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Während hinter der Fassade gearbeitet wird, setzt sich der Streit um die Architekten-Kündigung fort.

Foto: Andreas Wohland/Archiv

Gewandhaus: Streit ums Honorar

Der geschasste Architekt läutet durch ein Anwaltsschreiben die nächste Runde in der Auseinandersetzung mit der Stadt ein.

Von Michael Stellner
erschienen am 15.11.2017

Zwickau. Der ehemalige Gewandhaus-Architekt Sebastian Thaut will seine Ansprüche wie angekündigt juristisch klären lassen. In einem an die Stadtverwaltung und alle Stadträte versandten Anwaltsschreiben erhebt Thaut Forderungen von mehr als 500.000 Euro. Die Summe ergebe sich aus bereits erbrachten Leistungen sowie offenen Forderungen von Nachunternehmern. Zudem widerspricht er der Darstellung aus dem Rathaus, die Kündigung sei unausweichlich gewesen, und appelliert an die Verwaltung, von angeblich rufschädigenden Stellungnahmen künftig abzusehen.

Gemeint sind damit Äußerungen aus dem Rathaus, die dem Architekturbüro mehr oder weniger direkt unterstellen, überfordert gewesen zu sein. Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) hatte den Architekten am 22. September mit sofortiger Wirkung seiner Aufgaben entbunden. Als Gründe nannte sie unter anderem unüberbrückbare Differenzen in Hinsicht auf die Aufgaben, die der Architekt zu vollbringen habe. So seien Bauzeitverlängerungen entstanden.

Thaut hingegen argumentiert, dass die Stadt selbst Schuld an gewissen Verzögerungen gewesen sei. So sei gegen den Willen des Architekturbüros der Baubeginn um ein halbes Jahr vorgezogen worden, bestimmte Vergabe-Entscheidungen hätten Terminverzögerungen verschuldet. Außerdem habe die Stadt versäumt, zusätzlich ermittelte Baukostenrisiken in Höhe von 700.000Euro ins 14,2 Millionen Euro teure Projekt einzurechnen. Und ganz allgemein zieht das Papier die Rollen des Hochbauamtsleiters und des Projektsteuerers in Zweifel. Letzteres hatten zuvor auch schon Stadträte getan.

Thauts Anwältin betont, dass vor der Kündigung kein mehrheitlicher Stadtratsbeschluss eingeholt worden sei. Dass das nötig gewesen wäre, glauben nicht einmal Stadträte, die dem Vorgang kritisch gegenüberstehen. "Aber von meinem Gefühl her wäre es schon logisch gewesen, uns vorher zu befragen", sagt ein Mitglied des derzeit tagenden Sonderausschusses zum Gewandhaus. Zweimal ist bisher seit Monatsbeginn der Akteneinsichtsausschuss zusammengetreten. Bis zur Vorstellung der Ergebnisse, die spätestens im Februar erwartet wird, soll nichts nach außen dringen. Die Teilnehmer mussten Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen. "Die Zusammenarbeit ist bisher konstruktiv, die Stimmung positiv", sagt ein Mitglied. Ein anderes bestätigt das, schränkt aber ein: "Noch ist es zu früh, um sagen zu können, ob wir wirklich alle Unterlagen einsehen können, die wir benötigen." Auf den Anwaltsbrief des Architekten reagiert man im Ausschuss irritiert. Man sei doch gerade dabei, den Vorgang zu prüfen, heißt es vonseiten der Mitglieder. Das Gremium will ermitteln, ob die Kündigung des Architekten tatsächlich Schaden abgewendet oder möglicherweise sogar zusätzlichen verursacht hat.

Währenddessen setzt die Stadt den Bau am Gewandhaus im Rahmen ihrer Möglichkeiten fort. Bereits für morgen ist eine Medienrunde auf der Baustelle anberaumt.

 
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