Brücke hilft Wild auf die Sprünge

Weil sie die gewohnten Wege der Waldtiere im Hartmannsdorfer Forst zerschneidet, sorgt die Trassenführung der Ortsumfahrung Kirchberg bei Naturfreunden für Unmut. Eine Überführung soll das Problem lindern.

Hartmannsdorf.

Auf den ersten Blick wirkt die Brücke, die derzeit inmitten des Hartmannsdorfer Forstes als Bestandteil der Ortsumfahrung Kirchberg errichtet wird, völlig deplatziert. Frank Petzoldt, Leiter der Niederlassung Plauen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), klärt den Sachverhalt auf: "Es ist keine Brücke im herkömmlichen Sinn, die die Ortsumfahrung auf einer Länge von 79,5 Metern überspannt. Wir sprechen von einer Grünbrücke, allgemein auch Wildbrücke genannt. Sie gehört zu den landschaftsausgleichenden Maßnahmen im Rahmen des Baus der Ortsumfahrung."

Die einzige Aufgabe dieser Brücke besteht darin, die Biotope wieder miteinander zu verbinden und dem Wild eine Schneise anzubieten, die ihm den ungestörten Wechsel zwischen den geteilten Waldgebieten ermöglicht. Petzoldt, der nach eigenen Worten selbst gelegentlich zur Jagd geht, ist sich sicher, dass die Brücke schon nach kurzer Zeit angenommen wird. Das hätten auch Erfahrungen mit ähnlichen Projekten gezeigt. "Außerdem wird oftmals unterschätzt, wie pfiffig und geduldig unsere wild lebenden Tiere sind. Zwar nicht von heute auf morgen, aber auf Dauer wird sich dort ein kontinuierlicher Wildwechsel einstellen." Zudem erstreckt sich der Wirkungsbereich der Brücke nicht nur auf die knapp 80 Meter Querungsbreiten. Denn rechts und links der Brücke liegen große Bereiche mit steil abfallenden Hängen, die vom Reh- und Schwarzwild gemieden werden. Der jetzt noch recht unwirtlich wirkende Brückentorso wird sich nach seiner Begrünung weitaus harmonischer in die Landschaft einfügen.

Damit sich die Wildtiere dort eingewöhnen können und nicht unnötig gestört werden, sollten Spaziergänger die Wildbrücke meiden. Laut Petzoldt werden keine Verbotsschilder aufgestellt, vielmehr setze man auf die Vernunft der Menschen. "Ich bin mir fast sicher, dass die Grünbrücke im normalen Sprachgebrauch der Leute schon bald seine Bezeichnung als Tunnel erhalten wird. Mit einer Länge von 79,5 Metern handelt es sich aus technischer Sicht aber noch nicht um ein Tunnelbauwerk und muss von der Ausstattung her, sprich Beleuchtung, Belüftung, Rettungswege, auch nicht als Tunnel behandelt werden," so der Lasuv-Niederlassungsleiter. Der Bau der Brücke kostet rund 2,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die 254 Meter lange Brücke über den Leutersbacher Grund schlägt mit 5 Millionen Euro und Brücke über den Rödelbach, 179 Meter lang, mit 2,8 Millionen Euro Herstellungskosten zu Buche. Die Gesamtkosten der 8,5 Kilometer langen Ortsumfahrung Kirchberg belaufen sich auf 45,2 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist für das Dritte Quartal 2016 geplant.

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