Pechstein-Drucke neu aufgelegt

Die Familie des berühmten Expressionisten hat der Stadt gestern einmal mehr einen Teil seines Nachlasses geschenkt. Auch der Förderverein ging nicht leer aus.

Zwickau.

Die Kunstsammlungen Zwickau - Max-Pechstein-Museum sind um drei Exponate reicher: Die Enkel des aus Zwickau stammenden, 1955 verstorbenen Expressionisten, Julia und Alexander Pechstein, haben gestern drei originale, vom Künstler in Holz geschnittene Druckplatten übergeben. Auf ihnen sind die Holzschnitte "Boot an der Brücke", "Untergehende Sonne" und "Kornpuppen" zu finden.

Pechstein, für den die Küste entlang der Ostsee zur zweiten Heimat geworden war, wollte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine weitere Grafikmappe herausgeben und entschied sich für den Kunstverlag Horst Boettcher in Berlin. Das Mappenwerk von 1948 beinhaltete neben diesen drei Holzschnitten auch drei Radierungen sowie drei Farblithografien aus dem Jahr 1947. Insgesamt wurden damals je Motiv 100Abzüge hergestellt, vom Künstler signiert und mit den Nummern 1 bis 100 versehen. Ein Exemplar des Mappenwerkes ist laut Museumschefin Petra Lewey bereits seit 1948 im Bestand der Kunstsammlungen.

Außerdem übergaben Julia und Alexander Pechstein, stellvertretend für die Urheberrechtsgemeinschaft, dem Förderverein "Max Pechstein - Kunstsammlungen Zwickau" eine exklusive Neuauflage: Je 50 Abzüge der limitierten Drucke von den drei Original-Druckstöcken, mit Stempelsignatur und der Unterschrift von Enkel Alexander, der damit die Richtigkeit des Druckvorgangs bestätigt.

Die Drucke wurden im Handabzug von dem aus dem erzgebirgischen Großwaltersdorf stammenden Kunsterzieher Heinz Vogler hergestellt. "Die drei Motive sind als Mappenwerk in Gewebeeinband mit Deckelprägung aufgelegt. 30 dieser neu editierten Mappen können im Museumsshop zum Preis von jeweils 580 Euro erworben werden", erklärte Kuratorin Annika Weise. Der Museumsleiterin, die sich über die jährlichen Schenkungen der Pechstein-Enkel freut, war die Begeisterung anzusehen: "Im nächsten Jahr ist eine Expressionismus-Ausstellung vorgesehen. Dabei wird auch Pechstein eine große Rolle spielen", betonte Lewey, die noch nichts Genaueres verraten wollte. "Das soll eine Überraschung werden." Ohne Julia und Alexander Pechstein würde es diese Ausstellung in den Kunstsammlungen aber kaum geben.

Ähnlich sieht das Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Die Linke), der an die Anfänge der Zusammenarbeit zwischen Pechsteins und der Kommune erinnerte. "Die Partnerschaft ist nicht gestellt", stellte er klar und sagte, dass die "gegenseitigen Versprechen eingelöst worden sind". Allen voran das Museum im Museum. Denn für die Umgestaltung der Kunstsammlungen hatte die Stadt immerhin 260.000 Euro in die Hand genommen, um die Werke von Zwickaus berühmtem Maler angemessen präsentieren zu können. Das weiß nicht zuletzt Alexander Pechstein zu schätzen. "Ich bin sehr, sehr zufrieden", sagte der 78-Jährige, der erneut mit seiner Ehefrau nach Zwickau gekommen war. "Wichtig ist, dass wir alle das gleiche Ziel verfolgen", fügte der Kieler an. Er zeigte sich erfreut über die Ankündigung der Stadtverwaltung, innerhalb der 900-Jahrfeier ein Pechsteinsymposium auf die Beine zu stellen.


"Zuwachs an Gruppenreisen"

Museumschefin Petra Lewey (54) hofft in der Zukunft auf mehr internationales Publikum in Zwickau. Jochen Walther hat mit ihr gesprochen.

Freie Presse: Seit 2014 gibt es die Pechstein-Ausstellung im Museum. Wie hat sich die Besucherzahl entwickelt?

Petry Lewey: Das Museum wird zunehmend überregional wahrgenommen. Wir stellen einen Zuwachs an Gruppenreisen fest, auch an Leihanfragen für internationale Ausstellungen. Die museumspädagogischen Angebote werden vorwiegend von jungen Leuten aus der Region gebucht.

Wie viele Pechstein-Exponate können die Gäste bestaunen?

In der Dauerausstellung werden 50 Gemälde und kunstgewerbliche Werke aus allen Schaffensphasen gezeigt. In der grafischen Sammlung besitzen wir 160 Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken, zudem 450 handschriftliche Briefe und Postkarten.

Wie sehen die weiteren Pläne aus, um Pechstein und sein Schaffen noch bekannter zu machen?

Symposien, Vorträge und große Sonderausstellungen sind in den kommenden Jahren vorgesehen.

Gibt es Pechstein-Exponate, die die Besucher besonders fesseln?

Das ist individuell: Die Expressionismus-Fans lieben das in Moritzburg bei Dresden 1910 entstandene Gemälde "Mädchen im Walde", andere sind von den fantastischen Ostseelandschaften aus dem Spätwerk begeistert.

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