Glück-Auf-Schwimmhalle: Erste Mängel am 15-Millionen-Euro-Bau

Vier Jahre nach Eröffnung der Glück-Auf-Schwimmhalle machen sich Probleme bemerkbar. Liegt es an normaler Abnutzung oder schlampiger Ausführung?

Zwickau.

Wer regelmäßig in der Zwickauer Glück-Auf-Schwimmhalle im Stadtteil Schedewitz ins Wasser springt, hat längst bemerkt, dass nicht immer alles funktioniert. Manchmal leuchten nachts nicht mehr alle Buchstaben des Schriftzuges an der Fassade, manchmal sind einzelne Duschen unbenutzbar, im Eingangsbereich liegt teils neues Granulat, das optisch so rein überhaupt nicht zum alten daneben passt. Außerdem wurden erst im Sommer auf den Fliesen in der Halle rutschsichere Streifen aufgebracht, damit Badbesucher einen besseren Stand haben.

Alles Kleinigkeiten? Vielleicht, aber in ihrer Summe durchaus merkwürdig viele Kleinigkeiten, findet Tristan Drechsel (Bürger für Zwickau). Der Stadtrat, der selbst aus der Baubranche kommt, wundert sich: "Wir haben als Stadt sehr viel Geld in die Schwimmhalle hinein gesteckt. Da kann man eigentlich erwarten, dass alles ein bisschen länger hält als nur vier Jahre." Knapp 15 Millionen Euro ließ sich die Stadt die 2013 eröffnete neue Schwimmhalle kosten.

Das Rathaus macht jedenfalls keine außergewöhnlichen Probleme aus. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) antwortet auf eine entsprechende Anfrage Drechsels: "Dass nach vierjährigem intensiven Badbetrieb diverse Mängel auftreten, ist normal." Der Schriftzug und die Duschen seien repariert worden, die rutschfesten Streifen auf den Fliesen sollen ab jetzt vier Jahre halten, vielleicht auch länger. Für das abweichende Granulat gibt es eine erstaunliche Antwort: Es handle sich um ein- und denselben Glassplitt, nur dass er noch nicht nachgedunkelt ist. "Das neu verlegte Material unterscheidet sich optisch momentan lediglich dadurch, dass noch keine Patina durch Verschmutzungen angenommen wurde", so Findeiß. "Der Unterschied verschwindet mit der Zeit." Man habe es austauschen müssen, weil so viele Badbesucher darüber gelaufen sind, dass sich die Oberfläche gelöst hat.

Drechsel, der normalerweise jede Woche in der Halle schwimmen geht, hält gerade das aber nicht für normal. "Die Stadt bemüht sich aus meiner Sicht, Fehler wegzuerklären", sagt er. Wieso müsse man in einer neuen Halle die Rutschfestigkeit erhöhen? Sind dort beim Bau oder der Wartung Fehler gemacht worden? Und hätte man nicht vorher wissen müssen, wo Besucher lang laufen und welches Material sich dort als Belag eignet? "Die Stadt argumentiert nach dem Motto: Wäre niemand ins Bad gegangen, dann wäre alles noch schön", kritisiert Drechsel. Außerdem will er nicht glauben, dass es sich tatsächlich um das Originalgranulat handeln soll.

Seit der Eröffnung haben weitaus mehr als 300.000 Gäste das Bad genutzt. Auch wenn die jährlichen Besucherzahlen zurückgegangen sind - von 97.026 im Jahr 2014 auf 73.464 im Jahr 2016 - liegt die Halle mit 200 Besuchern am Tag deutlich über der ursprünglichen Prognose von 165 täglichen Nutzern.

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