"Scheitern muss möglich sein"

Gründerbetreuer Martin Sterzel (29) über die junge Unternehmerszene in Zwickau und deren Zukunft

Zwickau.

Martin Sterzel fördert beim Gründernetzwerk Saxeed der Westsächsischen Hochschule Zwickau Start-ups. Das klingt abstrakt, tatsächlich sollen junge Gründer die Wirtschaft der gesamten Region umkrempeln. Heike Hampl hat mit ihm über Chancen und Risiken gesprochen.

Freie Presse: Herr Sterzel, Sie haben eine neue Veranstaltung ausprobiert: Saxeed, Bier und Start-ups. Klingt kurios, das müssen Sie erklären.

Martin Sterzel: Das Format haben meine Kollegen und ich entwickelt, um den Gründern der Region und denen, die noch gründen wollen, eine Plattform zu bieten. Als Gründungsförderer an der Hochschule wollen wir, dass man in entspannter Atmosphäre ungezwungen über das Thema Gründen in der Region Zwickau reden kann.

Und außer netten Gesprächen?

Initiativen, Start-ups und Gründungsförderer konnten sich - wie in der Gründerszene üblich - bei einem Pitch präsentieren, sich also vorstellen. Die Reihenfolge der Vorträge wurde per Zufall mit Hilfe eines Glücksrades bestimmt, sodass keiner wusste, wer als nächstes dran ist. Das hat die Spannung über den Abend aufrechterhalten.

Und was hat das mit Bier zu tun?

Wir hatten erfolgreiche Zwickauer Gründer zu Gast: Die Jungs von der Craft-Beer-Brauerei Kevin Brewery haben die Gelegenheit genutzt, um sich und ihre Ideen vorzustellen. Aus unserer Sicht verkörpern die Brauer den Gründergeist, den wir uns für die Region wünschen.

Die Kevin Brewery dient also als gutes Beispiel für ein junges Unternehmen aus Zwickau. Gibt's davon noch mehr?

Ja. Man muss etwas genauer hinschauen, weil etablierte Unternehmen in Zwickau präsenter sind. Als Perlen sind aber vor allem Pendix, Alpha Sigma und Snagger zu nennen, die spannende Ideen verfolgen.

Es gibt große Arbeitgeber in der Region, gerade aus der Industrie. Warum ist es überhaupt nötig, hier Start-ups zu gründen?

Start-ups können Impulse setzen, die unsere Region lebenswerter machen, weil sie Lösungen für aktuelle Probleme liefern können. Und sie stellen mit ihren Ideen Bestehendes infrage. So setzen sie Umdenkprozesse in Gang. Ohne all die Kreativen, die Gründer in der Regel sind, wäre Zwickau nur halb so bunt.

Entstehen in der Start-up-Szene zukunftssichere Arbeitsplätze?

Neun von zehn Start-ups scheitern. Eine Garantie für einen Job, den ich bis ans Lebensende ausüben kann, gibt es also nicht. Die Frage ist, ob es den in etablierten Unternehmen noch gibt. Wir sehen, mit welcher Angst die VW-Mitarbeiter nach dem Abgasskandal leben mussten.

Was fehlt den Gründern hier?

Gründer sollten öfter die Gelegenheit bekommen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Dazu gehört es, Offenheit und Kreativität zu kultivieren. Konkrete Maßnahmen wären beispielsweise eine Fuck-up-Night, da stellen Gründer Ideen vor, mit denen sie gnadenlos gescheitert sind.

Jetzt kennen wir die Probleme. Aber: Was bietet Zwickau, das jungen Gründern nützt?

Wir haben viele Initiativen und Institutionen, die ein Herz für Gründer haben. Dazu gehören zum Beispiel die IHK Zwickau, der Hacker- und Makerspace Z-Labor, Cowo Zwickau, das Kreative Sachsen und auch wir vom Gründernetzwerk Saxeed an der WHZ.

Nach dem ersten Netzwerkabend: Wird es die Veranstaltung wieder geben?

Höchstwahrscheinlich ja. Die Resonanz war ausgesprochen positiv. Das Feedback, das wir bekommen haben, stärkt uns in unserer Arbeit und hilft, das Format noch attraktiver zu machen. Beim nächsten Mal werden wir den Begriff "Bier" dann aber durch einen anderen Begriff ersetzen, der wieder in Verbindung mit dem Start-up des Abends steht.

Träumen Sie doch mal: Wie sieht Zwickaus Start-up-Szene in fünf Jahren aus?

Ich kann keine Prognose abgeben. Aber ich wünsche mir eine lebendige und offene Experimentierkultur, in der das Scheitern möglich ist. Scheitern, aufstehen, weitermachen. Ich hoffe, dass wir eine sichtbare Gründerszene in Zwickau erleben werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...