Gert Fröbe und das Luxushotel

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt Zwickau. "Freie Presse" veröffentlicht einige Berichte. Teil 22: das "Fontainebleau" in Florida.

Zwickau/Miami.

Luxus, Lifestyle und die Lust am Leben - dafür steht Miami im "Sunshine State" Florida. Zu den exklusivsten Adressen der Trend-Metropole zählt das Hotel "Fontainebleau" an der Collins Avenue 4441. Es bietet 1504 Zimmer in vier Gebäuden, elf Restaurants und Bars, Boutiquen, Spa- und Fitnessbereich, sechs Pools und direkten Zugang zum Miami Beach. Populäre Filme wurden hier gedreht, etwa "Bodyguard" (1992) mit Kevin Costner und Whitney Houston sowie "Goldfinger" (1964) mit dem Zwickauer Gert Fröbe.

Das "Fontainebleau" gilt als einer der bedeutendsten Bauten Floridas. Das 1954 eröffnete Hotel wurde vom aus Odessa stammenden Architekten Morris Lapidus entworfen, der als ein Macher des "American Dream" gilt. Frank Sinatra gab hier häufig Gastspiele vor ausverkauftem Haus. Noch heute drücken sich im Nachtclub "Liv" Musikgrößen wie Jason Derulo, Robin Schulz und Justin Bieber die Klinke in die Hand.

Die bogenförmige weiße Fassade des Zentralbaus ähnelt dem Gebäude, das die jüdischen Zwickauer Kaufhaus-Unternehmer Simon und Salman Schocken von Erich Mendelsohn in Chemnitz errichten ließen. In den 2000er-Jahren wurde das "Fontainebleau" für eine Milliarde Dollar modernisiert und erweitert. Sein Wahrzeichen ist seitdem der "Trésor"-Tower mit 37 Stockwerken. Zur Wiedereröffnung diente das Hotel als Laufsteg für die aufwendigste Dessou-Schau der Welt, die Victoria's Secret Fashion Show.

Die Miami-Szenen leiten "Goldfinger", den wohl besten aller Bond-Filme, mit ein. Nach dem Vorspann mit dem berühmten Song von Shirley Bassey fliegt die Kamera über den Hotelkomplex. Ein Flugzeug hat ein Spruchband im Schlepptau. Ein Wasserspringer wirbelt vom heute nicht mehr vorhandenen Turm in den Pool. Auric Goldfinger, beeindruckend gespielt vom massigen Mimen Gert Fröbe, schreitet im beigefarbenen Strand-Zweiteiler eine Wendeltreppe hinab. Beim betrügerischen Kartenspiel werden der Bond-Widersacher und seine Komplizin Jill Masterson (Shirley Eaton) von Agent 007 (Sean Connery) entlarvt.

Als Kindermörder Schrott im Kriminalfilm "Es geschah am hellichten Tag", in dem sich Fröbe ein famoses Duell mit Ermittler Matthäi alias Heinz Rühmann liefert, hatte der Planitzer die Bond-Produzenten beeindruckt. Die Rolle des Goldfinger, der als Weltfeind Nummer eins das Verbrechen des Jahrtausends plant, machte ihn rund um den Globus bekannt. Guy Hamilton, der Regisseur des Bond-Klassikers, ist übrigens im April auf Mallorca gestorben.

Zwischen Filmvorder- und hintergrund sticht ein Schärfenunterschied hervor. Die Internetseite "Florida Filming Locations" verrät, warum das so ist: Zwar wurden die Großaufnahmen des Hotels in Miami gedreht, die konkreten Spielszenen mit Fröbe und Connery jedoch in den Londoner Pinewood-Studios. Die Bond-Macher bauten dort das "Fontainebleau"-Ambiente akribisch nach, legten das Filmmaterial übereinander und erzeugten somit eine Illusion - den schönen Schein von Miami Beach. Sean Connery habe zum Zeitpunkt der Aufnahmen am Original-Schauplatz im Januar 1964 noch nicht zur Verfügung gestanden. Sowohl er als auch Gert Fröbe dürften also im Rahmen der Dreharbeiten nie in Miami gewesen sein.

Der Kino-Knüller ging in das Guinnessbuch der Rekorde ein, da er seine Kosten in Windeseile einspielte. Jedoch setzte Israel diesen und andere Fröbe-Filme vorübergehend auf den Index, da er von 1929 bis 1937 NSDAP-Mitglied war. Laut "Spiegel" (Nr. 9/1966) hatte der redselige Schauspieler in einem Interview mit der britischen "Daily Mail" auf die Frage, ob er Nazi gewesen sei, geantwortet: "Ich lebte in Zwickau, einer sächsischen Kohlenminen-Stadt, als Hitler an die Macht kam. Die Verhältnisse waren so schlecht, dass die importierte englische Kohle billiger war als unsere. Ich wurde ein Nazi, weil ich glaubte, Hitler könne eine Lösung bringen." Die Zeitung überschrieb das Interview sensationslüstern mit dem Zitat "Of course I was a Nazi!" ("Natürlich war ich Nazi"). Das Unheil nahm seinen Lauf. Erst als die einst verfolgte jüdische Wiener Familie Blumenau erklärte, dass Fröbe ihr mit Wohnung und Lebensmittelkarten geholfen habe, gab Israel die Filme wieder frei.

Im Original von "Goldfinger" wurde die Stimme des Westsachsen - trotz Englisch-Nachhilfe - nachsynchronisiert. "Ein unverständliches Zeug" habe Fröbe geredet, erinnerte sich seine amüsierte Filmpartnerin Honor Blackman ("Pussy Galore") in der ARD-Reihe "Legenden" (2010). Sie habe nicht ein Wort verstanden. www.zwickautopia.de

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