Kunst, Kinder, Liebe und Tod

Ein Einpersonenstück über Clara Schumann hat am Samstag im Schumannhaus Uraufführung gefeiert.

Zwickau.

Ein kleines Schreibpult, ein Tintenfass mit Federkiel, eine Schmuckschatulle, ein Sessel. Viel mehr brauchte es am Samstagabend nicht als Requisiten für das Einpersonenstück "Clara in Nöten", von und mit Christine Adler, das im randvollen Saal des Schumannhauses pünktlich zum 195. Geburtstag von Clara Schumann geb. Wieck seine Uraufführung feierte.

Ein Stück, das die 1896 im Alter von 76 Jahren verstorbene Künstlerin auch dem weniger eingeweihten Musikfreund fassbarer, facettenreicher nahebrachte. Sie war eben mehr als die Frau an der Seite Robert Schumanns - und das mit voller Absicht: "Ich wollte nie das Eheweib sein, das Kunst nur im kleinsten Kreis treibt - was Robert durchaus gefallen hätte." Diesen wohl zutreffenden Kernsatz legt Christine Adler der von ihr durchaus überzeugend verkörperten Clara in den Mund. Zugleich wird im Verlauf des Programms deutlich: Wenn man es umfassend betrachtet, hat Robert Schumann in Clara Wiecks Leben zwar eine Hauptrolle gespielt, eine tragende, wichtige, sicher, aber eben eine von vielen Hauptrollen. Und diesem Umstand wird Christine Adler, durchaus gerecht: Acht Kinder können im Leben einer Mutter einfach nicht unter ferner liefen abgehandelt werden, Schülerinnen, Weggefährten, und ja, es hat andere Männer in ihrem Leben nach Robert gegeben - Johannes Brahms, Theodor Kirchner - Details bleiben ausgespart, wie sie es bei der "echten" Clara wohl auch geblieben wären. Sie sind ja auch nicht überliefert. Es formt sich das Bild einer Frau, deren Höhen und Tiefen - vier ihrer Kinder starben vor ihr! - für mehrere Leben gereicht hätten. Sie resümiert es so: "Kunst, Kinder, Liebe und Tod".

Auch wenn zweimal siebzig Minuten, die das Stück inklusive der beachtlichen pianistischen Darbietungen von Dieter Nawroth dauert, hart an die Grenze der Aufnahmefähigkeit des Publikums gehen - einfache Sätze und die bemerkenswerte Klarheit, Deutlichkeit und Akzentuiertheit der Sprache sowie Aussprache macht es dem Zuhörer leicht, der Solo-Akteurin zu folgen.

Das erlebt man selbst bei Profi-Schauspielern nicht immer. Anders als diese jedoch hatte Christine Adler ihren Text zwar auswendig gelernt,aber half sich gelegentlich - immerhin wie frei gesprochen - mit wie zufällig zur Hand genommenen Papieren oder einem in die Rückseite einer Spiegel-Attrappe eingelassenen, fürs Publikum unsichtbaren Tablet-Computer. Insofern trifft es die Bezeichnung "szenische Lesung" noch eher. Die wurde bereichert von umfangreichem, synchron zum Erzählten auf die Rückwand projiziertem Bildmaterial, das dank zurückhaltender Beleuchtung gut zu erkennen war. Etwas zu wünschen übrig ließ die Tonqualität der eingespielten Zitate etwa von Robert - und auch die mobile Mikrofonanlage, über die die hinteren Reihen versorgt werden sollten, funktionierte nicht immer reibungslos. Aber das sind im wahrsten Sinn des Wortes Fragen der Feinjustierung.

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