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Der Kreisparteitag wirft seine Schatten voraus.

Foto: Jens KalaeneBild 1 / 3

Es knirscht im Kreisverband

Wenn die Linkspartei am Samstag turnusmäßig einen neuen Vorstand wählt, könnte es für Kreischef Tröger eng werden. Einflussreiche Genossen wenden sich ab, ein Herausforderer steht bereit.

Von Michael Stellner
erschienen am 10.01.2018

Zwickau. Nach nur zwei Jahren könnte die Uhr für Sandro Tröger am Samstag ablaufen. Wenn sich die 636 Mitglieder der Partei Die Linke in der Glauchauer Sachsenlandhalle zum zehnten Kreisparteitag treffen, steht turnusmäßig die Wahl des Vorstands auf dem Programm. Der erst 2016 ins Amt gewählte 39-Jährige muss um die Wiederwahl bangen, viele in der Partei sind unzufrieden mit seiner Arbeit. Dazu passt, dass sich ein aussichtsreicher Gegenkandidat bereits in Stellung gebracht hat.

Tröger, der sich 2016 denkbar knapp mit 81 von 161 Stimmen gegen seinen damaligen Konkurrenten Sven Merbeth aus Chemnitz durchgesetzt hatte, bewertet seine Amtszeit als erfolgreich. "Die letzten zwei Jahre waren gute Jahre für den Kreisverband. Zahlreiche neue Akzente konnten gesetzt werden. Diese Arbeit will ich gern fortsetzen", sagt er. Die Präsenz in der Fläche sei gewachsen, finanziell habe man solide gewirtschaftet, logistisch und personell sei man gut aufgestellt. "Ich bin als Kreisvorsitzender Teil einer Mannschaft, die ich als Kapitän anführe", sagt Tröger. "Linke Politik ist immer eine Mannschaftsleistung."

Genau diese gute Führung aber sprechen ihm namhafte Genossen ab. Sein Vorgänger Andreas Salzwedel, der insgesamt 18 Jahre lang Kreisvorsitzender war - davon neun vor der Kreisfusion - macht Tröger für das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl mitverantwortlich. "Wir haben unser Wählerpotenzial nicht ausgeschöpft. Das lag auch am Vorsitzenden." Und weiter: "Gerade im Wahlkampf hat es an Führung gefehlt. Soweit ich weiß, hat die Projektgruppe Wahlen nur zweimal getagt. Das ist viel zu wenig", sagt Salzwedel. "Wenn Politik eine Mannschaftsleistung ist, dann hat der Vorsitzende die Mannschaft nicht richtig trainiert." Salzwedels Worte haben in der Partei noch immer Gewicht. Sie können für Tröger zur Hypothek werden.

Auch aus dem Zwickauer Stadtverband kommt ähnliche Kritik. "Was Sandro Tröger als Kreisvorsitzender abgeliefert hat, ist nicht, was ich mir vorstelle", sagt Stadtverbandschef Sven Wöhl. "Ich erwarte mehr Aktivität, gerade im Wahlkampf. Es reicht nicht, nur Aufgaben an Ortsverbände zu stellen. Man muss auch mal selber was auf die Beine stellen."

Der fehlende Rückhalt des Vorsitzenden könnte zur großen Chance für dessen Herausforderer werden. Auf dem Parteitag am Samstag tritt der Wahl-Leipziger Moritz Thielicke (27) gegen Tröger an. "Ich habe mich mit ihm unterhalten und unterstütze seine Kandidatur ausdrücklich", sagt Sven Wöhl. "Er ist jung, hoch intelligent und hat gute Ideen."

Thielicke ist nur auf den ersten Blick ein Kandidat von außerhalb, in Wahrheit hat er im Landkreis Zwickau politische Spuren hinterlassen. Bis 2013 war er Stadtrat in Limbach-Oberfrohna, stemmte sich dort gegen Übergriffe von Rechtsextremen, später engagierte er sich als Vorsitzender des Glauchauer Vereins "Kulturknall". Nachdem er aus beruflichen Gründen nach Leipzig ging, klagte ein Parteifreund aus Meerane: "Man spürt schon stark, dass er leider nicht mehr da ist." Thielicke selbst will sich zu seiner Kandidatur erst auf dem Parteitag äußern und nicht vorab in der Presse.

Beobachter glauben, das Rennen sei völlig offen. Die Zwickauer Fraktionschefin im Stadtrat Ute Brückner sagt: "Ich halte beide für sehr gute Kandidaten." Alles weitere sei intern. Die Linksjugend "Solid" will auch keine öffentliche Personal- debatte führen, hat sich aber bereits auf einen Favoriten festgelegt. Die Entscheidung sei aus rein inhaltlichen Gründen gefallen, betont Sprecher Michael Berger. Und fügt den aufschlussreichen Satz hinzu: "Während Sandro Tröger Erfahrung als Vorsitzender mitbringt, tritt Moritz Thielicke mit einem starken inhaltlichen Konzept an."

 
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