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Völlig entkräftet wurde dieses Tier gefunden.

Foto: Carsten Schick/PF

Pferdeweiden werden für Rehböcke zur Todesfalle

Die Tiere reiben sich an vielem, um den Bast vom Geweih zu verlieren. In Oberrothenbach und Mosel wird ihnen das immer wieder zum Verhängnis.

Von Sara Thiel
erschienen am 09.06.2018

Zwickau. In Mosel und Oberrothenbach sind Tierfreunde und Tierfreunde aneinander geraten. Dabei stehen die Interessen von Pferdbesitzern auf der einen Seite, die der Jagdpächter auf der anderen. Carsten Schick, Ortsvorsteher von Oberrothenbach und selbst Jagdpächter, spricht von Tierquälerei. Anett Dürrschmidt, Chefin des ortsansässigen Reitvereins, spricht von mangelnder Gesprächsbereitschaft.

Was den Jäger so auf die Palme treibt, sind die Weiden der Pferdebesitzer. Denn die werden nicht ständig genutzt, bleiben aber dauerhaft umzäunt. Mit fatalen Folgen: In den gespannten Drähten verfangen sich immer wieder Rehböcke. Die Tiere bleiben mit ihrem Geweih in der Umzäunung hängen, die Drähte verfangen sich darin, und der Bock kann sich nicht mehr befreien - so beschreibt es Carsten Schick. "Das ist eine unglaubliche Tierquälerei", schimpft der Ortsvorsteher.

Immer wieder passiere es, dass ein Jäger solch ein Tier von seinem Leid erlösen muss. Der bisher sechste Fall habe sich erst vor Kurzem ereignet: Das Tier habe sich so in die Falle verfitzt, dass es Drähte und selbst Pfähle mit sich herumschleppte. Es habe eine Weile gedauert, bis das Tier gefunden und erlöst wurde. "Es hat jämmerlich gelitten", sagt Schick.

Das Problem ließe sich Schicks Ansicht nach ganz einfach dadurch lösen, dass die Pferdebesitzer nicht genutzte Weiden von der Umzäunung befreien. "Es geht nur um die Drähte, die Pfähle können ja stehen bleiben." Das passiere schon, entgegnet Anett Dürrschmidt vom Reitverein. "Bei den Weiden in Waldnähe haben wir die Drähte entfernt. Bei den anderen Weiden haben wir zumindest die unteren Drähte abgenommen, sodass das Damwild unten drunter durchkommt", sagt sie. Allerdings: Es geht nicht nur um den Verein, der seinen Sitz am Waldrand hat. "Es gibt viele private Pferdehalter", sagt Schick. "Besonders in Mosel ist es schlimm."

Tatsächlich haben die Jagdpächter keine Handhabe gegenüber den Pferdebesitzern. Amtstierarzt Toby Pintscher bestätigt, dass es keine Regelung gibt, die verlangt, nicht genutzte Weiden von den Zäunen zu befreien. "Es gibt nur Regeln, die besagen, dass zur Umzäunung kein Stacheldraht eingesetzt werden darf. Alles andere müsse man miteinander klären. "Ab und zu muss man auch ohne Behörde eine Lösung finden", so Pintscher.

Das aber scheint in Oberrothenbach und Mosel nicht zu funktionieren. Carsten Schick sieht die Pferdebesitzer in der Pflicht. "Sie kommen ihrer Sorgfaltspflicht nicht nach", sagt er - und das nicht allein in Richtung des Vereins.

Anett Dürrschmidt, die nur für ihren kleinen Verein sprechen kann, sieht sich wiederum mit ihren Anliegen nicht ernst genommen. Denn auch sie hat schon beim Ortschaftsrat vorgesprochen. Sie bat darum, mehr Weideplatz für die Pferde zu bekommen. "Die Wiesen in der Nähe zum Wald haben teilweise von den Wildschweinen verursachte Krater. Das ist für die Pferde gefährlich, weil sie sich verletzen können. Wir haben dadurch schon ein Tier verloren."

Dürrschmidt sagt, sie wäre offen für ein Gespräch mit den Jagdpächtern. "Aber diese Bereitschaft sehe ich auf der anderen Seite nicht." Nötig wäre es, denn beide Seiten bestätigen, dass die Zahl der verletzten Wildtiere zunimmt.

 
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