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Illegale Feuerwerke nerven viele Westsachsen

Das Krachen und Leuchten am Himmel wird oft als Störung empfunden. Dabei sind die wenigsten Raketen genehmigt.

Von Frank Dörfelt
erschienen am 21.10.2017

Zwickau. Die Bewohner des Landkreises Zwickau lassen es immer öfter richtig krachen. Von der Geburt über den Schulanfang und die Konfirmation bis zur Hochzeit finden die Westsachsen reichlich Anlässe, um als Höhepunkt einer Feier ein Feuerwerk samt seiner knallenden Nebeneffekte abzubrennen. In den vergangenen 22 Monaten genehmigten die Ordnungsämter im Landkreis rund 360 Anträge auf Ausnahmen vom Sprengstoffgesetz. Gekracht hat es am Himmel aber deutlich öfter, weil viele Hobbyfeuerwerker den Antrag entweder aus Unkenntnis oder Scheu vor der Bürokratie gar nicht erst stellen. Wie viele ungenehmigte Raketen gezündet wurden, kann niemand sagen. Die Städte und Gemeinden registrieren diese nur, wenn eine Anzeige oder zumindest eine Beschwerde eingeht. Fest steht: Die Zahl illegaler Feuerwerke nimmt zu, wie eine Umfrage unter den Kommunen zeigte.

Vor Kurzem hatte Bernd Tröger aus der Webersiedlung im Callenberger Ortsteil Reichenbach seinem Ärger Luft gemacht. "Es vergeht kein Wochenende, an dem nicht irgendwo in der Umgebung ein Feuerwerk abgeht", sagte er. Dabei stört ihn weniger der Leuchteffekt am Himmel als vielmehr die Knallerei, die ihn regelmäßig aus dem Schlaf reißt. Auch die Lichtensteinerin Brigitte Jakobi hat ihre Probleme mit den Freudenfesten, die auch in der Umgebung immer häufiger stattfinden. Sie sorgt sich um die Tiere. "Unsere Katzen verstecken sich aus Angst in irgendeinem entfernten Winkel", sagte sie. Noch schlimmer jedoch trifft es ihren Collie. "Für die Silvesternacht lasse ich ihm vom Tierarzt ein Beruhigungsmittel verabreichen", sagte sie. Der Hund habe panische Angst vor jeder Art von Knallerei. "Er dreht regelrecht durch, wenn ein Feuerwerk losgeht, von dem wir vorher nichts wissen", sagte sie.

Die Verursacher sind für die Behörden kaum zu ermitteln. "Das liegt an der kurzen Dauer", sagte Bettina Seidel, Pressesprecherin der Stadt Glauchau. Bevor das Ordnungsamt vor Ort ist, ist die Knallerei schon wieder vorbei. "Hierzu benötigen wir die Hilfe von Nachbarn und Zeugen." Ein Fall gelangte in Glauchau 2017 zur Anzeige, in Lichtenstein wurden zwei Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Gern werden Feuerwerke auch bei Feiern in Gaststätten gezündet. "Ich kenne das Problem", sagte ein Gastwirt, der ungenannt bleiben will. Er weist seine Gäste zwar auf die Genehmigungspflicht hin, lässt sie dann jedoch gewähren. "Würde ich es verbieten, würde ich bald keine Gesellschaften mehr bewirten können." Daher schweigt er, ebenso wie seine Kollegen, auch gegenüber den Behörden.

Grundsätzlich sind Feuerwerke, mit Ausnahme der Silvesternacht, genehmigungspflichtig. Bis 22 Uhr müssen sie abgebrannt sein. Unter anderem in Zwickau und Glauchau gilt eine "Bannmeile" um Altenheime und Krankenhäuser. In der Kreisstadt ist ein Feuerwerk zudem auf zehn Minuten Dauer begrenzt. Auch ab der Waldbrandstufe 4 dürfen keine Feuerwerke mehr gezündet werden. Die Stadt Lichtenstein setzt das Bundesgesetz knallhart um: "In der Stadt werden keine Feuerwerke zugelassen", sagte der stellvertretende Fachbereichsleiter Ulf Thomas. Auch in der Stadt Zwickau lässt man nicht jeden Anlass gelten. "Anträge bei Schulanfang, Jugendweihe oder Kindergeburtstag werden abgelehnt", sagte Pressesprecher Mathias Merz. Um der inflationären Himmelsbeleuchtung Einhalt zu gebieten, reagieren inzwischen auch andere Kommunen. In Wilkau-Haßlau, Glauchau und Crimmitschau will man über neue Richtlinien nachdenken. In Reinsdorf ist man einen Schritt weiter: "Eine Verschärfung der Regelung wurde bereits besprochen, ist jedoch noch nicht explizit geplant", sagte Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos).

 
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