Pecher-Familienstreit eskaliert

Die Auseinandersetzung zwischen dem Zwickauer Landtagsabgeordneten und seiner Mutter gipfelte gestern in einem größeren Polizeieinsatz.

Zwickau.

Als Polizeibeamte die 73-jährige Waltraud Pecher von der Türschwelle aufheben, auf die sie sich aus Protest gesetzt hat, schreit sie aus Leibeskräften: "Das könnt ihr nie wieder gutmachen." Und: "Das ist nicht mehr mein Sohn!" Wenige Meter entfernt, am Rand einer kleinen Menschentraube, steht ihr Sohn Mario Pecher (55). Der SPD-Landtagsabgeordnete sieht nicht hin, als seine Mutter kreischend von den Polizisten zum Parkplatz getragen wird, wo sie sich zwischen den Mannschaftswagen beruhigen soll. "So 'ne Schauspielerin", murmelt er.

Der seit Jahren gärende Familienstreit erreichte damit gestern gegen 9 Uhr morgens seinen Höhepunkt. Der Zwickauer Politiker hatte zuvor gerichtlich durchgesetzt, dass die 73-Jährige das von ihr betriebene Gaststättengebäude "Zum Sternblick" im Stadtteil Eckersbach räumen muss. Das Landgericht Zwickau zweifelte schon im März 2017 überhaupt nicht daran, dass Mario Pecher der rechtmäßige Eigentümer ist, auch wenn seine Mutter das vehement bestreitet. Um die für gestern angesetzte Zwangsräumung abzuwenden, hatte Waltraud Pecher Unterstützer dazu aufgerufen, sich auf dem Gaststättengelände einzufinden. Laut einem Teilnehmer sollen sich 14 Leute im Gebäude befunden haben, dazu wartete eine Handvoll Personen vor dem Eingang. Die Stimmung war teils hitzig, so kam es zu kleineren Rangeleien zwischen Polizisten und Schaulustigen. Mehrere Personen filmten, was die Beamten zu unterbinden versuchten. Mario Pecher wurde von den Umstehenden mehrfach mit Schmährufen bedacht.

Neben einer hoffnungslos zerrütteten Eltern-Kind-Beziehung geht es bei der Auseinandersetzung im Wesentlichen um Geld. Mario Pecher ist formal der Eigentümer. In einer seiner seltenen öffentlichen Stellungnahmen zu dem Konflikt teilte er der "Freien Presse" schon früher mit, dass "alle mit dem Eigentum verbundenen Kosten, insbesondere Finanzierungskosten, ausschließlich von mir getragen" werden. Seine Mutter bestreitet das.

Waltraud Pecher betreibt die Kneipe seit vielen Jahren und sieht darin ihr Lebenswerk. Sie machte den Streit öffentlich, indem sie unter anderem während einer Stadtratssitzung entsprechende Flugblätter von der Zuschauerempore warf, was Tumulte auslöste. In zahlreichen Youtube-Videos beschimpft sie ihren Sohn und unterstellt Richtern sowie ihren eigenen Anwälten, sich gegen sie verschworen zu haben.

Nach der Räumung kündigte die Gastwirtin gestern an, sich jetzt an die russischen Alliierten wenden zu wollen, da sie glaubt, den Status eines russischen Kriegsgefangenen zu besitzen. Ein Diplomat sei schon bei ihr gewesen. Der Bundesrepublik sprach sie die Befugnisse ab, die Gaststätte überhaupt räumen zu dürfen. Zu dem Zeitpunkt hatte ein Handwerker die Schlösser an der Eingangstür schon ausgewechselt.

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