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Dieser Post trat eine Debatte auf Facebook los.

Foto: Bildschirmfoto "Freie Presse"

Hetze gegen Zwickauer Friseursalon

Seit Monatsanfang arbeitet ein Syrer in einer Klier-Filiale. Ein Aushang für Kunden löste jetzt jedoch einen bundesweiten Shitstorm aus - mit Folgen für die Mitarbeiter.

erschienen am 17.07.2017

Zwickau. Die missverständliche Formulierung einer Mitarbeiterin im Zwickauer Friseursalon Klier hat am Montag bundesweit riesige Wellen geschlagen. "Welt", "Spiegel", "Berliner Morgenpost" und zahlreiche andere Medien berichteten von einer beispiellosen Internethetze am Wochenende.

Was war passiert? In der Vorwoche hatte eine Mitarbeiterin in der Klier-Filiale in den Zwickauer Arcaden die Kundschaft mit einem Schreiben informiert, dass aus Personalgründen ab 16 Uhr keine weiblichen Kunden mehr bedient werden können. "In diesem Zeitraum haben wir einen syrischen Herrenfriseur im Salon, der ausschließlich nur Herren bedient", hieß es. Nachdem ein Foto dieses Aushangs in den sozialen Medien auftauchte, überschlugen sich hass- und neiderfüllte Nachrichten. Ein Chemnitzer drohte gar, mit einem Schlagstock vorbeikommen zu wollen.

Rüdiger Schmitt, Sprecher des Unternehmens, zeigte sich am Montag fassungslos: "Ein Wort war offenbar zu viel. Wenn dort von einem österreichischen Friseur die Rede gewesen wäre, würden wir wohl jetzt nicht miteinander telefonieren", sagte er zur "Freien Presse". Die Unternehmensführung bedauere das Missverständnis. Es sei nie beabsichtigt gewesen, dass sich manche Frau vielleicht ausgesperrt fühlte. Schmitt zufolge ist der Syrer seit 1. Juli als vierter Mitarbeiter in der Filiale angestellt. Er habe eine Ausbildung als Herrenfriseur. Und 70 Prozent der Kundschaft in der Zwickauer Filiale seien Männer.

Im Internet wetterten erboste Schreiber, der Syrer würde deutschen Kollegen den Job wegnehmen, die Firma sich womöglich noch eine goldene Nase damit verdienen. Schmitt zufolge sei alles üble Nachrede: Der Mann verdiene wie jeder andere 8,84 Euro in der Stunde. Klier bekomme für dessen Einstellung keinen Cent zugeschossen.

In der Urlaubszeit suche man häufig Fachpersonal, um die vielerorts in großen Einkaufszentren vorgeschriebenen Öffnungszeiten aufrecht erhalten zu können. "Wir stellen jedes Jahr rund 800 Azubis ein, um unser eigenes Fachpersonal auszubilden", sagt Schmitt. In der Branche herrsche eine hohe Fluktuation. Viele junge Mitarbeiterinnen ziehen oft dorthin, wo ihre Männer Arbeit finden, oder fallen aus, weil sie Kinder bekommen.

Laut Schmitt hat das Unternehmen mittlerweile Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um die verängstigten Mitarbeiter in Zwickau zu schützen. Der Syrer sei nach wie vor für Klier tätig. "Der macht einen guten Job, sonst wäre er nicht bei uns", sagte Schmitt. Und Frauen können jetzt in der Zwickauer Filiale auch wieder nach 16 Uhr bedient werden, weil eine entsprechende Fachkraft vor Ort ist, sagte Schmitt.

Friseur Klier ist ein bundesweit tätiges Familienunternehmen. Erst kürzlich hatten mehrere Zeitungen über einen syrischen Mitarbeiter anderenorts berichteten, der seit geraumer Zeit bei Klier tätig ist. "Da hieß es, das sei ein Beispiel für gelungene Integration", sagte Schmitt.

 
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Kommentare
13
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 19.07.2017
    19:49 Uhr

    1953866: @cn3boj00, "Es sei nie beabsichtigt gewesen, dass sich manche Frau vielleicht ausgesperrt fühlte. " Wie kommen Sie darauf, dass es sich um "die gleichen Leute pfeifen dann Herrn Maas aus" handelt? Hier waren wohl alle möglichen Richtungen, Stichwort u. a. Feminismus vertreten. Übrigens Maas, dazu habe ich, aber auch Leute die eher links orientiert sind, eine wenig schmeichelhafte Meinung zu diesem "Demokraten".

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  • 19.07.2017
    09:59 Uhr

    cn3boj00: Es ist einfach nur peinlich und traurig welchen Mist da die Leute im Internet schreiben. Und die gleichen Leute pfeifen dann Herrn Maas aus und glauben ihr Geschmiere sei Meinungsfreiheit. Und das gilt für das ganze Deutschland, aber für Sachsen und den Osten auch besonders.

    9 5
     
  • 18.07.2017
    14:37 Uhr

    Chiemsee: Da hat eine Mitarbeiterin von Klier versucht, mit wenigen Worten eine vorübergehende Situation zu beschreiben und zu erklären. Das ging aufgrund ihrer unbedachten Wortwahl gehörig schief. Und dabei hat sie mit Sicherheit auch nicht an das AGG und seine möglichen Folgen gedacht. Nennen wir's doch einfach wie es ist: dumm gelaufen!
    Schlimm finde ich aber, dass die- oder derjenige, der dass ins Netz gestellt hat, nicht mal kurz in den Laden gegangen ist und nachgehakt hat. Man stand ja wohl davor! Schade auch, dass die Mitarbeiterin in dieser Situation von ihrer Zentrale nicht entsprechend unterstützt wurde. Schließlich birgt alles was mit Flüchtlingen, Asyl usw zu tun hat enormes Hasspotential und benötigt Fingerspitzengefühl. Ich habe es auch einfach satt, diese zT. saudummen Kommentare zu lesen und hoffe, dass sich die Leser der FP nicht auf dieses Niveau begeben!

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  • 18.07.2017
    12:36 Uhr

    norbertfiedler: @1953866
    "Wenn dort von einem österreichischen Friseur die Rede gewesen wäre,..."
    Dann hätte es wohl einen nicht minder großen Shitstorm von anderer Seite gegeben. Dem Österreicher wäre Gynophobie und Misogynie vorgeworfen worden. Die mediale Aufmerksamkeit hätte sich gegen den Frisiersalon gerichtet. Irgendeine Frauenbeauftragte hätte Klage wegen Verstosses gegen das AGG eingereicht und selbsternannente Rächer der FeministInnen ...

    4 4
     
  • 18.07.2017
    12:33 Uhr

    Freigeist14: Peinlich vor allem,wenn sich westdeutsch dominierte Medien auf diese"Story" stürzen und skandalisieren.Auf "die Sachsen" mit dem Finger zeigen und sich dabei besser fühlen ist das tägliche Geschäft der ehemaligen Qualitätsmedien vom "Stern "bis "Spiegel".

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