Protest am HBK: Mitarbeiter beklagen Überlastung

Mit der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt haben sich 300 Krankenhaus-Beschäftigte der Aktion der Gewerkschaft Verdi angeschlossen.

Zwickau.

Was sie im Heinrich-Braun-Klinikum (HBK) am meisten stört? Die Krankenschwester, die sich gerade in die Unterschriftenliste einträgt, muss nicht lange überlegen. "Dass ich die Patienten nicht mehr so versorgen kann, wie ich es mal gelernt habe", sagt sie. Die Arbeitsbelastung sei heute doppelt so hoch wie früher, der Stress steige, die Anforderungen auch. Daneben steht Gewerkschaftssekretärin Simone Bovensiepen und nickt. "Viele haben das Gefühl, dass zu wenig Personal da ist", sagt sie. "Deswegen stehen wir hier."

Wir, damit meint Bovensiepen Gewerkschafter und Teile der Belegschaft, die gestern zwischen 12 und 15.30 Uhr vor dem Eingang des Krankenhauses für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen sind. Letztlich zählte Bovensiepen exakt 300 Unterschriften auf der Liste. Demnach hat sich fast jeder dritte Mitarbeiter im rund 1000 Personen umfassenden Pflege- und Funktionsdienst eingetragen. "Ein guter Anfang", sagt Bovensiepen. Ein Anfang, aus dem mehr werden soll.

Die Gewerkschaft möchte das Klinikum in Trägerschaft der Stadt und des Landkreises zu Tarifverhandlungen auffordern. Dafür braucht man eine ausreichend große Anzahl an Unterstützern, um eigenen Forderungen genügend Nachdruck zu verleihen. Denn letztlich wird es um das Gewicht gehen, mit dem Verdi seine Forderungen vortragen kann. Das ließ die Klinik-Leitung schon tags zuvor durchblicken - in einer ersten Reaktion stellte sie fest, dass an der Verdi-Versammlung, auf der die Protestaktion beschlossen wurde, 70 Gewerkschaftsmitglieder teilgenommen hatten. 70 von rund 1000Beschäftigten in den fraglichen Dienstbereichen. Diesen Aufruf nehme man zur Kenntnis, hieß es weiter, "und die Belange der Mitarbeiter ernst". Man habe zudem Mitarbeiter schon zu Jahresbeginn darüber informiert, dass in diversen Bereichen mehr Stellen geschaffen werden sollen.

Das allein aber reiche nicht, sagten Mitarbeiter gestern der "Freien Presse". Man müsse die Stellen auch besetzen können, und das gehe nicht ohne gerechte Löhne. "Wer sagt, dass er kein Personal findet, muss sich fragen lassen, warum er keinen Tarif bezahlt", sagt der Ehemann einer Klinik-Mitarbeiterin. So würden die Gehälter bis zu 350 Euro unter den Tariflöhnen liegen.

Das Heinrich-Braun-Klinikum verweist darauf, dass man sich bei der Bezahlung an den Haustarifverträgen der umliegenden Kliniken orientiere. Gewerkschaftssekretärin Bovensiepen sagt dazu: "Das stimmt schlicht nicht." Die anderen Häuser in der Region würden deutlich besser bezahlen. Außerdem sei ein Ungleichgewicht entstanden, da teils neue Mitarbeiter bei Gehaltsverhandlungen bessere Konditionen erreicht hätten als ihre schon länger beschäftigten Kollegen. "Unterschiedliche Bezahlung für dieselbe Arbeit sorgt für sozialen Unfrieden", sagt sie.

Die meisten Mitarbeiter reden aber nicht von mehr Geld, sondern sprechen über Belastung, Personalentwicklung und Wertschätzung. Vor allem letztere würde man bisweilen vermissen, sagt ein Mann. "Zum Beispiel als eine Schwester nach 30 Dienstjahren aufgehört hat. Da kam nicht einer aus der Geschäftsführung, um Danke zu sagen."

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