Musik so spritzig wie Prosecco

Wie bringt man Orgelklänge und Weingenuss zusammen? Der erste Orgel-Wein-Spaziergang gab darauf eine Antwort.

Zwickau.

Heinrich Pertcz musste Prioritäten setzen. Er hatte seiner Frau Christa zum Geburtstag Karten für die Premiere des Orgel-Wein-Spazierganges in Marienthal am Samstag geschenkt. "Allerdings wusste ich da noch nicht, dass unsere Nationalmannschaft an diesem Abend bei der WM spielt", sagte er. Seine Entscheidung hat er allerdings keine Sekunde bereut. Die musikalische Weinreise, die nicht nur durch Marienthal, sondern auch nach Italien, Frankreich und an die Mosel führte, ließ das Spiel schnell in den Hintergrund treten.

Die Chefin des Weinhofes Marienthal, Bärbel Möckel, sorgte mit ihrer Idee, den Spaziergang durch den Stadtteil mit Weingenuss und Orgelmusik abzurunden, für ausreichend Ablenkung. "Unser Traum war es, die Noten und den Wein zu verbinden", sagte sie. Für das Vorhaben fand sie im Kantor der Pauluskirche, Matthias Grummet, einen begeisterten Mitstreiter. Die passenden Orte in Marienthal waren schnell gefunden. Der eigene Weinhof wurde zur italienischen Exklave, der Gemeindesaal zu Frankreich, und schließlich wurde die Pauluskirche an die Mosel verlegt.

Zwischen den einzelnen Veranstaltungsteilen gab es ausreichend Gelegenheit zur Bewegung. Grummet begleitete die 50 Gäste jeweils mit Orgelstücken von Komponisten aus den jeweiligen Ländern. "Die meisten sind hier relativ unbekannt", sagte Grummet. Daher informierte er in Kurzform, zu wessen Werk er in die Tasten griff. An den ersten beiden Orten auf transportablen Orgeln und zum Abschluss auf der großen Orgel mit 24 Pfeifen in der Kirche. "Eigentlich bin ich ja kein Fan von Orgelmusik", sagte Stefan Frechen. Er und seine Frau waren eher wegen des Weines gekommen. Dennoch, so fand Frechen, passe die Musik gut zum Wein. Woher sonst erfährt man etwa, dass Musik von Giovanni Battista Pescetti genauso spritzig ist wie der Prosecco im Glas. Pescetti war übrigens der Lehrer von Antonio Salieri, der später zum Gegenspieler Wolfgang Amadeus Mozarts wurde. "Man lernt auch noch was dazu", sagte seine Frechens Frau Sandra lachend. Vom Prosecco aus Italien über den Sauvignon Blanc aus dem französischen Vale de Loire bis hin zum Riesling-Klassiker von der Mosel gab es immer wieder ein Gläschen zur Verkostung. Typisches Fingerfood aus den Erzeugerländern inklusive.

Den musikalischen Schlusspunkt in der Pauluskirche setzte bei der typisch deutschen Speckfettbemme und dem Mosel-Riesling ein bekannter deutscher Komponist: Georg Friedrich Händel. Grummet brachte einen Auszug aus dessen bekanntestem Orgelkonzert "Kuckuck und Nachtigall", quasi als Absacker zu Gehör. Und weil die Premiere am Samstag so schön war, stehen schon jetzt der 21. und 22. Juni für den Orgel-Wein-Spaziergang 2019 fest. Dann führt die musikalische Weinreise in drei andere Länder mit Weinanbau.

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