Ehrung für Dombaumeister

Michael Kühn hat das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Es war eine Überraschung - zumindest für ihn.

Zwickau.

Der Brief war kurz und erfreulich: Vor reichlich einer Woche erhielt Michael Kühn die Nachricht, dass Bundespräsident Joachim Gauck ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen hat. Heute fährt der Zwickauer Dombaumeister nach Dresden, um es aus den Händen von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich entgegenzunehmen. Michael Kühn ist nicht im eigentlichen Sinn ein Dombaumeister - dennoch ist er in dieser Funktion in der gesamten Stadt und darüber hinaus bekannt. Das verdankt er seinem seit Jahrzehnten währenden Engagement für die Marienkirche, das weit über die Sanierung der Bausubstanz hinausgeht. Dieser Eifer und sein Einsatz für den Denkmalschutz haben ihm jetzt auch die hohe Auszeichnung beschert. Vermutet er zumindest.

Gewusst, dass Stanislaw Tillich (CDU) ihn vorschlagen wird, hat er nicht. Allenfalls geahnt, denn nach seinem 70. Geburtstag häuften sich bei ihm Anfragen nach seinem Lebenslauf. Inzwischen ist ihm klar, dass die Staatskanzlei in Dresden mehr über seine Verdienste wissen wollte. Und sie erfuhr mehr: Neben der Oberbürgermeisterin unterstützten auch der Rotary-Club und der Förderverein der Bockwaer Matthäuskirche den Vorschlag.

Übrigens, als der 72-Jährige besagten Brief in den Händen hielt, habe er erst einmal dumm geguckt. Und dann in Dresden angerufen. Aber tatsächlich: Es war kein Scherz, die Einladung zur Übergabe heute Nachmittag ist echt. "Klar freue ich mich darüber", sagt er. Zumal diese Ehrung nicht allzu häufig an Menschen vom Bau geht. Dabei ist er ja nicht nur ein Mann vom Bau. Er hat sich auch um den Denkmalschutz verdient gemacht, ist öffentlich bestellter Sachverständiger für die Sanierung historischer Bauten und der Ziehvater von zahlreichen Experten. Obwohl er seit Jahren in Rente ist, findet man den gelernten Schlosser und studierten Ingenieurökonom, der in der Sektion Architektur promoviert hat, noch immer in seinem Büro. Doch statt mit 14 Angestellten erfüllt er die Räume allein mit Leben.

Zu tun hat er noch genug, sagt Kühn. Schließlich hat er noch keinen Nachfolger als Dombaumeister. "Ich würde sogar noch einen ausbilden." Doch dazu müsste er erst einmal einen geeigneten Abiturienten finden, den es nach seiner Ausbildung nicht in die Ferne zieht. "Dem würde ich in die Geheimnisse meines Faches einweihen", sagt Kühn. Heute aber ist nicht der Tag, über so etwas nachzudenken. Heute ist ein Tag zum Feiern.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...