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Die Ausstellung "Nach dem Bild ist vor dem Bild" zeigt vor allem Figürliches - von verschlossen bis offenherzig.

Foto: Ralph Koehler/propictureBild 1 / 4

Der Fischer und seine Frauenquote

Eine Ausstellung mit Bildern von 25 Künstlerinnen öffnet am Sonntag. Das ist nicht politisch gedacht - und dennoch alles andere als unpolitisch.

Von Sara Thiel
erschienen am 16.03.2018

Zwickau. Frauen sind anders. Es gibt kleine und große, blonde und dünne. Es gibt anstrengende, kluge, bequeme und charmante. Es gibtwelche, die nicht malen können. Und es gibt welche, die das hervorragend beherrschen. Frauen sind genau so anders wie Männer es sind. Allerdings werden Frauen anders wahrgenommen. Im Kunstbetrieb genauso wie in anderen Bereichen des Lebens. Doch im Kunstbetrieb kennt Klaus Fischer sich aus - und dort hat er eben eine kleine Revolution vorbereitet: Unter dem Titel "Nach dem Bild ist vor dem Bild" eröffnet am Sonntag bei den Freunden aktueller Kunst die erste von insgesamt drei Ausstellungen, die nahezu alle Künstlerinnen versammeln, die in Leipzig Rang und Namen haben. Ein vielfarbiges Porträt von 75 Frauen, die im Schatten zahlreicher Männer der oft so hoch gehandelten Neuen Leipziger Schule nicht ganz zum Glänzen kommen. Zum 20-jährigen Bestehen des in Zwickau ansässigen Kunstvereins, zum großen Stadtjubiläum und zur Freude der Betrachter hat Fischer deshalb mehr als 70Künstlerinnen besucht und zur Exposition eingeladen. Insgesamt füllen die Leipzigerinnen drei Ausstellungen -Nummer zwei und drei folgen im September und November. Die Nummer eins lebt zu großen Teilen vom Figürlichen, nur wenig Abstraktes ist zu sehen. Unter den Figuren befindet sich -womöglich - wiederum wenig Männliches. Aber das kann auch ein Trugschluss sein, denn natürlich fragt man (oder Frau) sich angesichts einer komplett weiblichen Ausstellung, ob diese Malereien denn auch das Feminine widerspiegeln. Es scheint so - sei es in der Körperlichkeit oder im Blick oder auch im Motiv. Oder gar in einer möglicherweise nur vermuteten Romantik hinter einem roten Mund. Es ist spannend, was das Zusammenspiel der Bilder mit der Intention der Ausstellung anrichtet.

Dabei - das betont Vereinsvorsitzender Klaus Fischer - hat die Ausstellung nicht den Anspruch, politisch zu sein. Auch wenn Gleichberechtigung, der Umgang mit Frauen das Thema der Zeit ist. Die Bilder sind nicht vordergründig politisch. Sie sind Bilder. Von Frauen. Für alle. Dass sie dabei aber Tiefe haben, mehr sind als dekorativ, das liegt daran, dass Frauen eben malen können. Auch wenn sie im Kunstbetrieb nicht selten untergehen. "Der ist von Männern dominiert - vom Galeristen bis zum Sammler", sagt Klaus Fischer. "Deswegen wollten wir die gängige Quote übererfüllen." Was dabei herausgekommen ist, ist das: "Wir zeigen, dass die Qualität bei Malerinnen genau so stimmt." Nur haben sie einen anderen Blick. Möglicherweise.

Eigentlich sollte man sich schon fragen: Sind Frauen wirklich so anders? Im Grunde malen sie ja auch mit Farben. Die Antwort muss jeder für sich selbst finden. Ein Blick in die Ausstellung mag dabei helfen. Zu sehen sind Bilder voller Kraft, voll Romantik und Poesie. Andere Werke verschließen sich zunächst, geben sich spröde oder ungewohnt offenherzig. Man kann den ersten Teil der Ausstellungstrilogie auch als einen Überblick über zeitgenössische Kunst aus Sachsen verstehen. Als einen sehr sehenswerten, der der neuen Galerie der Freunde aktueller Kunst an der Hauptstraße würdig ist. Und der die frisch eingerichteten Räume bis in jede einzelne Ecke erhellt.

Die Schau "Nach dem Bild ist vor dem Bild" wird am Sonntag, 11 Uhr in der Galerie an der Hauptstraße 60/62 eröffnet. Zu sehen sind die Gemälde dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 18 Uhr.

 
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