Ministerpräsident auf Visite

Stanislaw Tillich war gestern zu Besuch im Virchow-Klinikum in Glauchau. Ein Rundgang mit Baby im Arm, Damensportgruppen - und ernsten Fragen.

+Glauchau.

Im Glauchauer Klinikum kennt jeder Roland Knöfler. Aber bis in die sächsische Staatskanzlei hat sich der Geschäftsführer des Virchow-Klinikums noch nicht herumgesprochen. Als Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich gestern um 13.15 Uhr aus der schwarzen Limousine steigt, wird Knöfler dem Gast von der Landtagsabgeordneten Ines Springer (CDU) vorgestellt: "Er hat die Klinik beispielhaft vorangebracht", sagt Springer. Danach übernimmt Knöfler die Choreografie dieses Nachmittages.

Der Ministerpräsident informiert sich an diesem Tag über die medizinische Versorgung im Landkreis Zwickau und im Vogtland - so der offizielle Besuchshintergrund. Das heißt in der Praxis erst einmal, viel zuhören und Hände schütteln. Und das unter sportlichen Bedingungen. In den nächsten 45 Minuten wird der Landesvater vom Geschäftsführer durch den Klinik-Komplex geführt, gefolgt von einem Tross mit Pressestab, Referenten, Bürgermeister, Reportern und Leibwächtern. Knöfler erzählt zur Klinikgeschichte, Tillich fragt gelegentlich nach, Patienten und Passanten drehen sich nach der Karawane um. In der Cafeteria steckt ein älteres Paar die Köpfe zusammen: "Das ist doch ... is' er das nicht?" In der Schwimmhalle des Krankenhauses winkt Tillich vom Beckenrand den älteren Damen im Wasser zu, die sich sichtlich über den unerwarteten Besucher freuen. Ein Krankenhaus mit Schwimm- und Turnhalle, das habe er auch noch nicht gesehen, sagt Tillich. Auf der Geburtenstation erkundigt er sich nach dem Wohl von Franziska Pewert und ihrem am Vortag zur Welt gebrachten Sohn Ben. "Alles wunderbar", sagt die junge Mutter. Viele Treppenstufen und rund zwei Klinik-Kilometer später sitzt Tillich mit Knöfler und weiteren Klinikmitarbeitern am runden Tisch. "Ein paar essentielle Probleme würde ich schon noch gerne ansprechen", sagt Roland Knöfler. Die öffentliche Wahrnehmung der Krankenhäuser sei katastrophal, obwohl gute Arbeit geleistet werde. Außerdem fallen die Schlagworte "Bürokratie" und "Ärztemangel".

Bei den Fachärzten sei die Situation vor einigen Jahren noch schwieriger gewesen, sagt Chefarzt Jörg Bretschneider. Man stehe gut da. Probleme gebe es unter anderem im Bereich Psychiatrie. Aber auch der Pflegeberuf müsse attraktiver werden. Bretschneider: "Das ist heute ein hochtechnologisierter Beruf." Die Bewerberzahlen, auch in der Ausbildung, sehen nicht gut aus. Tillich nickt, das Problem hört er nicht zum ersten Mal. Kritisch äußert sich Knöfler auch zu der Landarztquote bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen. Demnach können sich angehende Mediziner auf bis zu zehn Jahre verpflichten, als Allgemeinärzte in unterversorgten ländlichen Regionen zu arbeiten. Knöfler: "Das geht mir etwas sehr weit ins Vorfeld." Konkrete Zusagen gibt es von Tillich nicht. "Ansprechen muss ich es ja trotzdem, wenn er einmal hier ist", sagt Knöfler später. Um 14.45 Uhr geht es für den Ministerpräsidenten weiter nach Plauen. In einem war er sich mit der Klinikleitung einig: "Wir reden über Probleme auf hohem Niveau."

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