Schmerzfrei mit künstlicher Hüfte

Wie sieht ein Ersatzgelenk aus, und was passiert bei solch einer Operation? Ärzte und Schwestern des HBK in Kirchberg gaben Patienten einen Einblick in den Ablauf und den OP-Saal.

Zwickau/Kirchberg.

Die Lebensqualität von Christian Hoffmann sank schleichend. Zunächst hatte er nur ab und zu Schmerzen, bald jedoch waren sie allgegenwärtig. "Probleme beim Stehen und Liegen, kaum eine Nacht durchschlafen, sitzen mal auf der rechten, mal auf der linken Backe. Es war kein normales Leben mehr", beschreibt er sein Leiden. Vor zwei Jahren ging der heute 71-Jährige zum ersten Mal in seinem Leben ins Krankenhaus und ließ sich im Heinrich-Braun-Klinikum (HBK), Standort Kirchberg, ein neues Hüftgelenk einsetzen.

Solch starke Schmerzen verursacht oftmals ein abgenutztes Gelenk. Das Hüftgelenk ist das zweitgrößte des menschlichen Körpers. Es verbindet Rumpf und Beine und ermöglicht dem Menschen in Verbindung mit der Muskulatur das aufrechte Gehen. Dabei muss das Gelenk einer enormen Druckbelastung standhalten. Verschleißerscheinungen im Alter, angeborene Fehlbildung oder Schäden durch Unfälle können jedoch zu Einschränkungen der Hüfte führen. Wann eine Operation sein muss und wie sie sowie die Nachbehandlung ablaufen, erfuhren Interessierte und Patienten am Samstag in Kirchberg.

Hier werden jährlich je etwa 50künstliche Hüft- und Kniegelenke eingesetzt. "Wir operieren, wenn der Patient starke Schmerzen hat und das Röntgenbild eine entsprechende Konstellation zeigt", sagte Dr. Lutz Arnold, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie und Leiter des zertifizierten Endoprothetikzentrums. Mit dieser Anzahl sind die Kapazitäten der Einrichtung längst nicht ausgeschöpft. Und die beiden Operateure, Chefarzt Arnold und Oberarzt Ismail Rufati, würden gern mehr Eingriffe durchführen. Denn mit jeder OP wächst die Erfahrung. Doch die Konkurrenz ist groß. Neben der Klinik in Kirchberg können die Patienten noch weitere Einrichtungen in der Region für diese OP wählen.

Für die Besucher am Samstag war der OP-Saal besonders interessant. Ärzte und Anästhesisten erläuterten den Ablauf von der Narkose über das Öffnen der entsprechenden Körperstelle und das Anpassen des Gelenks bis zum Verschluss der Körperöffnung. Für die Patienten sei dieses Wissen sehr wichtig, meint Arnold: "Wenn sie wissen, was sie erwartet, haben sie Vertrauen und keine Angst vor dem Ungewissen." Der Eingriff dauert anderthalb bis zwei Stunden. Im HBK Kirchberg kann der Patient wählen, ob er sich unter Vollnarkose oder Spinalanästhesie operieren lässt. Die meisten, wie auch Christian Hoffmann, wählen Vollnarkose: "Ich wollte einschlafen und mit einem neuen Bein aufwachen."

Bereits am nächsten Tag muss der Patient aufstehen und mit Unterstützung des Pflegepersonals erste Gehversuche machen. Nach dem Klinikaufenthalt folgt die Reha. Christian Hoffmann freut sich über seine neue Hüfte. Zwar gehe einiges langsamer als früher, aber Hauptsache schmerzfrei. Sein neues Hüftgelenk musste bereits ein Jahr nach der OP eine Belastungsprobe bestehen. "Ich hatte meiner Frau eine Kreuzfahrt in die Vereinigten Staaten versprochen und hatte null Probleme."


Bundesweit jährlich200.000 Eingriffe

Hüftoperationen gehören zu den häufigsten Eingriffen. Ärzte führen bundesweit jährlich rund 200.000solcher OP durch. Bis es

soweit ist, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Wenn der

Gelenkknorpel im Hüftgelenk extrem verschlissen ist, ist ein Hüftgelenkersatz, eine Endoprothese, oftmals unvermeidbar. Und der Mediziner wählt eine Operation nur dann, wenn alle anderen Therapiemaßnahmen ausgeschöpft sind.

Die Haltbarkeit einer solchen Prothese liegt bei 15 bis 20 Jahren. Viele Patienten tragen sie jedoch länger. Die Prothese muss ausgewechselt werden, wenn sich die natürliche Knochenstruktur verändert und dadurch die Gelenkköpfe lockern. In den Krankenhäusern werden aber nicht nur Hüftgelenke, sondern auch Kniegelenke durch künstliche ersetzt. Mit einem Anteil von 56 Prozent sind Hüftversorgungen häufiger als Knieversorgungen. Deutschland liegt damit im europäischen Trend. Mit einem Anteil von 60,4 Prozent lassen sich Frauen deutlich häufiger eine künstliche Hüfte einsetzen als Männer.

Der Ersatz eines angegriffenen Gelenks wird nicht immer als absolut nötig angesehen. Ziel von Personaltrainer Stefan Otto ist es, durch spezielles Training, bei dem das Gelenk wieder geöffnet wird, dessen normale Funktion zu erreichen. "Bei den meisten Personen, die ich in den vergangenen 25 Jahren trainiert habe, konnte ich die normale Gelenkfunktion wiederherstellen. Nur bei zwei Personen gab es keine Chance, Zysten und Wassereinlagerungen hatten das Gelenk voll im Griff." Neben dem Training hält er auch eine Ernährungsumstellung und Entsäuerung des Körpers für nötig: "Wenn die Funktion wieder hergestellt werden kann, ist es auch möglich, das Knorpelwachstum zu aktivieren." (na)

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