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Schwarzer Zahn, rotes "Kein": Im Team von CDU-Mandatsinhaber Carsten Körber sieht man über viele Schmierereien hinweg und plakatiert erst dann komplett neu, wenn grobe Schäden auftauchen.

Foto: Ralph Koehler/propictureBild 1 / 3

Plakate bekommen Politik-Frust ab

Fast alle Parteien im Wahlkreis Zwickau berichten, dass die Beschädigungen stark zugenommen haben. Wie sie damit umgehen, ist ganz unterschiedlich.

Von Michael Stellner
erschienen am 13.09.2017

Zwickau. Beschmierte und zerstörte Wahlplakate gehören in Westsachsen derzeit zur Tagesordnung. Nur haben die Beschädigungen im Vergleich zu vorhergehenden Wahlen eklatant zugenommen, berichten fast alle Parteien, die von der "Freien Presse" angefragt wurden. Dabei sind verunstaltete Plakate eigentlich kein Kavaliersdelikt, sondern strafbare Sachbeschädigung. Die meisten Parteienvertreter sehen eigener Auskunft nach jedoch davon ab, die Taten anzuzeigen, da die Verursacher in der Regel ohnehin nicht ermittelt werden. Es sei denn, man landet einen Zufallstreffer wie die CDU. Eines der Parteimitglieder hat nachts im Zwickauer Zentrum auf frischer Tat einen Mann erwischt, wie er ein Unionsplakat vom Mast riss, und zeigte das bei der Polizei an.

Ansonsten sehe man über die meisten kleineren Schmierereien hinweg, sagt Sebastian Brückner aus dem Büro des Bundestagsabgeordneten Carsten Körber. "Wir lassen aber die Plakate auf den Großaufstellern austauschen, wenn sie stark verunstaltet sind", sagt Brückner. Oder wenn verbotene Symbole rangeschmiert werden, wie in Crimmitschau, wo Hakenkreuze ein Merkel-Plakat verunstalteten. Überhaupt seien Merkel-Plakate besonders oft von Vandalismus betroffen. Für die 22 mobilen Carsten-Körber-Aufsteller habe man insgesamt 66 Plakate vorgesehen, um mehrfach nachzuplakatieren. Aber schon jetzt stehe fest, dass die Menge nicht reiche.

Bei der SPD sieht man die Sache recht locker. Auf den Großplakaten sind Schriftzüge zu lesen wie "Scheiß Politik" und "Wer hat uns verraten...". Direktkandidat Mario Pecher hat sich einen ganz eigenen Umgang damit überlegt. "Wir kleben überall den Schriftzug drüber: Dieses Plakat wird jetzt videoüberwacht. Vandalismus kann man nur mit Humor begegnen", sagt Pecher.

Die FDP berichtet ebenfalls von zunehmenden Beschädigungen. Kreischef Nico Tippelt zufolge sind vor allem die Großplakate in Glauchau, Wilkau-Haßlau und dem Reinsdorfer Ortsteil Friedrichsgrün betroffen - die Spur geht also quer durch den Landkreis. Aufgetaucht ist unter anderem der Schriftzug: "Alles außer AfD heißt weiter so".

Die AfD war die erste Partei, die sich über Vandalismus beschwerte. Laut Kreischef Frank-Frieder Forberg sind aber die Plakate nicht nur beschmiert, sondern oft ganz gestohlen worden. Im Kreisvorstand glaubt man den Verantwortlichen in der Antifa gefunden zu haben.

Ohne Schuldzuweisungen kommen die Grünen aus. Direktkandidat Wolfgang Wetzel nimmt es sportlich und berät auf Facebook, wie seine Plakate ordnungsgemäß zu entsorgen sind. "Die Pappe ist voll recycling-fähig, und die Kabelbinder gehören getrennt in den Plastikmüll", sagt er. Abgesehen davon sind für ihn kritische Schmierereien eine akzeptable Form politischer Meinungsäußerung. "Ich finde das völlig okay", sagt Wetzel.

Nur die Linke klagt nicht über eine Zunahme der Vandalismus-Fälle. Bisher halte sich der Schaden im Rahmen, sagt Kreischef Sandro Tröger. Außer einem beschädigten Großplakat in Hohenstein-Ernstthal sei kaum etwas zu verzeichnen.

 
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