Röcke aus Paris für die Damen in Planitz

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 43: Gert Fröbe in Frankreich.

Zwickau.

Da Gert Fröbe (1913-1988) sich in Deutschland zunächst überwiegend mit Nebenrollen begnügen musste, folgte er Mitte der 1950er-Jahre dem Ruf aus Frankreich. Mit einem betagten Adler-Cabriolet fuhr der Zwickauer nach Paris zum Arc de Triomphe, wo er - während der Probeaufnahmen mit Regisseur Jules Dassin, seinem französischen Entdecker - im Hotel "Napoleon" nächtigte.

Schon bald wirkte der Zwickauer in französischen Produktionen mit: "Die Helden sind müde" mit Yves Montand, "Taifun über Nagasaki" und schließlich "Der Mann, der sterben muss". Dieser dritte Film bescherte ihm seine erste Hauptrolle im Nachbarland und machte ihn dort zu einer festen Größe. Gert Fröbe wurde "beschäftigt, bezahlt und geliebt in Frankreich", schreibt Michael Strauven in seiner Fröbe-Biografie "Jedermanns Lieblingsschurke". Zur feierlichen Premiere ließ der Künstler seine geliebte "Muddel" Alma aus Zwickau-Oberplanitz nach Paris holen. Die adrette Mittsiebzigerin trug etwas Selbstgenähtes und wurde dem Staatspräsidenten René Coty vorgestellt. Der weltgewandte Sohnemann zeigte seiner Mutter aus der "Ostzone" bei ihren Paris-Besuchen die Lichter der Großstadt: Champs-Élysées, Eiffelturm und sogar der Besuch erotischer Revuen im Theater Folies Bergère und im weltbekannten Moulin Rouge standen auf dem Programm. Nach den ersten Erfolgen in Frankreich ist Fröbe auch in Deutschland entsprechend seiner Fähigkeiten eingesetzt worden.

Ein Meilenstein wurde 1958 das Drama "Es geschah am hellichten Tag": Die beeindruckende schauspielerische Leistung als Kindermörder "Schrott" ebnete dem Zwickauer den Weg zur Rolle seines Lebens: "Goldfinger" (1964).

Auch in den 1970er-Jahren sei der Westsachse im Film- und Fernsehgeschäft allgegenwärtig gewesen, "aber auch schon ein wenig berühmt dafür, mal berühmt gewesen zu sein", behauptet Biograf Strauven. Wiederum seien es die Franzosen gewesen, die ihn für die wirklich interessanten Projekte engagierten. Aus dem Spielfilm "Der Mann ohne Gesicht" entstand eine Serie, die 1975 im französischen TV lief. "Fröbe ist in jeder Folge dabei, er hat Arbeit für Monate, sein Ruhm in Frankreich ist ungebrochen", weiß Strauven zu berichten.

In seinem eigenen Buch ("Auf ein Neues, sagte er... und dabei fiel ihm das Alte ein") erzählt Gert Fröbe, dass er seiner Mutter "ständig" die neuesten Modejournale aus Paris, Rom und London geschickt habe. Sie habe deshalb den Ruf genossen, den "dernier cri" (letzten Schrei) der internationalen Mode zu kennen. Die Kundinnen ihres Schneiderateliers hätten stundenlang in den Journalen geblättert und sich etwas Passendes herausgesucht.

"Niemand hat so sehr gehofft, dass ich ja recht oft in Paris beschäftigt werden würde, wie die Kundinnen meiner Mutter in Planitz", schreibt Fröbe. Damals seien enge Röcke en vogue gewesen, mit denen sich die Steilstufen der Omnibusse zwischen Planitz und dem Zwickauer Stadtzentrum aber schlecht bewältigen ließen. Alma Fröbe machte die Röcke passend. "Und so hat meine Mutter fünfzig Jahre lang den gleichen Rock geschneidert. Immer den gleichen. Obwohl sie die neuesten Journale hatte."

Sein letzter Frankreich-Film wurde "Der Regenschirmmörder" (1980). Zu den Drehorten gehörte das Luxushotel "Le Byblos" in St. Tropez. An der Seite von Pierre Richard spielte der massige Mime den Waffenhändler Otto Krampe, genannt "der Walfisch".

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