Jagd mit Hunden: Waschbären greifen tierische Helfer an

Die Tiere verbreiten sich in Westsachsen stark. Sie leben in Laubwäldern ebenso gern wie in Industriebrachen. Doch was tun?

Zwickau.

Waschbären erschließen im Landkreis Zwickau immer neue Lebensräume für sich. Sie verlieren zunehmend ihre Scheu und quartieren sich auch in Städten ein, solange das Nahrungsangebot stimmt und sie Schlaf- und Ruheplätze finden. Wie viele Waschbären Westsachsen bevölkern, kann aber niemand genau sagen. Nach Angaben des Vorsitzenden der Jagdregion Zwickau, Dirk Thomas, haben sie vor allem Gebiete entlang der Zwickauer Mulde mit einem dichten Bestand an großen Laubbäumen für sich entdeckt. "Dort können sie sich gut verstecken", sagt er.

Die Tarnung und das nachtaktive Wesen sind zwei der Gründe, weshalb auch die untere Naturschutzbehörde keine Zahlen über hier lebende Tiere nennen kann. Die deutliche Vermehrung kann nur anhand von Indizien registriert werden. "Die Behörde orientiert sich hauptsächlich an der wachsenden Zahl von Hinweisen von Anwohnern und steigenden Abschusszahlen", sagt Pressesprecherin Ilona Schilk. Auf jeden Fall habe sich der Waschbär in der Region inzwischen flächendeckend ausgebreitet.

Tatsächlich werden im Landkreis immer mehr Waschbären durch Jäger erlegt. Im Jagdjahr, das Ende März 2014 endete, waren es 63 Tiere, im letzten Jagdjahr war deren Zahl auf 170 gestiegen. Sachsenweit wurden in diesem Zeitraum 11.191 Waschbären geschossen. "Sie haben sich derart vermehrt, dass sie bejagt werden müssen", sagt Dirk Thomas. Allerdings warnt er davor, den Jägern allein die Verantwortung zu überlassen. "Wenn wir nachts auf Waschbären schießen und es entsprechend knallt, verschrecken wir gleichzeitig die Tiere, die wir eigentlich zu bejagen haben", sagte er. Dabei können sich die Jäger über zusätzliche Aufträge derzeit nicht beklagen. In zunehmendem Maße würden er und seine Kollegen von Privatpersonen gebeten, sich ihres Problembären anzunehmen, erklärte Thomas. Eine Alternative zum Schießen ist eine Lebendfalle. Das allerdings ist aufwendig, weil diese zweimal am Tag kontrolliert werden muss. Wurde ein Tier gefangen, haben selbst Jäger ein Problem: "Ich muss es ja töten", sagt Thomas. "Wenn dich das putzige Tier dann ansieht, wird es schwierig damit." Ein weiterer Nachteil: Weder das Fell noch das Fleisch lassen sich verarbeiten.

Waschbären bevorzugen inzwischen durchaus auch Industriebrachen. Das ehemalige Kraftwerk der Papierfabrik Fährbrücke in Langenweißbach scheint für sie eine ideale Wohnung darzustellen. "Sie haben sich vor allem in den Gängen eingenistet", sagt Dirk Thomas. Inzwischen wissen sie, ihr Reich auch gegen Hunde zu verteidigen. "Die Jagd mit Hunden ist sehr gefährlich", sagt der Jäger. "Die Familienverbände der Waschbären greifen die Hunde regelrecht an. Es gab da schon schwer verletzte und sogar getötete Hunde", sagte Thomas.


Der Große unter Kleinbären

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist der ursprünglich aus Nordamerika stammende Waschbär auf dem europäischen Festland, dem Kaukasus und in Japan vertreten, nachdem er aus Gehegen entkommen war oder aus- gesetzt wurde. Mit einer Körperlänge zwischen 41 und 71 Zentimetern und einem Gewicht zwischen 3,6 und 9 Kilogramm ist er der größte Vertreter unter den Kleinbären. Der Allesfresser verschmäht auch Kleintiere nicht, ist aber sonst nicht wählerisch beim Futter. Das holt sich das anpassungsfähige Tier inzwischen verstärkt aus den Essensabfällen, die Menschen auf Komposthäufen und in Mülltonnen entsorgen. (nkd)

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