus dem geplanten einen Ausstellungsraum wurden vier Zimmer, jedes von ihnen einem thematischen Schwerpunkt zugeordnet.

Die Eröffnung des Museums erfolgte am 3. Januar 1917. Der Bürgermeister von Werdau besichtigte zusammen mit den Stadträten die neu geschaffenen Ausstellungsräume. Am darauffolgenden Tag blieb die Schau wieder geschlossen. Erst am 25. Mai 1917 fand die Wiedereröffnung des Hauses für die Bürgerschaft statt. Der Tag wurde bewusst gewählt: Am 25. Mai feierte der sächsische König Friedrich August III. seinen 52. Geburtstag. Warum zwischen den zwei Eröffnungsterminen gut fünf Monaten vergingen, ist unbekannt. "Vermutlich war es den winterlichen Verhältnissen und der Knappheit an Heizmaterialen mitten im Krieg geschuldet", sagt Hans-Jürgen Beier. Der promovierte Archäologe leitet seit 1993 das Museum.

Mehrfach wechselte die Einrichtung im Laufe ihrer Geschichte den Namen. Aus dem Stadtmuseum wurde das Kreismuseum und später das Heimatmuseum. Seit dem 25. Mai 1997 trägt es den Namen "Stadt- und Dampfmaschinenmuseum". Die Umbenennung erfolgte nicht zuletzt wegen einer alten Dampfmaschine, die seit 1959 zum Museum gehört und ihren Standort auf dem Gelände der Einrichtung hat. Der Koloss aus Stahl war bis 1941 fest in den Produktionsprozess der Streichgarn- und Vigognespinnerei Schmelzer integriert. Die Besonderheit der bis zu 600 PS starken Maschine: Sie war die erste ihrer Art in Deutschland, die den Dampf über eine Fernleitung bekam. Das Heizhaus stand hinter dem Fabrikgebäude. Heute befindet sich das Gebäude mit der noch immer funktionsfähigen Anlage im Garten des Museums. Rund um das technische Denkmal finden alljährlich im Herbst die "Werdauer Dampftage" statt.

Im Laufe der Jahre ist der Garten in ein technisches Freilichtmuseum umgestaltet worden. Heute werden auf dem Gelände unter anderem eine feuerlose Dampfspeicherlok, ein historischer Dampfhammer und eine Einzylinderdampfmaschine präsentiert. Herzstück des Freigeländes bildet eine Modellbahnanlage im Maßstab 1:20. Sie wurde 1981 übergeben und war zu dem Zeitpunkt die erste ihrer Art in der DDR. Noch immer wird rund um die Anlage jeweils im Juni das Gartenbahntreffen ausgetragen.

Neben der umfangreichen Sammlung an stadtgeschichtlichen Exponaten, die die mehr als 700-jährige Geschichte von Werdau widerspiegeln, nennt das Haus noch eine Rarität sein Eigentum: Das Museum besitzt die deutschlandweit größte Sammlung an Gegenständen aus "Fraureuther Porzellan". Erzeugnisse aus der Porzellanmanufaktur, die im Nachbarort ihrer Sitz hatte und 1926 Konkurs anmeldete, genossen einst Weltruf und sind noch heute begehrte Sammlerobjekte.

Aktuell zeigt das Haus eine Sonderausstellung mit Gegenständen, die das Museum schon einmal zur Eröffnung vor 100 Jahren präsentierte und sich noch immer im Besitz der Einrichtung befinden.

Internationaler Museumstag am 21. Mai: Weitere regionale Termine finden Sie im "Wohin"-Magazin von gestern.

 
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