Eine Wanderung zum höchsten Dach Zwickaus

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 26: eine Hütte in Südtirol.

Meran/Zwickau.

In den Ötztaler Alpen steht in 2989 Metern Höhe die Zwickauer Hütte. Die Zwickauer Sektion des Deutschen Alpenvereins hat dieses Schutzhaus für Wanderer 1899 errichtet. 1933 wurde es vermutlich von Schmugglern abgebrannt. 1960 baute die Sektion Meran des Italienischen Alpenvereins Zwickaus "Exklave" wieder auf. Eine Explosion zerstörte sie 1967 erneut. Der zweite Wiederaufbau erfolgte Anfang der 1980er-Jahre.

Die Hütte thront oberhalb des Ortes Pfelders (italienisch: Plan) im Meraner Land. Bei Wanderern ist sie deshalb auch als "Planfernerhütte" und unter der italienischen Bezeichnung "Rifugio Plan" bekannt. Mit dem Auto bin ich über den Brenner bis Sterzing in Südtirol gefahren. Weiter ging es über den Jaufenpass bis ins Passeiertal, wo die deutsche Nationalelf 2014 ihr Trainingslager vor der Fußball-WM in Brasilien absolviert hat. In der Gemeinde Moos, wozu Pfelders gehört, endete die etwa 730 Kilometer lange Anreise.

Das Wander- und Skigebiet Pfelders befindet sich im Naturpark Texelgruppe. In rund 1600 Metern Höhe beginnt der Aufstieg. An markanten Stellen des Weges 6A stehen Wegweiser mit der Aufschrift "Zwickauerhütte". Bis zur Schneidalm in gut 2200 Metern Höhe erklimmt man Wiesenhänge und überquert Gebirgsbäche. Nächstes Etappenziel ist ein gipfelähnlicher Geländevorsprung, wo ich das Haus erstmals erblickte. Von nun an windet sich der Weg in unzähligen Kehren den Bergrücken hinauf. An eine steinige Halde schließt sich eine Mulde mit Schneefeld an - gute Wanderschuhe sind unverzichtbar. Die von Juli bis September bewirtschaftete Hütte, in der schon Reinhold Messner verweilte, ist nur zu Fuß erreichbar. Lediglich eine Materialseilbahn verbindet sie mit Pfelders. Der anspruchsvolle Aufstieg birgt durchaus Risiken. Bekanntlich ereignete sich 2014 ein tragisches Unglück, als eine Zwickauer Delegation um Oberbürgermeisterin Pia Findeiß das 115-jährige Bestehen der Hütte feiern wollte. Baubürgermeister Rainer Dietrich brach in den Bergen mit Atemproblemen zusammen und verstarb trotz sofortiger Hilfe.

Mit schweren Beinen sind meine Begleitung und ich nach vier Stunden am Ziel angelangt. Unterwegs hatten wir Motivationsprobleme, doch der Weg war das Ziel. Der Lohn für die Mühen: ein traumhafter Alpenblick von der vielleicht schönsten Sonnenterrasse Südtirols. Zur Stärkung gab es Kakao und Kaiserschmarrn. Das Essen wurde auf Geschirr mit Zwickauer Wappenaufdruck serviert.

Dem Motto "Herzlichkeit ganz nah am Himmel" haben sich die Wirtsleute verschrieben - und das war keine Floskel. Sie begrüßten uns mit einem Schnaps in der gut beheizten, gemütlichen Gaststube. Schnell kamen wir mit ihnen und anderen Wanderern ins Gespräch. Der Blick ins Gästebuch zeigte, dass schon zahlreiche Zwickauer ihren Außenposten besucht haben. Souvenirs - vom Trabi-Kalender bis zum FSV-Wimpel - zieren die Wände.

Von der Hütte aus kann man die nächsten Ziele anvisieren. Der Weg 6A führt weiter zum 100 Minuten entfernten, fast 3500 Meter hohen Hinteren Seelenkogel an der italienisch-österreichischen Grenze. Fortgeschrittene erreichen auf dem Höhenwanderweg Nr. 44 in gut vier Stunden die 2014 von einer Lawine schwer beschädigte Stettiner Hütte.

Nach anderthalbstündigem Aufenthalt in der Gaststube habe ich mich auf den Rückweg begeben. Der Abstieg auf dem gleichen Pfad dauerte zwei Stunden und 40 Minuten. Ein Tipp: Auf der anderen Seite des Pfelderer Tals fährt eine Kabinenseilbahn in 2000 Meter Höhe. An der Bergstation beginnt ein Panoramasteig, der wunderschöne Blicke hinüber zur Zwickauer Hütte bietet.

www.zwickautopia.de

www.freiepresse.de/spuren

www.zwickauerhuette.eu

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