Paracelsusklinik plant Stellenabbau

Konzernweit sollen 390 Arbeitsplätze wegfallen. Auch Zwickauer könnte es treffen. Der Betriebsrat macht sich stark für die "kleine Klinik mit großem Herzen".

Zwickau.

Wie geht es weiter mit den Paracelsuskliniken Zwickau, Reichenbach, Schöneck und Adorf? Nachdem der Krankenhauskonzern kurz vor Weihnachten Insolvenz angemeldet hatte, schauen die Mitarbeiter bang in die Zukunft. Wie in dieser Woche bekannt wurde, will sich die Unternehmensführung nicht nur von der Karlsruher Klinik (190Beschäftigte), sondern voraussichtlich schon ab März konzernweit von weiteren 200 Mitarbeitern trennen. Unter anderem sind die Standorte in Zwickau und Reichenbach betroffen. Allein Zwickau hat gut 400 Beschäftigte.

Lutz Möller, zuständiger Regionaldirektor, warb gestern um Verständnis, noch keine Zahlen und Fakten für die Häuser Zwickau und Reichenbach nennen zu können. Abstimmungen seien noch nötig. "Insbesondere haben wir ein hohes Interesse daran, zuerst unsere Mitarbeiter persönlich im Rahmen von Mitarbeiterversammlungen zu informieren", so Möller.

Der Zwickauer Betriebsrat teilte gestern mit, dass auch ihm bislang keine genauen Zahlen zu einem möglichen Personalabbau vorliegen. "Es wird Einschnitte geben, die durchaus schmerzhaft sein können. Wir setzen uns aber mit aller Kraft dafür ein, solche Fälle abzumildern", so Betriebsratsvorsitzende Katja Flache. Für alle Kollegen sei es wichtig zu wissen, dass für Zwickau alle wesentlichen Leistungsbereiche erhalten bleiben. Der Betriebsrat glaubt, dass der eingeschlagene Weg für den Konzern, und damit auch für den Standort, optimistisch stimmen kann. "Wichtig ist jetzt, dass uns unsere Patienten weiterhin ihr Vertrauen schenken. Denn das kann ich mit Bestimmtheit sagen: An der Versorgungsqualität wird es keine Abstriche geben." Alle Beschäftigten werden Flache zufolge ihr Bestes geben - getreu dem Leitsatz, den ein Chefarzt kurz vor seiner Pensionierung im vergangenen Jahr formulierte: "Kleine Klinik - großes Herz".

Wie groß das Engagement der Beschäftigten ist, zeigt der Ärger unter Mitarbeitern über einen Verdacht, dem derzeit nachgegangen wird: Notfallpatienten sollen angeblich nicht mehr in die Paracelsusklinik gebracht worden sein, obwohl sie die nächstgelegene und geeignete Klinik war. Jens Leistner, Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes Südwestsachsen, bemüht sich derzeit um Aufklärung dieser Vorwürfe. Erklären kann er sich das nicht. Leistner hatte am 28. Dezember in einem Rundschreiben alle Rettungsdienstleister und Notärzte informiert, dass die Paracelsuskliniken unveränderten Krankenhausbetrieb an allen Standorten und in allen Abteilungen zugesichert haben. Er fügte in dem Rundschreiben an: "Insofern gibt es aus meiner Sicht derzeit keinen Anlass, die bisherige Einweisungstaktik der nächstgelegenen, geeigneten Klinik zu ändern." Wie er beteuerte, habe sich daran bis heute nichts geändert.

Der Konzern, der neben Krankenhäusern auch Rehakliniken betreibt, hatte im Dezember einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Im Bereich der Krankenhäuser war ein Defizit von 25 Millionen Euro aufgelaufen. Der Konzern plant ein Insolvenzverfahren in Eigenregie.

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